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Deshalb stürzen ehemalige Fussballstars ab

Mehr als die Hälfte früherer Premier-League-Spieler geht bankrott, viele haben psychische Probleme. Jetzt soll das Problem bekämpft werden.

Tief gefallener Fussballstar: Paul Gascoigne.
Tief gefallener Fussballstar: Paul Gascoigne.
Lee Smith, Reuters
Auch Ronaldinho soll pleite sein. Medienberichten zufolge besitzt er noch sechs Euro auf seinem Konto.
Auch Ronaldinho soll pleite sein. Medienberichten zufolge besitzt er noch sechs Euro auf seinem Konto.
EPA/Dai Kurokawa
Gerät zunehmends unter Druck: Gordon Taylor, CEO der Spielergewerkschaft PFA (Professional Footballers' Association).
Gerät zunehmends unter Druck: Gordon Taylor, CEO der Spielergewerkschaft PFA (Professional Footballers' Association).
Andrew Boyers, Reuters
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Jetzt auch das noch! Paul Gascoigne, der tief gefallene Held des englischen Fussballs, soll eine Frau sexuell belästigt haben. Seit der mittlerweile 51-Jährige seine Karriere 2004 beendete, sorgt er immer wieder für Skandale. Dazu hatte er immer wieder mit Alkoholsucht und finanziellen Problemen zu kämpfen. Und auch der ehemalige Barça-Star Ronaldinho soll Medienberichten zufolge pleite sein. Obwohl er zu seiner Aktivzeit Millionen verdiente, soll der Brasilianer nur noch sechs Euro auf seinem Konto haben.

Gascoigne und Ronaldinho sind nur zwei prominente Beispiele von tief gefallenen ehemaligen Fussballstars. Wie der «Guardian» schreibt, stürzt die Mehrheit früherer Profis ab – zumindest in England. Gemäss Untersuchungen der Fussballer-Hilfsorganisation XPro sollen rund 60 Prozent früherer Premier-League-Profis innert fünf Jahren nach ihrem Karriereende Konkurs angemeldet haben. Dadurch geraten sie in einen Teufelskreis: Scheidung, Depressionen oder andere psychische Erkrankungen, die Flucht in Alkohol oder härtere Drogen.

«Sie haben uns einer Gehirnwäsche unterzogen»

Ein Problem, das der frühere Liverpool-Mittelfeldspieler Danny Murphy gegenüber dem Radiosender Talksport bestätigt: «Ich kenne Spieler, die mit psychischen Problemen, Sucht und finanziellem Missbrauch kämpfen.» Der Uefa-Cup-Sieger von 2001 kennt auch einen der Gründe: «Premier-League-Spieler sind Jungs ohne Vorstellung von Geld oder Konzept. Wir waren weder durch Club noch Liga noch die Spielergewerkschaft PFA geschützt, als unabhängige Finanzberater in die Vereine kamen und uns einer Gehirnwäsche unterzogen oder uns manipuliert haben.» Der «Guardian» berichtet, ein «Buchhalter mit detaillierten Kenntnissen über die finanziellen Probleme vieler Spieler» habe herausgefunden, dass geschätzt 500 ehemalige Fussballer durch diese als Steueroptimierungen getarnten Investitionsprogramme bis zu 1 Milliarde Pfund verloren.

Murphy ergänzt: «Jetzt haben wir diese Probleme, mit denen sie nicht umgehen können.» Mit «sie» meint er die PFA (Professional Footballers’ Association). Für den Ex-Profi trägt die englische Spielergewerkschaft eine Mitschuld an der Krise. Schliesslich erhalte sie jährlich 26,6 Millionen Pfund aus dem Pot der TV-Gelder der Premier League – Mittel, die eigentlich (ehemaligen) Spielern in Nöten zur Verfügung gestellt werden müssten. Murphy kritisiert, dass das Geld nicht oder falsch ausgegeben wird. Der «Guardian» schreibt, dass die PFA im vergangenen Jahr total 500'000 Pfund an Hilfeleistungen ausbezahlt hat. Dafür bezahlt sich CEO Gordon Taylor jährlich einen Lohn von 2,29 Millionen.

Der Druck auf Taylor steigt

Der jüngste Fauxpas Taylors war, dass er nur 100'000 Pfund lockermachte, um ein Forschungsprojekt zu finanzieren, das die Gefahr von Demenz bei Profifussballern untersuchen sollte. Die englische Torjägerlegende Alan Shearer hatte in einer BBC-Dokumentation Alarm geschlagen.

Jetzt wird der Druck auf Taylor konkret. Über 200 Fussballer haben eine Petition unterschrieben, wonach der 73-Jährige nach 37-jähriger Amtszeit zurücktreten solle. Sie verlangen Reformen. «Nicht nur die TV-Einnahmen sind gewachsen, sondern auch die Probleme: Konkurs, sexuelle Missbräuche, Demenz, Sucht und Depressionen. Die PFA hat die Mittel, um Hunderten Menschen zu helfen», sagt Murphy. Die Verantwortung gegenüber aktuellen und ehemaligen Spielern sei enorm: «Bisher wurden sie nicht erfüllt.»

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