FUSSBALL

In Unterzahl den ersten Sieg verspielt

Die Grasshoppers müssen am Donnerstag wenigstens nicht als punkt- und torloser Habenichts zum Serienmeister nach Basel fahren. Aber in Luzern hätten sie selbst in Unterzahl mehr als ein 2:2 erreichen müssen.

Ridge Munsy (Mitte) erzielte den ersten Saisontreffer für die Grasshoppers.

Ridge Munsy (Mitte) erzielte den ersten Saisontreffer für die Grasshoppers. Bild: Keystone

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Am Schluss wars eine hochemotionale Angelegenheit – nach dem Ausgleich der Luzerner in der 90. Minute, nach dem zweiten und dem dritten Platzverweis gleich danach, für den FCL-Australier Tomi Juric und den GC-Romand Numa Lavanchy. Auf den Tribünen wurde überschwänglich gejubelt, ausser in jenem Sektor, der mit GC-Fans dicht besetzt war.Eine Viertelstunde vorher hatte sich diese Entwicklung noch nicht absehen lassen, denn die Grasshoppers hatten die Dinge im Griff, obwohl sie doch seit der 32. Minute und dem Platzverweis für ihren Jung-Mittelfeldspieler Charles Pickel in Unterzahl waren. Pickel war zum zweiten Mal verwarnt worden für ein Foul, das diese Massnahme nicht rechtfertigte.

Was seinen Trainer Carlos Bernegger hinterher aber ärgerte, war die Art und Weise, wie sich ­Pickel in der 11. Minute die erste Verwarnung eingehandelt hatte. Er hatte sich bemüssigt gefühlt, den Luzerner Captain Claudio Lustenberger noch anzurempeln, obwohl der für ein Foul bereits mit einer Verwarnung bestraft war. Pickel sei, rügte Bernegger, für solche Dinge noch zu anfällig. Deshalb sei er immer wieder gefährdet – wie eben auch diesmal.

Nach Berneggers Vorstellungen

Als Pickel raus musste, führten die Zürcher schon längst 1:0. ­Ridge Munsy hatte alleine übers halbe Feld aufs Luzerner Tor zulaufen können, nachdem ein Abwehrschlag Milan Vilotics – doch eher zufällig – zum idealen Steilpass geworden war. Also konnte Bernegger sagen: «Das war von Anfang an ein Spiel, wie ich es mir vorstellte. Die Rote Karte hat uns die Sache dann etwas erschwert, aber wir haben auch nachher kaum etwas zugelassen.» Es ging auf, dass Bernegger auf eine Dreierabwehr umgestellt hatte, wie sie in der Liga immer üblicher wird. Nach dem ersten Platzverweis stellte er auf ein 5-4-0 um, das etwa dieselbe Wirkung entfaltete wie im Handball ein 6-0 von Riesen gegen einen eher kleinen Angriff. Der prallt dann halt meist ab.

Es erhielt auch der Luzerner Trainer Markus Babbel beim Zuschauen den Eindruck, er sei beim Handball. Und er musste feststellen, «dass meine Mannschaft zu wenig Mut hatte gegen diese Abwehr». Zu wenig Mut, «auf den letzten 30 Metern auch mal ein Risiko einzugehen». Als dann der Venezolaner Jéffren nach einem groben Patzer von Verteidiger Stefan Knezevic und in seiner ersten starken Szene für GC auch noch das 0:2 schoss, mussten Babbel eigentlich die letzten Hoffnungen verlassen. Erst recht, als Lavanchy kurz ­darauf, eine Viertelstunde vor Schluss, auch noch alleine aufs verlassene Tor ziehen konnte – und danebenschoss.

Des Koreaners erster Schuss

Babbels «Handballer» hatten bis dahin den GC-Goalie Heinz Lindner nicht zu einer Parade gezwungen. Und die drei GC-Innenverteidiger konnten vor Lindner arbeiten, ohne je gross ins Schwitzen zu geraten. Doch dann, «gerade noch rechtzeitig», wie Babbel fand, «hat einer den Mut gefunden, mal zu schiessen». Das war der Nordkoreaner Il Gwan Jong, den Babbel nach einer Stunde aufs Feld geschickt hatte und der in dieser Szene nach 77 Minuten erstmals auf ein Schweizer Tor schoss. Von Vilotic abgelenkt, landete der Ball im Tor. Luzern kam auf, vom Publikum mitgerissen. Die Wechsel zu zwei 18-Jährigen, die Bernegger vornahm, weil er seine Skandinavier Lucas Andersen und Runar Mar Sigurjonsson entkräftet sah, entzogen GC noch etwas Substanz. Und dann erzwang der FCL eben noch das 2:2.

Also freute sich Babbel mit seinen Spielern über eine «wunderschöne Geschichte zum Schluss». Dass sein Team vorher, «lange keinen Zug aufs Tor entwickelt hatte», war ihm natürlich nicht entgangen. «Wir sind am Anfang der Saison, es gibt noch einige Dinge zu tun.» Kollege Bernegger hätte eigentlich mit einem Punkt zufrieden sein können, schliesslich war er mit einer Mannschaft angereist, die noch keinen Punkt, ja noch nicht mal ein Tor in der Tabelle gutgeschrieben hatte. Aber so wie der Match dann gelaufen war, musste Bernegger feststellen: «Ganz klar, das sind zwei verlorene Punkte.» Immerhin erhielt er den Eindruck, GC habe, womöglich auch wegen der neuen defensiven Ausrichtung, einen Schritt Richtung Stabilität getan. Auf jeden Fall war auch der dritte Innenverteidiger neben den Routiniers Vilotic und Emil Bergstöm, der 18-jährige Romand Cédric Zesiger, eine gute Wahl.

Vielleicht aber sahen die Zürcher auf der Allmend auch nur deshalb besser aus als zuletzt, weil der FCL der schwächere Gegner war als der FCZ und – sowieso – die Young Boys. Nach Basel fährt GC jetzt wenigstens mit einem Punkt auf dem Konto, aber auch ohne zwei Teamstützen, Pickel und Lavanchy. (Der Landbote)

Erstellt: 06.08.2017, 23:21 Uhr

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