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Wer schenkt dem FCZ einen Kompass?

Beim 1:4 bei Servette erhält der FC Zürich wieder einmal vier Gegentore. Goalie Brecher sagt: «Wir haben in der Rückrunde noch nichts Anständiges abgeliefert.»

Servette ging in der 22. Spielminute nach Chancenplus verdient durch Grejohn Kyei in Führung. Der Franzose wurde vor Brecher sträflich allein gelassen und bekundete keine Mühe den Ball in der unteren linken Torecke zu versenken. Bei dieser 1:0-Führung blieb es bis zur Pause.
Servette ging in der 22. Spielminute nach Chancenplus verdient durch Grejohn Kyei in Führung. Der Franzose wurde vor Brecher sträflich allein gelassen und bekundete keine Mühe den Ball in der unteren linken Torecke zu versenken. Bei dieser 1:0-Führung blieb es bis zur Pause.
freshfocus/Claudio de Capitani
Nach der Pause waren es zuerst die Genfer, die stark aufspielten. Die Grenats liessen aber zu viele ihrer Chancen liegen. Ganz nach dem Motto: 'Wer sie vorne nicht macht, bekommt sie eben hinten.', traf Tosin nach schöner FCZ-Kombination zum Ausgleich.
Nach der Pause waren es zuerst die Genfer, die stark aufspielten. Die Grenats liessen aber zu viele ihrer Chancen liegen. Ganz nach dem Motto: 'Wer sie vorne nicht macht, bekommt sie eben hinten.', traf Tosin nach schöner FCZ-Kombination zum Ausgleich.
Salvatore Di Nolfi, Keystone
Der FCZ kommt in der Tabelle nicht an Servette vorbei und tritt an Ort und Stelle. Servette kann mit diesem Sieg von den Ausrutschern der Spitzenteams profitieren und nähert sich der Spitzengruppe an.
Der FCZ kommt in der Tabelle nicht an Servette vorbei und tritt an Ort und Stelle. Servette kann mit diesem Sieg von den Ausrutschern der Spitzenteams profitieren und nähert sich der Spitzengruppe an.
freshfocus/Claudio de Capitani
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Vielleicht sollte man so einen Bericht mal mit dem Positiven beginnen. Weil dem FC Zürich in diesem Jahr noch nicht sonderlich viel gelungen ist, liegt die Messlatte sowieso tief. Also findet Goalie Yanick Brecher am Ende seines Arbeitstags, seinem FCZ sei in der ersten Halbzeit eigentlich eine gute Reaktion auf die letzten Spiele gelungen: «Immerhin lagen wir zur Pause nur 0:1 zurück - und nicht 0:2.»

Ja, es sind kleine Fortschritte, an denen sich ein Team in der Krise festhält. Den Zürchern gelingt in Genf gar ein zweiter: Sie kämpfen sich zwischenzeitlich zum 1:1 zurück. Sie beissen sich ins Spiel, obwohl sie schwanken wie ein angeschlagener Boxer.

Und damit zum Negativen dieses Zürcher Ausflugs ins Stade de Genève. Der FCZ ist nach dem 1:1 durch Aiyegun Tosin in der 64. Minute nicht in der Lage, das unverhoffte Geschenk anzunehmen. Nur drei Minuten später liegt er schon wieder 1:2 zurück. Es ist das erste von drei Toren, die Koro Kone erzielen darf. Der Ivorer ist zuletzt nicht eben als kaltblütiger Vollstrecker aufgefallen. Aber der FCZ macht alles, damit Kone sein Selbstvertrauen wieder aufbauen kann.

Grejohn Kyei trifft für die Genfer sehenswert zur 1:0-Führung. (Video: SRF)

«Das ist der Wahnsinn»

Es ist unglaublich, wie schlecht die Zürcher an diesem Nachmittag verteidigen. Abwehrchef Nathan fehlt gesperrt, er wird durch Becir Omeragic ersetzt, der seit Dezember krankheitshalber gefehlt hat. Hinten links spielt Pa Modou für Mads Pedersen. Der glücklose Däne wird verletzt gemeldet. Aber es scheint in diesem Jahr keinen Unterschied zu machen, wer für Zürich verteidigt.

«Am Ende hätten es 8:12 gegen uns ausgehen können», sagt Ludovic Magnin. Und fügt an: «Das ist auf diesem Niveau der Wahnsinn.» Wobei die Zählweise des FCZ-Trainers arg zugunsten seines Teams ausfällt. Ja, die Zürcher haben die erste grosse Chance, die Mimoun Mahi nach einer Viertelstunde auslässt. Ja, Blaz Kramer vergibt gleich nach seiner Einwechslung das 2:2. Ja, mit ganz viel Glück und höchster Effizienz kann der FCZ diese Partie mit einem Unentschieden überstehen.

Aber im Schnitt verliert halt, wer dem Gegner so viele Gelegenheiten offeriert. Kurz nach Spielschluss verkündet eine Statistik-Firma voller Begeisterung einen Rekord: Nie seit Beginn ihrer Messungen 2015 habe ein einzelner Spieler in einer Partie sieben Grosschancen herausgespielt - diese Firma analysiert Spitzenligen weltweit. Gegen den FCZ nun gelingt dies dem Genfer Miroslav Stefanovic. Und so liegt es alleine an den Genfern, dass es nach einer Stunde nicht schon 3:0 oder 4:0 steht.

Magnin ärgert sich nach dem Spiel, er habe «keine Servettiens mit Schmerzen am Boden gesehen». Aber es sind nicht die groben Foulspiele, die dem Zürcher Spiel fehlen. Magnins Team kommt gar nicht in die Zweikämpfe. Weder mit, noch ohne Foul. Auch dazu gibt es eine Statistik: Kein Team der Liga gewinnt den Ball so selten im Zweikampf wie der FCZ.

Tosins Tor zum 1:1 bringt dem FCZ am Schluss nichts Zählbares. (Video: SRF)

Der Auftritt in Genf zeigt auch, warum das so ist. Die Zürcher wirken wie Wüstenwanderer, die ihren Kompass verloren haben. Sollen sie mit vielen Spielern nach vorne gehen? Dann werden sie ausgekontert wie beim 0:1 und beim 1:3. Sollen sie tief stehen? Dann verteidigen sie so zaghaft, dass dennoch das 1:2 fällt.

Bei jedem Angriff der Genfer wird deren Spielidee sichtbar. Schnell wird der Ball auf die Seiten gespielt, rasch wird die Tiefe gesucht. Die FCZ-Spieler dagegen verlieren sich und den Ball meist irgendwo im Zentrum. Bei Genfer Angriffen wirkt der Rasen doppelt so gross wie bei den Versuchen der Zürcher.

Der Trainer muss helfen

Magnin redet oft davon, dass er seine offensive Ausrichtung nicht über Bord werfen will. Von seinem Glauben, dass nur der gewinnt, der auch wagt. Aber vielleicht ist jetzt doch der Moment erreicht, in dem der Trainer seinen Spielern mit einem einfacheren Konzept aus der Krise helfen muss.

Goalie Brecher jedenfalls ist trotz seiner Aussage am Anfang dieses Texts kein Schönmaler. Er sagt: «Wir haben in der Rückrunde noch nichts Anständiges abgeliefert. Da waren keine Höhen. Sondern nur Tiefen.» Die Tabelle des Jahres 2020 gibt ihm recht. Dort ist der FCZ mit einem Punkt aus vier Spielen und einer Tordifferenz von 4:12 Letzter.

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Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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Servette - Zürich 4:1 (1:0)

7052 Zuschauer. - SR Dudic.Tore:23. Kyei (Stevanovic) 1:0. 64. Tosin (Marchesano) 1:1. 67. Koné (Tasar) 2:1. 79. Koné (Stevanovic) 3:1. 94. Koné (Stevanovic)Servette: Frick; Sauthier, Rouiller, Sasso, Iapichino; Ondoua, Cognat (82. Imeri); Stevanovic, Cespedes, Tasar (90. Alves); Kyei (65. Koné).Zürich: Brecher; Rüegg, Omeragic, Mirlind Kryeziu, Pa Modou; Domgjoni, Sohm (55. Hekuran Kryeziu); Tosin, Marchesano, Kololli (82. Winter); Mahi (69. Kramer).Bemerkungen: Servette ohne Park und Schalk (beide verletzt). Zürich ohne Nathan, Schönbächler (beide gesperrt), Charabadse, Janjicic und Zumberi (alle verletzt). 84. Lattenschuss Tasar. Verwarnungen: 31. Pa Modou (Foul), 41. Domgjoni (Foul), 55. Mirlind Kryeziu (Foul), 93. Imeri (Foul).

Rangliste: 1. St. Gallen 22/44 (48:28). 2. Young Boys 22/44 (43:28). 3. Basel 22/39 (46:22). 4. Servette 22/36 (36:21). 5. Zürich 22/31 (27:44). 6. Luzern 22/30 (24:29). 7. Lugano 22/25 (24:27). 8. Sion 22/22 (28:41). 9. Neuchâtel Xamax FCS 22/18 (24:37). 10. Thun 22/18 (22:45).

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