Zürich

Die letzte Hoffnung des FCZ

Die Lage ist klar: Der FCZ muss heute im Heimspiel gegen Vaduz mehr Punkte holen als der FC Lugano gegen St. Gallen. Glückt das nicht, steigen die Zürcher in die Challenge League ab.

So wars am 9. April 1988: Nach vier Niederlagen und dem 0:0 in Locarno war der Abstieg des FCZ nicht mehr zu vermeiden.

So wars am 9. April 1988: Nach vier Niederlagen und dem 0:0 in Locarno war der Abstieg des FCZ nicht mehr zu vermeiden. Bild: STR

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Am 24. Mai 1988 begab sich schon mal, was dem FCZ heute, am 25. Mai 2016, widerfahren könnte: Er trat ein letztes Mal für eine Zeit lang als Verein der Super League, die damals noch Nationalliga A hiess, zu einem Match an. Damals war die Entscheidung in der Auf-/Abstiegsrunde schon lange vorher gefallen, so schwach spielte der FCZ.

Nach dem 2:3 in Grenchen beendete er die Saison mit neun Pünktchen aus 14 Spielen (gemäss Zweipunkteregel) auf Platz 6, 14 Punkte hinter dem FC Sion überm Strich. In der Qualifikation im Herbst war der FCZ – mit elf Punkten aus 22 Matches – 12. und Letzter gewesen, zwei Punkte hinter dem . . . FC Basel.

«Wir hatten damals eine gute Mannschaft», sagt Wolfgang Vöge, der als langjähriger Dortmunder und Leverkusener Bundes­liga-Profi im Sommer 1987 aus Winterthur auf den Letzigrund gekommen war. «Es hätte eigentlich für den 5. oder 6. Platz reichen sollen. Wir hatten doch auch Charakterspieler wie Ruedi Landolt oder Roger Kundert in der Mannschaft.» Und sie hatten Thomas Bickel.

Auch «Timo» half nicht

Aber es missglückte unter dem österreichischen Trainer Hermann Stessl der Start. An einem Septembersonntagmorgen nach einem Heim-1:3 gegen den FC St. Gallen mit Trainer Markus Frei, nach zehn Spielen mit nur sechs Punkten, entliess Präsident Sven Hotz Stessl und holte Timo Konietzka zurück, der ein Jahrzehnt zuvor der Meistertrainer gewesen war.

Im dritten Match unter Konietzka verlor die Mannschaft nicht nur in Neuenburg gegen den Meister Xamax 2:5 – es wurde auch Vöges Karriere durch ein Foul von Pierre Thévenaz beendet. «Es war die 13. Runde, ein Freitagabend – und in meinem Knie war alles kaputt», sagt Vöge. Er spielte nie mehr als Profi – heute ist er prominenter Spielerberater und beim FC Winterthur zuständig fürs Personal.

Auch der einstige Meistercoach Konietzka brachte diese FCZ-Mannschaft nicht mehr auf die Reihe. Die Finalrunde wurde klar verpasst, in der Auf-/Abstiegsrunde folgten einem 3:1 gegen Martigny gleich vier Niederlagen und ein 0:0 in Locarno. Längst war klar, dass auch der im Spätherbst verpflichtete holländische Stürmerhaudegen John Linford keine Hilfe sein würde. Nach nur elf Spielen musste er wieder gehen.

Es half auch der im Winter geholte schwedische Jung-Nationalspieler Jonas Thern nichts. Negativer Höhepunkt war dann, schon wieder ohne Linford und Thern, ein 1:4 in Martigny, auch wenn für die Walliser damals einer wie Georges Bregy wirkte. Zum letzten Heimspiel des Absteigers kamen dann noch 700 Zuschauer in den Letzigrund. Sie sahen ein 3:1 gegen Locarno.

Der FCB – ein schwacher Trost

Es war der FCZ-Gemeinde ein schwacher Trost, dass in der andern Gruppe auch der FCB abstieg. Für den war es das Ende eines schleichenden Niedergangs in einer finanziell schwierigen Zeit. Ein Jahr zuvor hatte sich Trainerveteran Helmut Benthaus noch mit einem 7:0 gegen den FC Wettingen im entscheidenden Abstiegsspiel verabschiedet, nun war Nachfolger Urs Siegenthaler nicht fähig, die Klasse zu halten.

Heute ist Siegenthaler in seiner beratenden und beobachtenden Funktion eine wichtige Figur im Stab des Weltmeistercoachs Joachim Löw! Immerhin, der FCZ kehrte schon nach zwei Jahren in die Nationalliga A zurück, der FCB musste sich vier Jahre länger gedulden.

«Die Hoffnung stirbt zuletzt»

Anders als vor 28 Jahren ist heute das letzte Heimspiel des FCZ nicht mehr bedeutungslos, im Gegenteil. Aber es steht unter dem Motto «die Hoffnung stirbt zuletzt», wie es Uli Forte in seinen ersten Tagen als FCZ-Trainer wiederholt formulierte. Denn nach dem 0:3 in St. Gallen und dem 2:2 in Sion haben die Zürcher ihr Schicksal nicht mehr in eigener Hand. Sie wissen, dass es ohne St. Galler Hilfe nicht geht.

Gewinnen die Ostschweizer in Lugano, reicht dem FCZ schon ein Unentschieden gegen Vaduz, um am Ende einer völlig verkorksten Saison doch noch erstklassig zu bleiben – dank besserer Tordifferenz bei Punktgleichheit mit den Tessinern. Und holt St. Gallen wenigstens einen Punkt, kann es der FCZ mit einem Sieg schaffen.

Forte muss seinen nach einem Platzverweis gesperrten Abwehrroutinier Alain Nef ersetzen, was er mit Leonardo Sanchez tun wird, der zuvor in St. Gallen Rot gesehen hatte. Fraglich ist, ob Oliver Buff, Vinicius und Franck Etoundi spielen können. Alle drei fielen am Sonntag in Sion angeschlagen aus. Nach dem Abschlusstraining gestern Nachmittag blieben die Zürcher beisammen, sie übernachteten im Hotel.

Sadiku – Albanien statt Zürich

Gegner Vaduz kommt mit der Gelassenheit einer Mannschaft, die vorzeitig ihre Saisonziele erreicht hat: Die Liechtensteiner wissen seit ein paar Wochen, dass sie als Cupsieger wieder international spielen können; und sie wissen seit dem 0:0 gegen . . . Lugano am Sonntag, dass sie eine dritte Super-League-Saison in Folge planen dürfen. Das ist eine starke Leistung des Teams um den Trainer Giorgio Contini.

Dem fehlt heute der eine oder andere Verletzte, beispielsweise Haudegen Philipp Muntwiler oder Ali Messaoud, der sich gegen Lugano einen Bänderriss in der Schulter zuzog. Das passierte bei jenem Foul, das dann zum Elfmeter für Vaduz führte – und den Armando Sadiku verschoss, die Leihgabe des FCZ. Sadiku wird heute ebenfalls nicht zum Aufgebot gehören, «aber nicht wegen des Themas FCZ», wie Contini klar sagt.

Sadiku habe den Vaduzern mit seinen sieben Toren in diesem Frühjahr «viel geholfen». Deshalb – und auch als Geste gegenüber dem albanischen Nationalcoach Gianni De Biasi – fliege Sadiku am frühen Donnerstagmorgen nach Albanien, ohne vorher die EM mit einem letzten Einsatz riskiert zu haben. Dass Sadiku in der kommenden Saison nicht mehr für Vaduz spielen wird, «ist klar», wie auch Contini sagt. «Er wäre für uns schon gar nicht finanzierbar.»

In Zürich werden sie auch ständig wissen wollen, wie es in Lugano steht. Und aus dem Tessin blicken sie nach Zürich. Ein Aufsteller war für die Luganesi, dass ihnen Jonathan Sabattini schon am Montag im Training wieder einen Besuch abstattete – fast nicht mehr gezeichnet vom Zwischenfall, der nach wenigen Minuten des Spiels in Vaduz einen längeren Unterbruch erzwungen hatte. Im Aufgebot wird er heute nicht stehen.

Vielleicht reichts ja für den Sonntag, fürs letzte Spiel des Jahres: FCZ – Lugano im Letzigrund wird der Cupfinal sein zwischen dem Absteiger und einem Klub, der seine Saison mit einem Cupsieg geradezu glanzvoll ausklingen lassen kann. Danach werden sie in Zürich auch die Frage stellen, ob Forte ihr Trainer bleibt. Das sei «kein abwegiger Gedanke», hat er gestern schon mal gesagt.

Erstellt: 25.05.2016, 11:43 Uhr

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