Zürich

Den Cup gewinnen und viele Fragen regeln

Der FC Zürich leckt die Wunden nach dem Abstieg – und sieht am Sonntag im Cupfinal gegen Lugano die Chance, einen ersten Schritt in eine gesündere Zukunft zu tun. Aber die hängt vor allem von Ancillo Canepa ab, dem Präsidenten.

Ungewisse Zukunft: Eine der vielen Fragen beim FCZ ist, ob Uli Forte auch in der Challenge League der Trainer sein wird.

Ungewisse Zukunft: Eine der vielen Fragen beim FCZ ist, ob Uli Forte auch in der Challenge League der Trainer sein wird. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Einen «rabenschwarzen Tag für die FCZ-Supporter» nannte Trainer Uli Forte diesen Mittwochabend des Abstiegs in die – aus Zürcher Sicht – sehr tiefen Niederungen der Challenge League. Drei Spiele haben dem Zürcher Forte nicht gereicht, die Mannschaft wieder so aufs Gleis zu stellen, dass sie noch zum Klassenerhalt fahren konnte. Man mag in diesen drei Matches, zumindest beim 2:2 in Sion, eine gewisse –Reaktion gesehen haben. Aber insgesamt wars nicht genug, was Forte in der Kürze schaffte.

Vor allem war das Endergebnis, der Abstieg, die einzige gerechtfertigte Konsequenz einer Saison, in der schieflief, was schieflaufen konnte. In der aber auch falsch gemacht wurde, was falsch gemacht werden konnte – vor allem natürlich vom Präsidenten, von Ancillo Canepa. Es war doch die geradezu sarkastische Pointe, dass der FCZ nun – trotz aller Fehler und sonstiger Missgeschicke – noch in der Super League wäre, wenn der albanische Stürmer Armando Sadiku am vergangenen Sonntag für Vaduz den Elfmeter gegen Lugano verwertet hätte.

Der Sadiku, den die Zürcher in der Winterpause nach Vaduz ziehen liessen, weil ihm Sami Hyypiä keine – wie er es sagte – Stammplatzgarantie geben wollte. Und Sadiku wollte unbedingt mehr spielen, weil er sonst seine EM-Teilnahme gefährdet sah. Sadiku schoss dann wichtige Tore für Vaduz, das 1:0 wäre dann «nur» noch für den FCZ wichtig gewesen; den Liechtensteinern genügte auch das 0:0, das so bestehen blieb.

Warten auf den Präsidenten

«Wir können nach so einem Ereignis nicht zur Tagesordnung übergehen», sagte Forte in der Mittwochnacht noch. «Wir müssen jetzt zwar den Cupfinal vor Augen haben, aber zuerst doch auch verarbeiten, was da an Historischem passiert ist.» Also zogen sich die FCZler gestern zurück, sie trainierten, aber es äusserte sich keiner. Umso gespannter ist man zu hören, was Ancillo Canepa heute zu sagen hat, wenn er vor die Medien tritt – zu einem «Rückblick und Ausblick» aus der Perspektive des tief gefallenen FCZ.

Canepa musste in diesen Tagen, ja Wochen und Monaten viel über sich lesen – Positives war kaum je zu finden, öfter geradezu Häme. Es war hart, nach dem Schlusspfiff am Mittwoch die Schmähgesänge der Anhängerschaft über sich ergehen lassen zu müssen. Aber wenn einer fast im Alleingang einen Verein aus der Champions League in die Challenge League hinabgewirtschaftet hat, muss er mit einigem rechnen. Als minimale Reaktion auf die Erfahrungen aus dieser Saison wäre eigentlich zu erwarten, dass sich Canepa dazu durchringt, wieder einen Sportchef einzusetzen. Der dann antreten könnte, den Verein fachlich auf eine breitere, substanziellere Basis zu stellen.

Es ist aber auch offensichtlich, dass die Mannschaft in der Challenge League ein anderes Gesicht haben muss. Es stehen in ihr zu viele Spieler, die nicht oder nicht mehr den Anforderungen eines FCZ gerecht werden. Gilles Yapi beispielsweise mag noch immer eine feine Persönlichkeit sein, aber seit dem schweren Beinbruch ist er nicht mehr annähernd der Mann, der zu einer Führungsrolle fähig ist. Es ist auch festzustellen, dass ein neuer Torhüter hermuss. Oder dass wenigstens ein bisschen schnellere Verteidiger von Vorteil wären. Es ist ja nicht so, dass es «nur» eine Sache des Kopfes ist, die den FCZ scheitern liess. Es ist sicher auch eine Sache der individuellen Qualität.

Forte – wie der künftige Trainer

Forte hat nach dem Abstieg schon mal gesagt, dass man «an der Mannschaft schrauben» müsse. Er hat zwar gleich beigefügt: «Es ist noch zu früh, zu sagen, was sich ändern muss. Dafür ist erst nach dem Cupfinal Zeit.» Aber es wirkte doch so, als könne sich Forte sehr wohl vorstellen, der Mann zu sein, der diese Schrauben anzieht oder auch ganz auswechselt. «Es wird Gespräche mit Ancillo Canepa geben», sagt er zum Thema «Forte als FCZ-Trainer auf Dauer». Und weiter: «Ich will es nicht kategorisch ausschliessen. Ein Traditionsverein wie der FCZ muss sofort zurück in die Super League. Da kann ich nicht einfach sagen, die Challenge League komme für mich nicht infrage.» Zu Recht infrage kommt sie aber für einen Verein, der hinter Grössen wie Lugano und Vaduz klassiert war. Es ist einfach nur mangelnder Respekt vor der Gegnerschaft, wenn manche sagen: «Ein Klub wie der FCZ gehört einfach in die Super League.» Wer so fuhrwerkt wie dieser FCZ, muss zu Recht in die Challenge League.

Die Frage ist nur, tritt er dort als Cupsieger und Europa-League-Teilnehmer an oder als ein paar Tage nach dem Abstieg auch noch geschlagener Cupfinalist? Wirklich reparieren können die FCZler den Schaden nicht, den sie in der Liga angerichtet haben. Aber ein Cupsieg wäre nicht nur ein versöhnlicher Prestigeerfolg, er hülfe auch, die drohende Finanzlücke kleiner zu halten. Allein das Startgeld für die Gruppenphase wird 2,4 Millionen Euro betragen; wenig im Vergleich zur Champions League, viel für einen Klub aus der Challenge League. Stadtrivale GC muss drei Qualifikationsrunden überstehen, bis er so weit ist wie der FCZ.

Es wird also ein untypischer Cupfinal im eigenen Stadion, den Forte und seine Fussballer bis am Sonntag vorbereiten – immer den Abstieg im Kopf. Gegeben hats das schon einmal: 1992 verlor der FC Luzern in Grenchen das letzte Spiel in der Auf-/Abstiegsrunde 1:2 – ein Punkt hätte zur Rettung gereicht, aber Adrian Knup verschoss einen Elfmeter. Eine Woche später gewann der FCL den Cupfinal gegen . . . Lugano 3:1. Die entscheidenden Tore in der Verlängerung schoss Knup. Der FC Wil stieg 2004 zwar auch als Cupsieger ab, doch er hatte den Final gegen GC längst gewonnen, ehe er ans Tabellenende abstürzte.

Der FCZ kann also als Cupsieger erscheinen in der Challenge League, einer Liga, in der dann nicht weniger als 37 Schweizer-Meister-Titel versammelt sein werden: Servette mit 27, der FCZ mit 12, der FC Winterthur und der FC Aarau mit je 3 und Neuchâtel Xamax mit seinen 2. Und Forte wird, ists nötig, am Sonntag hoffentlich auch klüger reden als am Mittwoch, wenn es um die Fans geht. Zu den Auswüchsen beispielsweise im Kabinengang fiel ihm dies ein. «Es sind Emotionen dabei. Ich kann den Fans nicht richtig böse sein.» Das war daneben.

Erstellt: 27.05.2016, 09:39 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.