Zürich

Der FCZ – einzig richtiger Absteiger

28 Jahre nach peinlichem Scheitern in einer Auf-/Abstiegsrunde verschwindet der FC Zürich wieder aus der Elite. Eine völlig missratene Saison beendete er zwar noch mit einem 3:1 gegen Vaduz. Lugano aber rettete sich mit einem 3:0 gegen St. Gallen – dank zwei frühen Toren.

Grenzenlose Enttäuschung nach dem Sieg ohne Wert: Die FCZ-Spieler gehen als Absteiger vom Platz.

Grenzenlose Enttäuschung nach dem Sieg ohne Wert: Die FCZ-Spieler gehen als Absteiger vom Platz. Bild: Keystone

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Immerhin fast 16 000 kamen zu diesem Schicksalsspiel des FCZ in den Letzigrund, die Südkurve begleitete ihre Mannschaft singend bis fünf Minuten vor Schluss. Dann verstummte sie – bis zum Ende einer Saison, das in die Challenge League führt. Beim Schlusspfiff herrschte beklemmende Stille – bis fast das ganze Stadion zu Sprechchören anhob. Gegen Ancillo Canepa, den Präsidenten und Alleinherrscher, dessen Verantwortung für diesen Absturz offensichtlich ist. Die Mannschaft stand da und wusste nicht, was sie tun sollte – dann schlichen die Spieler davon, von Pfiffen begleitet. Die Stimmung war geradezu gespenstisch, und es kam auch noch zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und einer Fangruppe, die den Kabinengang zu stürmen versuchte.

Nach zehn Minuten alles vorbei

Es war ein letzter bitter enttäuschender Abend für den FCZ, dem zwischendurch gar noch eine Heimniederlage gegen den kleinen, aber auf Platz 8 gesicherten FC Vaduz drohte. Das vermied die Mannschaft dann zwar mit drei Treffern zwischen der 67. und 76. Minute. Aber von der erwarteten, von den Zürchern wenigstens erhofften Spannung im Fernduell gegen den Abstieg war dieser Anlass weit entfernt.

Eigentlich war schon nach gut zehn Minuten alles entschieden: Noch ehe der FCZ ein erstes Mal halbwegs gefährlich vors Vaduzer Tor kam, waren in Lugano die ersten zwei Tore gefallen – in der 4. und der 11. Minute. Was in Zürich blieb: Den letzten Match hinter sich zu bringen – und wenigstens zu vermeiden, selbst diesem stark ersatzgeschwächten und nun wirklich nicht zum Letzten entschlossenen FC Vaduz nicht gar noch zu verlieren.

Diese Peinlichkeit ersparten die FCZler sich und ihrem Publikum. Aber natürlich konnte auch dieser letzte Match nichts, gar nichts mehr an der Bilanz dieser FCZ-Saison ändern. Es ist nichts anderes zu sagen, als dass ein Abstieg selten so verdient und so selbstverschuldet war wie dieser des FCZ. Auch wenn in der letzten halben Stunde noch die drei Tore fielen, so war die Mannschaft auch an diesem Abend, gegen diesen Gegner und unter diesem Erfolgszwang nicht fähig, mit Tempo, mit Überzeugung, mit einer dem Namen des Klubs auch nur halbwegs entsprechenden Spielkultur anzugreifen.

Keine Mannschaft

Das hat sich auch in den kurzen Wochen unter Uli Forte nicht geändert. Die Mannschaft trat bei dessen Debüt in St. Gallen so an wie unter Sami Hyypiä und bei dessen schlechtesten Spielen; es folgte ein besserer Auftritt in Sion, aber – ist man geneigt zu sagen – dort hat ja selbst Hyypiä gewonnen. Forte musste sich mit einem Unentschieden bescheiden, das seiner Mannschaft das eigene Schicksal aus den Händen nahm. Und gestern wurde sie der kämpferischen, aber auch platten Rhetorik ihres neuen Trainers nie gerecht. Es mag nicht am grundsätzlichen Willen gefehlt haben. Aber diese Fussballer sind nicht fähig, als geschlossene Mannschaft aufzutreten. Das ist ein Haufen einzelner Individuen, die offensichtlich auch längst nicht mehr an sich glauben.

Es ist klar, dass vor allem Canepa die Verantwortung für diesen Absturz trägt. Der Verein hat in den letzten Jahren so viel an Substanz verloren bei der Entwicklung zu seiner präsidialen Alleinherrschaft, dass er nun am Ende ist und in der neuen Saison nicht nur nach Winterthur zum Derby darf, ins – wie es dort heisst - «einzige richtige Fussballstadion im Kanton». Er muss auch nach Baulmes zum FC Le Mont. Und er muss sich mit Gegnerschaft auseinandersetzen, die seine Rückkehr in die Super League keinesfalls zu einem Selbstläufer machen.

Die Verantwortung Canepas

Diese Mannschaft gehört auf allen Ebenen verändert. Aber wer soll das vollziehen? Entscheidet sich Canepa beispoielsweise, wieder einen Sportchef zu verpflichtet? Wer wird Trainer? Vielleicht heisst der weiterhin Uli Forte, der ja – so absurd ist die Lage – am Sonntag im selben Letzigrund gar noch Cupsieger werden kann. Gegen den FC Lugano. Kurz nach dem Abstieg den Cup zu gewinnen, das hat ja der FC Luzern schon mal geschafft – 1992.

Das sagte dann auch Uli Forte. Er sei, liess er noch auf der Tartanbahn wissen, natürlich «frustriert. Wir machten heute unseren Job.» Weniger hatte das aus seiner Sicht dagegen der FC St. Gallen getan mit seiner Niederlage im Tessin. Allerdings wies Forte dann doch gleich darauf hin, dass es falsch wäre auf andere zu zeigen, wenn man selbst eine solche Saison hingelegt habe. «Wir müssen jetzt,» sagte er dann noch, «den Focus sofort auf den Cupfinal richten. Damit wir wenigstens den gewinnen.»

Ob eine Mannschaft mit dieser kaum ausgeprägten Kampfkraft, diesem ungenügenden Selbstvertrauen dazu fähig ist, wird sich zeigen. Selbst ein Cupsieg würde ja nichts daran ändern, dass die Dinge so sind wie es Forte selbst in den letzten Tagen immer wieder gesagt hatte: «Der Ligaerhalt ist für den Verein viel, viel wichtiger.» Aber vielleicht schiesst ja der grosse russische Altmeister Aleksander Kerschakow am Sonntag ein Tor. Gestern traf er es nicht mal, wenn es so gut wie leer war.

Auch Kerschakow, der prominente Wintertransfer, war insgesamt nicht der erhoffte Gewinn. Der gewichtigste Missgriff des Präsidenten war aber, zuerst Urs Meier – je nach Sicht der Dinge – zu früh oder zu spät zu entlassen. Und ihn dann durch Hyypiä zu ersetzen, der sich als Fehlgriff erwies, an dem Canepa zu lange festhielt – womöglich wider besseres Wissen, weil es ja auch darum ging, einen Irrtum einzugestehen. Einen kapitalen Irrtum in einer kapital misslungenen Saison. Die zu Recht mit dem Abstieg bestraft wurde.

Erstellt: 25.05.2016, 23:17 Uhr

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25.3%

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Lugano rettet sich mit einem 3:0 gegen St. Gallen

Der FC Lugano schaffte den Ligaerhalt einfacher als erwartet. Mit einem Blitzstart legten die Tessiner die frühen Weichen für den 3:0-Sieg gegen St. Gallen. Domen Crnigoj in der 4. Minute nach einem schönen Angriff und Mattia Bottani sieben Minuten später mittels eines souverän verwandelten Foulelfmeters sorgten für ein beruhigendes Polster. Die Tessiner waren danach dem 3:0 näher als St. Gallen dem Anschlusstreffer. Die Ostschweizer enttäuschten wie so oft in der Rückrunde und waren nicht in der Lage, dem FCZ Schützenhilfe zu leisten. Das Team von Joe Zinnbauer war zwar bemüht, aber über weite Strecken harmlos. Der Schuss von Marco Aratore in der 54. Minute war noch etwas vom Gefährlichsten, was St. Gallen zu bieten hatte. Zehn Minuten später vergab Albert Bunjaku eine gute Chance. Ansonsten wunderte es nicht, dass die Ostschweizer auswärts zuletzt kaum punkteten, auch wenn sie sich in der zweiten Halbzeit etwas steigerten.

Doch just in einer Phase, als St. Gallen dem Anschlusstreffer näherkam, erzielte Luganos Christos Donis nach einem Fehler von Martin Angha, der bereits den Penalty verschuldet hatte, das entscheidende 3:0 (73.).

Erstaunlich, was die Tessiner und ihr Trainerfuchs Zdenek Zeman in den letzten Wochen leisteten, nachdem sie im April drei Spiele mit dem Torverhältnis von 1:17 verloren und kaum mehr Kredit hatten. Entsprechend gross war der Jubel unter den über 6000 Zuschauern. red

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