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«Du bist nichts Schlechteres, weil du ein Mädchen bist»

Das US-Frauenteam kämpft weiterhin um mehr Lohn. Und bekommt dabei Unterstützung der männlichen Berufskollegen.

Traumtor: Megan Rapinoe trifft zur Führung gegen Japan. (Video: Ross Duncan via Youtube)

Ein Schuss, eine Bestätigung. Ein Tor, eine Genugtuung. Als sich Megan Rapinoe am Donnerstag in Frisco, Texas, den Ball zurechtlegte und Anlauf nahm, ging es um mehr. Es ging darum, es den Kritikern, die diesmal aus den eigenen Reihen kamen, zu zeigen. Wieder einmal. Rapinoe tat das, ihr Tor im Spiel gegen Japan war herrlich, der Jubel ausgelassen. Und irgendwo auf der Tribüne könnte sich Carlos Cordeiro, der amerikanische Fussballverbandspräsident, gedacht haben: «Vielleicht sind die ja doch zu mehr in der Lage, als ich angenommen hatte.»

Cordeiro hatte sich wenige Stunden vor diesem Spiel dafür rechtfertigen wollen, dass Fussballerinnen in den USA weniger verdienen als ihre männlichen Berufskollegen. Er tat das mit einer sehr unglücklichen Äusserung und fand erstens, dass Männer ein höheres Niveau an Fähigkeiten mitbringen, und zweitens, dass sie mehr Verantwortung tragen. Das stank dem Team um Rapinoe, bei der Nationalhymne vor dem Spiel gegen Japan trugen alle Spielerinnen ihr Trikot verkehrt herum. So, dass das Logo des Verbands nicht zu sehen war. Einige hielten die Hand an die Brust, andere, wie Rapinoe, nicht. Die USA gewannen schliesslich 3:1.

«Unglaubliche Frauen!»

Nach dem Spiel wandte sich Rapinoe aus der Interviewzone an ihr Land und sagte: «An jedes Mädchen da draussen: Du bist nichts Schlechteres, weil du ein Mädchen bist. Und an jeden Jungen: Du bist nichts Besseres, weil du ein Junge bist.» Sie bekam Support, auch von männlicher Seite. DaMarcus Beasley, einst US-amerikanischer Nationalspieler, schrieb auf Twitter, er sei genervt und enttäuscht von den Äusserungen von Cordeiro. Er erinnerte daran, dass man hier von Olympiasiegerinnen spricht. Von Weltmeisterinnen. Und: «unglaublichen Frauen!». Auch findet er, dass diese «die gleichen – wenn nicht mehr – Fähigkeiten haben». Noch im Februar hatte das Männerteam ein Statement veröffentlicht, in dem es schrieb, die Frauen sollten sogar dreimal mehr verdienen als sie selbst.

Cordeiro ist mittlerweile zurückgetreten, die Anfeindungen waren zu gross. Und er zeigt sich reuig, unentschuldbar und inakzeptabel seien seine Worte, «sie haben grosse Schmerzen verursacht, insbesondere bei unseren aussergewöhnlichen Spielerinnen, die es besser verdienen». Cordeiros Nachfolgerin an der Spitze des US-Verbands heisst Cindy Parlow Cone und ist ehemalige Nationalspielerin, 158-mal lief sie für die USA auf und erzielte dabei 75 Tore.

Cindy Parlow Cone ist die erste weibliche Person, die den amerikanischen Fussballverband führt. (Bild: AP)
Cindy Parlow Cone ist die erste weibliche Person, die den amerikanischen Fussballverband führt. (Bild: AP)

Der Streit zwischen dem US-Frauenteam und dem Verband tobt schon seit Jahren. Die Spielerinnen wollen mehr Lohn, gingen dafür auch schon vor Gericht. Um 67 Millionen US-Dollar geht es. Am 5. Mai soll verhandelt werden. Die Truppe um Leaderin Rapinoe ist erfolgreicher als das Männerteam, wurde bereits viermal Weltmeister, während es bei den Fussballern zuletzt nicht mal für die Teilnahme an der WM 2018 reichte.

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