Jetzt hilft nur noch der «liebe Gott»

Der FC Zürich darf weiterhin auf den Klassenerhalt hoffen, der FC Sion auf einen Platz in der Europa League. Aber nach dem gerechten 2:2 in ihrer Direktbegegnung haben beide Klubs ihre nächste Zukunft nicht mehr in eigener Hand.

Zweimal eine Führung verspielt: Der Russe Alexander Kerschakow köpft zum 2:1 für den FCZ ein. Zum Sieg sollte es jedoch nicht reichen, weil Reto Ziegler (rechts) später ausglich.

Zweimal eine Führung verspielt: Der Russe Alexander Kerschakow köpft zum 2:1 für den FCZ ein. Zum Sieg sollte es jedoch nicht reichen, weil Reto Ziegler (rechts) später ausglich. Bild: Keystone

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Der Abstieg schon eine Runde vor Schluss: Das wäre, in den Worten seines neuen Trainers Uli Forte, das «Horrorszenario» für den FCZ gewesen. Wenn er in Sion verloren und der FC Lugano gleichzeitig in Vaduz gewonnen hätte, wäre es so weit gewesen.

Das wenigstens traf nicht ein mit den zwei Unentschieden. Aber genauso wenig schafften es die Zürcher, ihr Schicksal in eigenen Händen zu halten – mit einem «Dreier» im Wallis, wonach dann ein Heimsieg gegen Vaduz in jedem Fall genügt hätte. Die Chance dazu war vorhanden für eine Mannschaft des FCZ, die eindeutig besser spielte und – vor allem – besser kämpfte als in den letzten Matches, auch als bei Fortes Debüt in St. Gallen. Der FCZ ging ja gar zu Beginn beider Halbzeiten in Führung, aber er kassierte jeweils rund eine Viertelstunde später den Ausgleich.

Die Hoffnung auf St. Gallen

Also stand in Fortes Analyse zum Tag dies im Vordergrund – und er sagte es immer wieder: «Schade, dass es heute nicht für mehr reichte. Schade, dass wir die Dinge nicht mehr in eigenen Händen halten.» Denn nun braucht der FCZ «nochmals eine so gute Leistung wie heute und einen Sieg gegen den FC Vaduz», wie es Forte formulierte, «aber auch die Hilfe des lieben Gottes».

Der hat in diesem Fall einen ganz weltlichen Namen: FC St. Gallen. Der muss in Lugano so punkten, dass der FCZ den einen Zähler Rückstand auf die Tessiner wettmachen kann. «Ich gehe schwer davon aus, dass der FC St. Gallen sportlich ist», sagte Forte zum Thema, dass für die Ostschweizer eigentlich nichts mehr auf dem Spiel steht. Was sollte Forte denn auch sonst sagen – ohne Öl ins Feuer zu giessen?

Das Resultat im stimmungs­vollen Tourbillon konnte den Zürcher Trainer also nicht zufriedenstellen. Die Leistung allerdings schon. Ein Unentschieden gegen ebenfalls zum Erfolg verdammte und deshalb ehrgeizige Walliser ist in aller Regel ein gutes Resultat. Diesmal war es das nicht – «und dennoch verdient meine Mannschaft ein Kompliment», urteilte Forte. «Es war ein ganz anderer Auftritt als in St. Gallen. In der ersten Halbzeit hatten wir die Sache weitgehend im Griff; gegen Schluss, als Sions Didier Tholot all seine ­Offensiven aufs Feld schickte, ­kamen wir etwas unter Druck.»

Fünf Neue, anderes System

Es war aber auch personell eine andere Zürcher Mannschaft als in St. Gallen. Sie war auf der Hälfte der Feldspielerpositionen umbesetzt, sie trat – wie unter Sami Hyypiä mehrheitlich – wieder mit drei Innenverteidigern und zwei Aussenläufern an. Einzelne spielten auch ganz individuell besser als in St. Gallen, beispielsweise die zentralen Mittelfeldspieler Sangoné Sarr und Gilles Yapi, der Captain.

Die Abwehr mit Alain Nef und Burim Kukeli neben Ivan Kecojevic war, trotz individueller Langsamkeit, stärker als jene in St. Gallen mit Chef Leonardo Sanchez. Aber es wird gegen Vaduz wieder eine andere auf dem Feld stehen, denn ausgerechnet Nef, der routinierteste aller Zürcher, handelte sich in der 5. Minute der Nachspielzeit mit einer dämlichen Unsportlichkeit noch einen Platzverweis ein. Schon seit der 12. Minute war er – nach zwei herben Fouls – verwarnt gewesen.

Ein Gewinn waren für die (Dreier-)Offensive auch Oliver Buff und Franck Etoundi, die aber beide angeschlagen raus mussten. So erreichte der FCZ schon bald einmal mit einem energischen Einsatz Buffs das 1:0. Der spielerische Höhepunkt des Matchs war nach einer knappen Stunde das 2:1, das Aleksander Kerschakow mit gutem Kopfball auf eine brillante Flanke des linken Aussenläufers Vinicius erzielte.

Aber es entsprach den Ereignissen durchaus, dass es auch die Walliser zu zwei Toren brachten. Das 1:1 schoss Moussa Konaté ebenfalls mit dem Kopf, ebenfalls auf eine gute Flanke, in seinem Fall von Vincent Rüfli. Und das 2:2 war ein Kopfball Reto Zieglers nach einem Freistoss des Tschechen Martin Zeman. Danach setzten die Walliser mehr Druck auf.

Tholot: «Das genügte nicht»

Dennoch war ihr Trainer Didier Tholot nicht zufrieden, weder mit dem Resultat noch mit der Leistung. «Was wir heute boten», sagte er also, «genügte nicht. Wir trieben viel Aufwand, waren aber zu wenig luzid im Abschluss und beim letzten Pass.» Deshalb ist auch der FC Sion auf fremde Hilfe angewiesen, will er die Europa League doch noch erreichen. Ihm muss der FC Basel helfen, mit einem Punktgewinn gegen die Grasshoppers. Nur wenn den Wallisern ermöglicht wird, beim formstarken FC Luzern mehr Punkte zu holen, als sie GC aus dem St.-Jakob-Park heimbringt, spielen sie im Spätsommer international.

Was die Zürcher übrigens auch noch beschäftigte: dass auf der Anzeigetafel nach 78 Minuten plötzlich – und nur einmal an diesem ganzen Nachmittag – ein einzelnes Resultat aufleuchtete: Vaduz – Lugano 0:1. Das entsprach zwar nicht der Wahrheit, konnte aber den einen oder andern Zürcher durchaus verwirren. Einer wie Buff sprach dann auch von einer Unsportlichkeit. Forte allerdings hatte es nicht einmal bemerkt.

Da war ein «Trick», den die Zürcher anwandten, doch von anderer Ausrichtung: Um mal «etwas anderes zu machen», wie es Forte sagte, war ihr Präsident Ancillo Canepa daheim geblieben. Ohne ihn auf der Bank spielte die Mannschaft zwar besser als zuletzt, aber die grosse Wende war dieses 2:2 halt auch noch nicht. Es bleibt sehr fraglich, ob sie in dieser Saison überhaupt noch kommt. Sicher ist seit gestern nur eines: Es wird der Absteiger am kommenden Sonntag in den Cupfinal gehen – entweder der Aufsteiger aus Lugano oder eben doch der FCZ.

Erstellt: 23.05.2016, 08:17 Uhr

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