Zürich

Die Attraktion auf zweiter Ebene

In den letzten zehn Jahren sind nur zwei Vereine nach dem Abstieg aus der Super League direkt wieder aufgestiegen, Neuchâtel Xamax und zweimal St. Gallen. Das wird nunerwartet vom FCZ – dem Grossklub, der die Challenge League zur ungewohnten Attraktion macht.

Die Challenge League rückt in den Fokus: Duell zwischen Wils Caine Keller (links) und Marco Delley, der von Xamax zu Servette wechselte.

Die Challenge League rückt in den Fokus: Duell zwischen Wils Caine Keller (links) und Marco Delley, der von Xamax zu Servette wechselte. Bild: Keystone

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Der FC Zürich zweitklassig – das ist für die Gegnerschaft in der Liga zum einen ein Segen. Sie wird mehr denn je interessieren. Zum andern aber versperrt der Grossklub der Konkurrenz den Weg in die Super League – wenn er denn den allgemeinen Erwartungen und, vor allem, seinen eigenen Ansprüchen gerecht wird. Einfach wird das nicht. 2007 hats Xamax geschafft, 2009 und 2012 der FC St. Gallen, direkt in die Elite zurückzukehren. Alle andern Absteiger mussten sich länger gedulden, teils bis heute.Das sind die Gegner des FCZ – neben dem Nachbarn und Startgegner aus Winterthur, welcher der Mittelklasse zuzurechnen ist.

Die Herausforderer

FC Aarau. Die Aargauer, vor einem Jahr abgestiegen, mussten ihre ursprünglichen Zielsetzungen revidieren, als der Absturz des FCZ feststand. «Wir können unter diesen Voraussetzungen nicht den Aufstieg zum Ziel haben», sagt denn auch Sportchef Raimondo Ponte, «Favoriten sind die beiden andern, der FCZ und Wil. Wir wollen einfach möglichst lange vorne dabeibleiben.» Der FCA war nach dem Abstieg ein halbes Jahr lang enttäuschend schwach, ein halbes stark, was Hoffnungen weckte. Jetzt hat er ein Kader, das – in Pontes Worten – «nicht breit, aber qualitativ gut ist». Das eines Spitzenteams, aber bei dieser Gegnerschaft im Normalfall nicht das eines Aufsteigers.

FC Wil. Auch in Wil sprächen sie, ohne FCZ, unmissverständlich vom Aufstieg, aber auch die Türken sind vorsichtiger geworden. Sie haben ja auch genug von negativen Schlagzeilen, wie sie sie zuletzt wieder boten mit der Polizeirazzia während eines Trainings. Ugur Tütüneker, der neue Trainer, und sein Assistent mussten danach vorübergehend in die Türkei zurück, bis ihre Papiere in Ordnung waren. Allein, der FC Wil hat mit seinem zweistelligen Millionenbudget ein Kader, das es den Zürchern schwermachen kann. Es ist sehr breit, mit sehr viel Erfahrung besetzt. Und man will ja auch wirken wie ein Klub, der längerfristig seriös arbeitet.

Weitere Spitzengruppe

Neuchâtel Xamax. Die Neuenburger sind, ein Jahr nach ihrem Aufstieg, auf gutem Weg. Von 23 Spielen unter Trainer Michel Decastel seit Mitte Oktober verloren sie nur vier, am Saisonende waren sie Zweiter. Jetzt gehen sie mit einer dank Gaëtan Karlen oder Raphael Nuzzolo offensiv zumindest nominell noch verstärkten Mannschaft ins neue Jahr. Vom Aufstieg redet zwar niemand. Es wird schwer genug sein, die Ergebnisse einigermassen zu bestätigen, zumal die Abwehr knapp besetzt ist. Aber in die weitere Spitzengruppe müsste es Xamax reichen. Und vor allem: In Neuenburg wird seriös gearbeitet.

Servette. Die Genfer kommen von unten und versprechen für die Liga ähnlich ein Gewinn zu werden wie der FCZ. Ihre finanzielle Basis ist dank neuer Führung markant besser. Die Mannschaft ist gut, aber – noch – kein Aufstiegsaspirant. Also sprechen sie in Genf von einer Übergangssaison – vom Rückkehrer in den Profibetrieb zum Aspiranten auf die Super League. Eine Unbekannte ist noch der Trainer, der Franzose Anthony Braizat. Ein alter Bekannter ist Jérémy Frick, der Rückkehrer im Tor. Die prominenteste Neuerwerbung ist Alexandre Alphonse, ehedem FCZ-Meisterspieler, mittlerweile 34. Und was sie zu ihm noch gerne hätten: einen Skorer.

Die Mittelklasse

FC Schaffhausen. Der FCS geht in sein letztes Halbjahr auf der Breite, im Frühjahr wird im neuen Stadion für 8000 Zuschauer im Herblingertal gespielt. Die Vorstellung der Mannschaft fand schon dort statt. Es ist ein Kader, dem – wie in der vergangenen Saison – ein solider Mittelfeldplatz zuzutrauen ist. Allerdings ist es noch ziemlich knapp, vor allem in der Offensive. Einen gewissen Optimismus nährt, dass es die erste FCS-Saison ist, die von Axel Thoma vorbereitet wird. Und dem wird in Personalfragen eine sehr gute Nase attestiert. Er muss sie allerdings noch einsetzen. Und fürs Startspiel, gegen den FC Wil, fallen gleich beide Innenverteidiger und Aufbauer Mirko Facchinetti aus, weil verletzt oder gesperrt. Und auch das Comeback des Skorers Igor Tadic lässt noch auf sich warten. In neuer, defensiverer Rolle wird Teamleader ­Gianluca Frontino erwartet.

FC Wohlen. «Wir müssen, wie fast jedes Jahr, eine neue Mannschaft zusammenstellen», sagt Trainer Martin Rueda, «und sie wird wieder kompetitiv sein.» Seine Worte sind also realistisch, aber auch optimistisch. Es ist ihm ja schon vor einem Jahr gelungen, trotz den massiven Abgängen aus der «Sforza-Mannschaft» ein Kader zusammenzustellen, das den Klassenerhalt sportlich problemlos schaffte. Jetzt hilft ihm, dass sich die finanzielle Lage des Vereins dank dem saudiarabischen Investor und neuen Mehrheitsaktionär Monquez al-Yousef entscheidend entspannt hat. Es konnten den Spendern gar die 200 000 Franken zurückbezahlt werden, die im Winter gesammelt werden mussten, um die Lizenz zu sichern. «Ein bisschen mehr Geld ist jetzt schon vorhanden», sagt Rueda. Er hätte allerdings gerne «noch einen gestandenen Stürmer, der uns helfen kann». Das Ziel: «Möglichst früh nichts mit dem Abstieg zu tun haben und dann eine bessere Klassierung als in der letzten Saison.» Damals war Wohlen Achter. FC Le Mont. Für die Waadtländer wäre ein Erfolg, sich zur Mittelklasse gesellen zu können. Bei ihnen hat sich besonders viel geändert, 18 Spieler gingen, 15 kamen. Der langjährige Trainer im Nebenamt, Claude Gross, wurde zum Sportchef, als Profitrainer kam John Dragani, der zuletzt vor vier Jahren, in Delsberg, Chef in der Challenge League war, später in Le Mont zeitweise Assistent seines alten Freundes Gross. Zuletzt führte er die U16 des Teams Vaud. Zu den Neuen gehört eine Handvoll Spieler, die nach dem Aufstieg Lausanne verliessen oder verlassen mussten. Der namhafteste Neue kommt allerdings aus Winterthur, Alt-Stürmer Patrick Bengondo.

Der Abstiegskandidat

FC Chiasso. Vier, fünf Spieler brauche der FC Chiasso schon noch, um eine seriöse Mannschaft zu haben, sagen sie im Tessin. Der aktuelle Stand der Dinge ist gewiss der, dass Chiasso nominell Abstiegskandidat Nummer 1 ist. Nach einer Sommerpause, in der die Tessiner ihren neuen Sportchef, Carlo Cavalleri, nach kurzer Zeit wieder verabschiedeten – weil er offenbar weiter als Spielervermittler gewirkt hatte. Dem entsprach, dass sie die Verträge mit drei italienischen Fussballern, die Sportchef/Spielerberater Cavalleri verpflichtet hatte, für ungültig erklärten. Der neue Generaldirektor Nicola Bignotti bringt immerhin die Erfahrung mit, schon in Bellinzona und Lugano gewirkt zu haben.

Ein gutes Zeugnis wird dem neuen Trainer ausgestellt, Giuseppe Schienza aus Domodossola, der in der Serie A spielte, in Italien allerdings nur in unteren Ligen trainierte. In ihm sehen sie einen guten Motivator. Aber das mindeste, was er braucht, ist Zeit – eben bis er ein ausreichendes Kader hat.

Erstellt: 21.07.2016, 21:42 Uhr

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