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Die Wettmafia schoss seinen Teamkollegen an – in der Kabine

Glitzerwelt Fussball? Yves Ma-Kalambay ist einer dieser Spieler, die von der harten Realität abseits der Topligen erzählen können. Und seine Geschichte, sie ist wirklich verrückt.

Die verrückte Geschichte von Yves Ma-Kalambay. Video: <a href="https://youtu.be/b9tmrzGYjnk" target="_blank">Athlete's Stance</a>

Plötzlich stockt er, seine Stimme wird brüchig. Yves Ma-Kalambay, 1,98 Meter gross, rund 100 Kilo schwer. Eine imposante Erscheinung. Nun aber sitzt er da, erzählt von einem lauten Knall in der Kabine. Er ist den Tränen nahe.

Der mittlerweile 33-Jährige hat eine bewegte Karriere hinter sich, seit er 2004 in die U-18 von Chelsea wechselte, wurde er durch halb Europa gereicht. Zuerst wurde der Goalie, der bis zur U-21 belgischer Nationalspieler war, ausgeliehen, danach suchte er glücklos einen Stammverein. Ma-Kalambay erzählt seine Geschichte in einer kurzen Doku mit Athlete's Stance, dem Medium, bei dem der frühere Schweizer Nationalspieler Johan Djourou Teilhaber ist. Es ist eine Geschichte, wie sie Tausende Fussballer erleben, die von einer grossen Karriere träumen. Nur: Abseits der europäischen Topligen fliessen selten Milch und Honig – oftmals essen die Spieler hartes Brot. So auch Ma-Kalambay, der die letzten beiden Saisons seiner Karriere bei den Wycombe Wanderers in Englands dritter Liga absolvierte.

Der Albtraum in Rumänien

Da hatte er mit Fussball schon fast abgeschlossen. Zu aufwühlend war seine letzte Station gewesen, bei Otelul Galati, einem rumänsichen Erstligisten, der in der Saison 2011/12 noch gegen den FC Basel in der Champions League gespielt hatte. «Als ich ankam, wurde erstmal mein Reisepass eingezogen», erzählt er. Reine Formalität sei das, wurde ihm versichert. Nur: Er sollte den Pass erst Monate später zurückbekommen. Das wusste er damals aber noch nicht.

Was er auch nicht wusste: Dass es in der Kabine vor Spielen unangenehm werden konnte. Sehr unangenehm. Der in Belgien geborene Kongolese erinnert sich: «Wir hatten uns umgezogen, als ein paar fremde Männer den Raum betraten. Das Seltsame war: Sie bewegten sich frei, hatten keine Scheu davor, in unsere Kabine zu kommen.» Die Männer kamen direkt auf ihn zu, redeten auf ihn ein. Ihre Botschaft war eindeutig: Er musste in der ersten Halbzeit drei Gegentore kassieren. Doch Ma-Kalambay fand das nicht so witzig: «Ich bin ein grosser Junge, mir muss keiner sagen, was ich zu tun habe.» Also sass er nach 45 Minuten Spielzeit wieder in der Kabine, sein Team führte 1:0. Es herrschte seltsame Stille – viele der Teamkollegen wussten wohl, was passieren würde.

Plötzlich knallte die Tür auf, wieder kamen die Männer herein. Dieses Mal erbost. «Unser Trainer rannte sofort raus», erzählt Ma-Kalambay. Die Männer umkreisten den Goalie, schrien ihn an. Doch er hatte Glück: Es blieb bei der letzten Warnung, stinksauer verliess die Gruppe die Kabine. «Danach war ich richtig verängstigt, spielte die vielleicht schlechteste Halbzeit meiner Karriere», sagt Ma-Kalambay. Immerhin: Ihm wurde nichts angetan. Im Gegensatz zu seinem Teamkollegen.

«Mit diesem Bein schiesst du nie wieder ein Tor»

«Die gleichen Männer kamen vor einem Spiel zu seinem Platz in der Kabine und sagten: ‹Du darfst heute kein Tor schiessen›», erzählt der heutige Fitnessinstruktor. Doch auch der Stürmer hörte nicht, erzielte einen Treffer. «Also kamen die Männer zurück», erzählt Ma-Kalambay. Dann wird seine Stimme schwächer: «Sie standen um ihn herum. Plötzlich zückte einer von ihnen eine Pistole und ich hörte einen lauten Knall. Gefolgt von einem Schrei, den ich nie vergessen werde.» Die Männer von der Wettmafia hatten offenbar viel Geld wegen des Stürmers verloren: «Also sagten sie: ‹Mit diesem Bein schiesst du nie wieder ein Tor.›»

Ma-Kalambay wollte nur noch weg. Dumm nur: Er hatte seinen Reisepass noch immer nicht: «Die Vereinsverantwortlichen gaben mir zu verstehen, dass ich dann gehen kann, wann sie es sagen.» Es vergingen Monate, bis plötzlich ein Kurier den Pass vorbeibrachte. Sofort ergriff Ma-Kalambay die Flucht: «Ich reiste mit dem Bus zurück nach London. Ich hatte nichts, ausser einem geladenen Handy und einem Sack mit Geld.»

Im Sommer beendete er seine Karriere, arbeitet seitdem in einem Fitnessstudio. Nach Galati war er zwei Jahre vereinslos, ehe er bei Wycombe unterschrieb. Es war ein versöhnlicher Abschluss einer verrückten Laufbahn. Aber immerhin: Er war es, der deren Ende bestimmen konnte – und nicht eine Kugel in seinem Körper.

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Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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