Zum Hauptinhalt springen

«Eine Ohrfeige habe ich nie kassiert»

Beni Thurnheer hat am Fernsehen manchen träfen Spruch über Fussballer und Sportfunktionäre fallen lassen. Einen Vorfall wie in Lugano, wo Sion-Präsident Christian Constantin Fernseh-Experte Rolf Fringer attackiert hat, hat er aber noch nie erlebt.

Beni Thurnheer: «Die Journalistinnen und Journalisten müssen ihre Arbeit machen können, ohne sich vor irgendwelchen Reaktionen fürchten zu müssen. Das ist wichtig.»
Beni Thurnheer: «Die Journalistinnen und Journalisten müssen ihre Arbeit machen können, ohne sich vor irgendwelchen Reaktionen fürchten zu müssen. Das ist wichtig.»
Johanna Bossart

Was sagen Sie als Fernsehjournalist zum Vorfall gestern am Match Lugano gegen Sion?

Ich war nicht dabei, ich will mich darum nicht aufs Glatteis wagen.

Sie haben als Kommentator auch schon spitze Bemerkungen gemacht. Wurden Sie deshalb auch schon bedroht?

Nein, ich glaube auch nicht, dass Sions Präsident Constantin mich je abschlagen würde. Als Kommentator ist man aber ja auch in einer anderen Rolle als die Experten. Diese werden ja extra eingeladen, um eine pointiertere Meinung ins Fernsehen zu bringen. Als Kommentator und Moderator wählt man die Worte vielleicht etwas vorsichtiger aus. Ich muss aber nochmals sagen: Ich war nicht dabei, ich weiss nicht was gestern Abend genau gesagt wurde.

«Körperliche Gewalt auf Grund eines Kommentars am Fernsehen ist ein absolutes No-go.»

Sportmoderaotr Bernard Thurnheer

Verurteilen sie die Attacke des Sion-Präsidenten?

Bevor man nicht genauer weiss, was passiert ist, sollte man kein Urteil fällen. Im Internet lese ich bereits verschiedene Versionen über die Geschichte. Ich kann aber die grundsätzliche Aussage machen: Körperliche Gewalt auf Grund eines Kommentars am Fernsehen ist ein absolutes No-go. Die Journalistinnen und Journalisten müssen ihre Arbeit machen können, ohne sich vor irgendwelchen Reaktionen fürchten zu müssen. Das ist wichtig. Noch ein Nebenaspekt: Constantin ist ja auch einer der Promotoren für die Olympia-Kandidatur von Sion. Dieser Sache hat er mit seinem Auftritt ganz sicher einen Bärendienst erwiesen. Wer will schon ein Olympia-Projekt, bei dem einer der Exponenten sich so verhält?

Ist der Umgang heute denn rauer als früher?

Was sich verändert hat, ist dass alle Kommentare immer direkt und live mitverfolgt werden. Das zeigt auch das Beispiel von Constantin: Er wusste am Ende des Spiels offenbar schon, was Fringer zuvor auf Teleclub über ihn gesagt hatte. So etwas ist nur in der heutigen Medienwelt möglich.

«In der zweiten Halbzeit liess ich einen Spruch fallen, und nach dem Spiel wusste Ciriaco Sforza schon Bescheid.»

Sportmoderator Beni Thurnheer

Zu Ihren Zeiten lief das noch gemächlicher?

Mit den Smartphones hat sich vieles verändert. Wobei: Eine ähnliche Situation kommt mir in den Sinn, aus der Anfangszeit der Handys. Bei einem Nati-Freundschaftsspiel war Ciriaco Sforza Captain, obwohl er schon im Vorfeld sagte, er finde das Spiel eigentlich überflüssig. Prompt liess er sich in der Pause auswechseln, mit einer angeblichen Verletzung. Da habe ich in der zweiten Halbzeit einen Spruch fallen lassen: Bei der Schweiz verlässt der Kapitän heute als erster das Schiff. Beim Interview nach dem Spiel wusste Sforza schon Bescheid, offenbar hatte ihn jemand via Handy informiert. Es blieb jedoch bei ein paar Sprüchen. Weit enfernt von Handgreiflichkeiten. Eine Ohrfeige habe ich in meiner ganzen Karriere nie kassiert.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch