Niederweningen

Die Kommunikation als Trumpf

 Niederweningen als Drittletzter der Gruppe 4 der 3. Liga steckt mitten im Abstiegskampf.

Beobachten und danach mit den richtigen Worten reagieren –?der Niederweninger Fussballtrainer José Linares kann seine Talente sowohl im Sport wie auch im Beruf als Coach und Kommunikationstrainer ausleben.

Beobachten und danach mit den richtigen Worten reagieren –?der Niederweninger Fussballtrainer José Linares kann seine Talente sowohl im Sport wie auch im Beruf als Coach und Kommunikationstrainer ausleben. Bild: David Küenzi?

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Die kleine Gemeinde mit weniger als 3000 Einwohnern hat in verschiedenen Bereichen nicht die vortrefflichsten Ressourcen. Dafür sind die Kommunikationsfähigkeiten im Wehntaler Klub seit Jahren immens.

Zur Erinnerung. 2004 übernahm Trainer Peter Kloter den damaligen Drittligisten Niederweningen. Der Coach stand dermassen temparamentvoll auf dem Trainings- und Fussballplatz und wies seine Spieler dermassen lautstark an, dass er zuweilen beinahe im sechs Kilometer entfernten Dielsdorf zu hören war. Bei den Akteuren kamen die Worte des Coachs sehr gut an. Sie schossen Tore am Laufmeter, stiegen in die 2. Liga auf und zeigten auch dort begeisternden Offensivfussball. Auf Kloter folgte 2012 Markus Bellwald, der ebenfalls ein begnadeter Kommunikator ist und heute in Oberglatt noch immer erfolgreich als Coach arbeitet. Seit eineinhalb Jahren leitet José Linares die Geschicke des Niederweninger Fanion­teams. Der 47-Jährige schloss die erste Saison mit seiner Mannschaft auf Rang 7 ab. Aktuell siehts mit Platz 10 schlechter aus – der Abstieg in die 4. Liga droht. Doch in Niederweningen verliert niemand die Nerven, denn die Kommunikation zwischen dem Trainer und den Spielern ist nach wie vor sehr gut.

Leistungsträger verliessen Klub

Spieler und Assistenztrainer ­Patrick Eschler lobt gar Trainer Linares: «Seine Organisation, die Kommunikation und die abwechslungsreichen Trainings kommen an.» Auch im menschlichen Bereich stimmt es. Eschler ergänzt: «Er ist ein guter Typ, fair, und er stellt immer die Mannschaft in den Vordergrund.» Ähnlich sieht es Stürmer Raffael Haldemann: «José Linares ist ein passionierter Trainer, der den Fussball lebt. Das merkt man in jedem Training. Für ihn ist der Teamgedanke sehr wichtig.»

Angesichts der vielen Komplimente erstaunt es nicht, dass Linares trotz der momentan ungemütlichen Tabellensituation gerne Trainer in Niederweningen ist. «Die Arbeit mit der Mannschaft macht mir enorm viel Spass.» Der Inhaber des Uefa-B-Trainerdiploms SFV kennt seine aktuellen Spieler zum Teil bestens. Seit 2005 trainierte der ­spanisch-schweizerische Doppelbürger im FC Niederweningen die E-, D-, B- und A-Junioren. Der Coach, der in Genf aufgewachsen ist und später in Zürich bei den Zweitligisten Blue Stars am rechten Flügel oder als Sturmspitze bei Oerlikon/Polizei im Mittelfeld selber gespielt hat, will in den kommenden Wochen mit unterschiedlichen Systemen, unter anderem dem 4-4-2, den Ligaerhalt sichern. Der Coach zum 4-4-2: «Dieses System bietet eine gute Spielfeldbesetzung, Kompaktheit, defensive Solidität und ein gewisses kollektives Gleichgewicht für das Team.»

«Nach oben orientieren»

Der Trainer hat im Niederweninger Fanionteam keine einfache Situation angetroffen. Die langjährigen Ausnahmespieler Remo und Philipp Riedener, Raffael Muntwyler, Raphael Dorsaz, Philipp Jäckle sowie Dominik Weber, Christopher Haak und Marco Keller verliessen im Sommer 2014 den Klub. Carlo Meier und Salomon Ernst kehrten zurück. Ansonsten wurde der Kader mit Talenten aufgestockt. In der Zwischenzeit konnte Linares acht Junioren in sein Team integrieren, auf die aktuelle Rückrunde hin sind noch fünf neue exter­­ne Verpflichtungen dazugekommen. Dadurch ist der Kader nicht nur breiter, sondern auch jünger (Durchschnittsalter von 24 Jahren) geworden. Jetzt gelte es, diese erarbeitete Basis zu harmonisieren, zu konsolidieren und nachhaltig zu entwickeln. Der Coach ergänzt optimistisch: «Wir wollen uns in Zukunft in der 3. Liga nach oben orientieren.»

Linares, der seit bald 20 Jahren glücklich mit Elisa verheiratet und Vater des 18-jährigen Alejandro ist – der Sohn hat für für das Niederweninger Fanionteam auch schon Tore erzielt –, spricht nicht nur gerne über Fussball.

Der Familienvater, der sich in Spanisch, Französisch, Deutsch, Portugiesisch und Italienisch verständigen kann, interessiert sich ebenso für perfekte Kommunikation und optimale Abläufe in Firmen. Dafür hat er Versicherungswirtschaft, Finanzplanung, Betriebswirtschaft, General-Management, betriebliches Mentoring und zuletzt CAS in Coaching studiert. «Meine Mission ist es, die Bedürfnisse von Privatpersonen und Unternehmen bei der Entwicklung von Kommunikationsfähigkeiten zu erfüllen und einen gesamtheitlichen Ansatz bei der Begleitung von Lern-, Veränderungs- und Entwicklungsprozessen in Unternehmungen zu gewährleisten», umschreibt er seine beruflichen Ziele. Seit Jahren ist er selbstständig und bietet als Coach, Kommunikations- und Verkaufstrainer sowie betrieblicher Mentor Seminare und Trainings an. «Es läuft mir beruflich gut», berichtet Linares mit Freude.

Gesamtheitlicher Ansatz

An der fehlenden Kommunikation wird es nicht liegen, wenn Niederweningen in den kommenden Wochen nicht die nötigen Punkte für den Ligaerhalt holt – in der Kommunikation weisen die Wehntaler 2.-Liga-Niveau auf.

Erstellt: 08.04.2016, 18:49 Uhr

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