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Der Skandal der Bayern-Fans und die Folgen

Die Bayern-Verantwortlichen sind sauer, der neutrale Fussballfan hat einen faden Beigeschmack und die Union-Fankurve beleidigt weiter.

In den letzten 12 Minuten spielten sich die gegnerischen Spieler den Ball demonstrativ hin und her. (Quelle: skysports)

Beim Spiel Hoffenheim gegen Bayern München passierte etwas, was wohl in die Sporthistorie eingehen wird. Über eine Stunde glänzte der FC Bayern sportlich in Sinsheim – dann wurde das überdeutliche 6:0 (4:0) zur Nebensache. Was war passiert? Wie reagierten Spieler und Verantwortliche? Und wieso haben viele Fussball-Fans einen faden Beigeschmack beim Ganzen?

Der Skandal und das Zeichen

In der 2. Halbzeit kam es zum Eklat. Aus der Fankurve der Bayern wurde ein Banner entrollt, auf dem Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp als «Hurensohn» bezeichnet wurde. Schiedsrichter Christian Dingert unterbrach die Partie zum ersten Mal. Zehn Minuten später wurde das nächste Banner enthüllt. Dingert pfiff wieder, schickte die beiden Teams in die Kabine. Nach fast 20-minütiger Pause kehrten die Teams auf den Rasen zurück. Doch wirklich Fussball gespielt wurde nicht mehr. Demonstrativ schoben sich die Spieler den Ball hin und her.

Dietmar Hopp neben Karl-Heinz Rummenigge (l.). (Bild: Keystone)
Dietmar Hopp neben Karl-Heinz Rummenigge (l.). (Bild: Keystone)

Die Reaktionen

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nannte die Vorgänge «einen schwarzen Tag für den Fussball». Er sagte: «Das sind Feinde des Fussballs. Sie sagen immer, es ist unser Verein. Nein, es ist nicht ihr Verein. Wir wollen mit diesen Leuten in unserem FC Bayern nichts zu tun haben.» Er wolle gegen die einzelnen Fans vorgehen. DFL-Boss Christian Seifert sagte: «Die permanenten Anfeindungen gegen Dietmar Hopp sind schon lange nicht mehr hinnehmbar und auf das Schärfste zu verurteilen. Wir haben diesbezüglich heute einen traurigen Höhepunkt erlebt.» Auch mehrere Bayern-Spieler äusserten sich in den sozialen Medien.

Proteste waren geplant, Union-Spiel kurz vor dem Abbruch

Am Samstagabend meldete sich die Bayern-Kurve zu Wort. In einer langen Erklärung verteidigten sie ihre Aktion. Ihr Hauptargument: Harte Wörter wie «Hurensohn» seien im Fussballstadion gang und gäbe. Nur wenn sie gegen Dietmar Hopp fallen, führe das zu Konsequenzen. Die Erklärung schliesst mit den Worten: «Fussball bleibt dreckig – Fans bleiben rebellisch – Gegen Kollektivstrafen – Fick dich DFB!». Kurz: Die Kurve wollte gegen die wiedereingeführte DFB-Kollektivstrafe gegen die Fans von Borussia Dortmund protestieren, die aufgrund von Beleidigungen gegen Hopp mit einem Auswärtsbann belegt worden waren.

Und das wollte nicht nur die Bayern-Kurve. So gab es auch Schmähungen gegen Hopp beim Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem SC Freiburg (1:0) sowie beim Spiel des 1. FC Köln gegen Schalke 04. Das Sonntags-Spiel Union Berlin gegen den VfL Wolfsburg stand sogar kurz vor dem Abbruch: So waren in der Berliner Fankurve während der ersten Halbzeit wieder mehrere beleidigende Fanplakate gegen Dietmar Hopp zu sehen. Der Schiedsrichter unterbrach die Partie zweimal, der Stadionsprecher wies die Zuschauer darauf hin, dass im Drei-Stufen-Plan Stufe zwei erreicht sei und weitere Beleidigungen einen Abbruch zur Folge hätten. In der zweiten Halbzeit beruhigte sich das Geschehen ein wenig, und die Partie konnte zu Ende gespielt werden (2:2).

Auch das Spiel Union Berlin gegen Wolfsburg musste unterbrochen werden. (Video: BT Sports via Twitter)

Der fade Beigeschmack

Wer in den vergangenen Jahrzehnten in Bundesligastadien zu Gast war, hat derartige Beleidigungen gegen Clubs und Einzelpersonen schon hundertfach gehört. Bei Rassismus auf den Rängen empfahl der DFB am Tag vor dem Eklat per Social Media noch, dass man den Übeltätern ein «Wir wollen Fussball schauen!» entgegensetzen solle. Auch ist noch nie ein Spiel wegen rassistischen Vorfällen fast abgebrochen worden, auch nicht beim Rassismus-Eklat um Herthas Torunarigha vor wenigen Wochen. Es entsteht der Eindruck, dass es bei Fehlverhalten Opfer erster und zweiter Klasse gibt. Leipzigs Timo Werner wird fast überall als «Hurensohn» beschimpft, Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus als «Hure», selbst die Hoffenheim-Fans beleidigten Gegner schon, etwa den SC Freiburg als «Fotzenfreiburg». Es drängt sich der Eindruck auf, dass die, die Schutz bräuchten, die etwa Ziel von rassistischen oder homophoben Beleidigungen werden, den DFL nicht interessieren, Milliardäre aber schon.

Die Vorankündigung

Rummenigge gab nach dem Spiel zu, dass man von Fanbeauftragten von der Aktion gewarnt worden sei. Auch Flick bestätigte das. Die Vorankündigung der Fans ist auch der Grund, weshalb die Kurve gefilmt worden war. So könne Bayern, so Rummenigge, jene Personen, die die Spruchbänder gezeigt hätten, juristisch zur Rechenschaft ziehen. Nur so könne man eine klare Kante zeigen. Und wörtlich: «Es ist eine Minderheit, die ganz klar an den Pranger zu stellen ist.»

Die Folgen

Mit den Verfehlungen der Bayern-Fans wird sich das DFB-Sportgericht befassen, auch bei den Spielen in Dortmund und Köln gab es wegen Schmähgesängen und Hass-Plakaten gegen Hopp kurzzeitig Unterbrechungen. Auf die Clubs kommt deshalb eine Strafe zu. Viel spannender dürfte allerdings die Frage sein, wie bestimmte Fangruppierungen, die eine solche Aktion gegen Hopp und die Kollektivstrafen bereits vorab angekündigt hatten, in den kommenden Wochen auf das Novum vom Samstag reagieren werden. Dem Deutschen Fussball-Bund und der Deutschen Fussball-Liga steht der nächste, langwierige Konflikt mit einigen Fans ins Haus.

Wie geht es nun weiter? (Bild: Keystone)
Wie geht es nun weiter? (Bild: Keystone)

Die Hintergründe

Hopp ist seit Jahren das Ziel harscher Kritik aus verschiedensten Fangruppen. Der 79-jährige Milliardär und Mitbegründer des SAP-Konzerns hat aus dem Hoffenheimer Dorfverein mit seinem Privatvermögen einen Bundesligisten und Europapokal-Teilnehmer gemacht. Für den harten Kern mancher Fangruppierungen gilt er deshalb als Symbol für die Kommerzialisierung, wie sonst nur der Red-Bull-Club RB Leipzig. Ohne Hopps Geld würde es den Profiverein TSG Hoffenheim nicht geben.

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