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Italien schaut nach vorn: Gibt es ein Fussball-Playoff?

Die Italiener diskutieren, wie dereinst die Saison zu Ende gespielt werden könnte. Zur Debatte stehen vier Optionen, darunter eine verrückte.

Fertig lustig: Inter hat sich als erster italienischer Club vollständig aus allen Wettbewerben zurückgezogen, wenig später wurde die ganze Serie A vorübergehend pausiert.
Fertig lustig: Inter hat sich als erster italienischer Club vollständig aus allen Wettbewerben zurückgezogen, wenig später wurde die ganze Serie A vorübergehend pausiert.
Matteo Bazzi, Keystone
Die Verantwortlichen der Serie A haben mit den Clubvertretern schon die Diskussionen aufgenommen, wie die Liga dereinst fortzuführen ist.
Die Verantwortlichen der Serie A haben mit den Clubvertretern schon die Diskussionen aufgenommen, wie die Liga dereinst fortzuführen ist.
Massimo Paolone, Keystone
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Italien ist gerade immer einen Schritt voraus, bei allem, notgedrungen – auch in den tragischen Kategorien. Kein Land Europas ist bisher stärker getroffen von der Wucht des Coronavirus. Es trägt nicht nur viele Menschenleben weg, sondern auch eine Menge sicher gewähnter Gewissheiten. Italien reagiert auch am heftigsten auf die Pandemie und dient nun deshalb, mit Verzögerung, vielen Ländern rund herum als Blaupause im Kampf gegen die Ausbreitung des Erregers.

Die Schliessung der Schulen? Passierte hier schon vor zwei Wochen, jetzt ist fast alles dicht. Der Fussball? Die Serie A setzte Anfang Woche aus – nicht früh genug und beileibe nicht in Harmonie. Die Spieler hätten eher aufhören wollen, der Sportminister auch. Doch einige Grossclubs legten sich quer, jeder mit seinem eigenen kleinen Kalkül. Am Ende brauchte es ein Machtwort von oben, vom Premier, und ein Dekret der Regierung.

Alle möglichen Szenarien, aber ab wann?

Es mag grotesk klingen, auch ein bisschen verwegen: Obschon niemand auch nur einen Hauch Ahnung hat, wie man aus dieser Krise finden wird und wann es vorbei ist, werden schon alle möglichen Szenarien für ein passendes Saisonende gezeichnet, in den Zeitungen, am Fernsehen, in den sozialen Medien. Das mag auch daran liegen, dass nun die meisten Italiener zuhause sind und sich langweilen. Selbst die TV-Grossexperten schalten sich via Skype vom Sofa aus ihrem Wohnzimmer zu, Leute wie Paolo Condò von Sky Sport, früher Chefredakteur der Gazzetta dello Sport. Im Hintergrund, auf den festgeschraubten Regalen, sieht man die Bücher, die er liest, wenn er sich mal nicht mit Calcio beschäftigt.

Nun, zur Debatte stehen vier Optionen. Option 1: Die Saison endet sofort, zwölf Spieltage vor Schluss, nichts wird nachgeholt, niemand wird Meister, die europäischen Plätze werden nach der letzten Platzierung vergeben. Option 2: Die Meisterschaft ist vorbei, das Klassement wird eingefroren, Juve ist Meister, zum neunten Mal in Folge. Offenbar wollen aber nicht einmal die Turiner selbst einen «Scudetto di cartone», wie man ihm sagt, ein Meisterabzeichen aus Karton.

Option 3 ist die Sommervariante: Würde die EM abgesagt, wovon alle ausgehen, und die Krise bis Mai überstanden wäre, was wohl weit weniger sicher ist, könnte die Saison vielleicht fertig gespielt werden – mit schnell getaktetem Spielplan, alle drei Tage eine Runde. Bis Ende Juni müsste man allerdings durch sein, weil dann die Spielerverträge auslaufen. Das ist die Lieblingsoption der Clubbesitzer, sie könnten so ihre Verpflichtungen gegenüber den Bezahlsendern erfüllen. Das ist deshalb wichtig, weil die Millionen für die TV-Rechte ja natürlich schon lange verprasst sind. Man liest nun überall, den Vereinen drohe sonst die Pleite.

Und dann gibt es noch Option 4, die so revolutionär wäre für den nicht sehr experimentierfreudigen Calcio, dass man sie mit tausend Prämissen und höchster Skepsis diskutiert: Playoff für den Titel, Playout gegen die Relegation. Die letzten vier (oder fünf oder sechs) Teams machen zwei Absteiger untereinander aus. Was mit den Aufsteigern aus der Serie B wäre, darüber redet noch keiner.

Ein Playoff wird bis ins Detail diskutiert

Für die Vergabe des Meistertitels gäbe es zwei Halbfinals: Juventus Turin (1.) gegen Atalanta Bergamo (4.) und Lazio Rom (2.) gegen Inter Mailand (3.), mit Hin- und Rückspielen. Debattiert wird auch, ob bei einem Unentschieden ein Elfmeterschiessen entscheiden würde über das Weiterkommen oder ob es dann noch eine dritte Begegnung geben würde, ein Entscheidungsspiel wie weiland, weil ja doch viel auf dem Spiel stehe.

Und wenn auch das unentschieden endet? Die Sieger würden sich dann in einem Final messen. Aber soll das Endspiel «secco» sein, trocken, wie die Italiener sagen, ein einziges Duell? Oder soll auch da zwei Mal gespielt werden?

Spielen – dem Verb wohnt gerade eine Leichtigkeit inne, die aus der Zeit gefallen scheint. Eine Frivolität auch, nahe an der Pietätlosigkeit. Darum: Option 1.

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