Fussball

Bale und grossartige Kämpfer

Wales ist nach Island die zweite grosse Überraschung dieser EM. Mit drei sehr schönen Toren schlug Britanniens letztes Team im Wettbewerb Belgien 3:1.

<b>Die Vorentscheidung:</b> Hal Robson-Kanu erzielt nach einer herrlichen Finte das 2:1, Belgiens Goalie Thibaut Courtois streckt sich vergebens.

Die Vorentscheidung: Hal Robson-Kanu erzielt nach einer herrlichen Finte das 2:1, Belgiens Goalie Thibaut Courtois streckt sich vergebens. Bild: Laurent Dubrule

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Die Belgier mögen ihre beste Mannschaft seit den 80er Jahren haben; sie mögen noch in den Achtelfinals gegen Ungarn brillinert haben; sie mögen gegen den Aussenseiter vom Südwesten der britischen Insel schon nach 13 Minuten in Führung gegangen sein. Aber sie verloren am Ende 1:3 gegen Waliser, die grossartig kämpften, aber auch gut spielten und, dies vor allem, drei sehr schöne Tore schossen. Am Ende hatten sie den Sieg absolut verdient.

Das sagte Minuten nach Spielschluss auch ihr Manager Chris Coleman, der sein Team vor allem rühmte: «Wir haben doch nicht einfach den Ball weggehauen. Und das in einer Atmosphäre, als würden wir in Brüssel spielen.» In der Tat war das Stadion in Lille, nur ein paar Kilometer entfernt von der belgischen Grenze, weitgehend mit Fans der «Roten Teufel» besetzt. Aber am Ende waren diese geschockt, manche hatten Tränen in den Augen, und es feierten nur noch die paar wenigen tausend Waliser in der einen Ecke des Stade Pierre Mauroy.

Die blitzsauberen Tore

Vor ihnen war zwar sehr früh der Treffer Radja Nainggolans gefallen, eines der belgischen Stars, die doch den Favoritensieg ihres so hoch gehandelten Teams sichern sollten. Aber vor ihnen fielen in der zweiten Halbzeit auch die beiden Treffer, die in die Geschichte des walisischen Fussballs eingehen werden, in die Geschichte eines kleinen Fussballandes, das in diesen Tagen erstmals seit der WM 1958 wieder eine Mannschaft an ein grosses Turnier entsendet. In der 55. Minute fiel das 2:1 Hal Robson-Kanus, eines Stürmers vom zweitklassigen englischen Verein aus Reading. Arsenals Aaron Ramsey schlug eine Flanke; Robson-Kanu setzte sich im Zentrum mit einer Drehung, die wohl selbst ihn überraschte, gegen gleich drei Belgier durch. Und dann hatte er die Übersicht, auch noch Goalie Thibaut Courtois souverän zu überwinden.

Es folgte ein belgischer Sturmlauf mit sehr wenigen Torchancen. Zu gut verteidigten die Waliser um Ashley Williams, ihren Captain und Abwehrchef von Swansea City, der mit einem Kopftor nach einem Corner nach einer halben Stunde das zu jenem Zeitpunkt noch überraschende 1:1 geschossen hatte. Bestenfalls die Kopfballstärke von Marouane Fellaini, der zur zweiten Halbzeit eingewechselt worden war, drohte zu einer Gefahr für die Waliser zu werden. Aber Fellaini war erfolglos, einmal allerdings aus bester Position.

Und dann gerieten die walisischen Fans vollends aus dem Häuschen, als – eben wieder vor ihnen – in der 85. Minute das alles entscheidende 3:1 fiel. Und wie das herausgespielt war: Ein perfekter Steilpass auf den Aussenverteidiger Chris Gunter in Position des rechten Flügels; präzise Flanke; und in der Mitte drehte Sam Vokes vom FC Burnley den Ball mit perfektem Kopfball an Courtois vorbei. So wichtig dieses Tor war, so schön war es – wie eben das 2:1.

Bale – der Teamplayer

In den Halbfinals stand deshalb eine Mannschaft, die als wirkliches Team auftrat, angeführt von ihrem Superstar, von Real Madrids Gareth Bale, der fightete wie jeder andere – und halt noch besser spielte. «Wer Spieler hat wie Bale, wie Ramsey oder Joe Allen, der kann zufrieden sein,» sagte ihr Chef Coleman hinterher. Bale hat erreicht, was seine Vorgänger als Grössen des walisischen Fussballs nicht schafften – nicht Manchester Uniteds Legende Ryan Giggs, aber auch nicht namhafte Skorer wie Ian Rush oder Mark Hughes. Nämlich mal an einem grossen Turnier zu spielen. Dass die EM in diesem Jahr von 24 Teams besucht wird, brauchen sich die Waliser nicht vorwerfen zu lassen. Sie qualifizierten sich als Gruppenzweiter und sie gewannen gegen den nachmaligen Gruppensieger mal 1:0 und spielten mal 0:0. Der Gruppensieger übrigens hiess ... Belgien.

Ramseys Enttäuschung

Den Belgiern fehlte an diesem Tag, trotz der scheinbar beruhigenden Führung, das Durchsetzungsvermögen in der Offensive, vor allem von Eden Hazard und Kevin De Bruyne. Und sie liessen in der Defensive zu viel zu, in Abwesenheit des gesperrten Thomas Vermaelen und des verletzten Jan Verthongen. Der nominelle Captain und Abwehrchef, Vincent Kompany, war ja schon Wochen vor der EM ausgefallen. Er sah sich das Debakel, als das Fussball-Belgien diese Niederlage empfinden musste, aus der ersten Reihe der Tribüne an.

Die Belgier haben – aus Lille – nun wenigstens einen kurzen Heimweg. Die Waliser stellen sich kaum zu Unrecht vor, auch gegen Portugal eine Chance zu haben. Ihr einziger Nachteil: Ramsey wurde, wegen eines unnötigen Handspiels, zum zweiten Mal verwarnt. Er ist gesperrt. Er war der Einzige, bei dem sich allgemeiner Jubel mit persönlicher Enttäuschung paarte. ()

Erstellt: 02.07.2016, 09:14 Uhr

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