Grasshoppers

Neuer Optimismus und einige Fragezeichen

Die Grasshoppers gehen nach der völlig missratenen letzten Saison mit neuem Optimismus in die neue Meisterschaft. Trainer Carlos Bernegger sieht sein Team wegen der vielen Mutationen allerdings im Umbruch.

Neu bei GC: Der österreichische Stürmer Marco Djuricin

Neu bei GC: Der österreichische Stürmer Marco Djuricin Bild: Keystone

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Carlos Bernegger empfing zwei Tage vor dem Meisterschaftsstart die Journalisten im GC/Campus in Niederhasli. Die Fahrt mit der Bahn dauert vom Zürcher Hauptbahnhof nach Dielsdorf zwar nur 23 Minuten, aber man fühlt sich in einer anderen Welt. Das hektische Zürich scheint weit weg zu sein, in der Nähe weiden Kühe auf einer Wiese, alles ist ruhig und friedlich. Auch Bernegger, ansonsten als emotionaler Trainer bekannt, hat sich von der Idylle etwas anstecken lassen. Er wirkt ruhig und entspannt. Wobei vor einer Saison, wenn noch kein Spiel verloren wurde, ohnehin alles noch einfacher ist, als wenn ein Team mitten in der Meisterschaft steckt.

Nicht mehr «Feuerwehrmann»

Bernegger jedenfalls freut sich auf den Saisonbeginn. Allerdings komme dieser zwei Wochen zu früh, er hätte gerne mehr Vorbereitungszeit gehabt. «Wir haben aber gemacht was möglich war», sagt er. Für ihn persönlich ist die Ausgangslage neu. Als er bei GC im vergangenen März die Mannschaft von Pierluigi Tami übernahm, steckte der Klub in akuter Abstiegsgefahr. Für Bernegger und sein Team gab es nur ein letztes Ziel: den Verbleib in der Super League. Das ist dann relativ problemlos gelungen.

Jetzt aber sind die Ansprüche anders, der Rekordmeister hat andere Ziele als nur den Ligaerhalt. Bernegger ist nicht mehr «Feuerwehrmann», er muss die Mannschaft formen und weiterbringen. Das sieht auch er selber so. Er formuliert bewusst keine Zielvorgaben mit einem Schlussrang: «Bei einem Klub wie GC gibt es wegen der grossen Vergangenheit immer besondere Erwartungen. Wir sind aber ein Team im Umbruch und müssen uns zuerst formieren. Wir nehmen Spiel für Spiel und sehen dann in der Winterpause erstmals, wo wir stehen.» Wichtig sei, dass sich jeder Fan mit der Mannschaft identifizieren könne.

Fünf Neue in der Startelf

Es hat sich im Kader der Grasshoppers ja auch einiges geändert. Bei den Abgängen fallen vor allem Caio und Munas Dabbur ins Gewicht. Ihren Toren ist es zu verdanken, dass sich GC nach Berneggers Engagement schnell von der Abstiegszone verabschieden konnte. Morgen gegen den FCZ dürften fünf Neue in der Startformation sein. Im Tor steht nun Heinz Lindner aus Österreichs Nationalkader, der zuletzt bei Eintracht Frankfurt allerdings nur Ersatzkeeper war. Er soll die wohl grösste Baustelle der letzten Saison aufheben, denn GC hatte ein Torhüterproblem.

«Wir haben gemacht was möglich war.»Carlos Bernegger

Der bekannteste Neuzugang heisst Jeffrén Suarez. Der venezolanische Mittelfeldspieler stand als junger Mann im Kader des FC Barcelona und kam dort immerhin auf 34 Einsätze. Wenn einer allerdings bei Barça begann und dann mit 29 Jahren zu den Grasshoppers wechselt, kann in der Karriere nicht alles optimal gelaufen sein. Zuletzt spielte Jeffrén Suarez beim belgischen Zweitligisten und Aufsteiger KAS Eupen.

Neu ist auch der junge Aussenverteidiger Souleyman Doumbia, der einst bei Paris St. Germain seine Ausbildung zum Profi genoss. Er gilt als Investition in die Zukunft. Im Mittelfeld hofft sich GC mit dem Slowaken Michal Fasco und im Sturm mit dem Österreicher Marco Djuricin verstärkt zu haben. Nach dem Abgang von Caio dürfte der Verein allerdings noch einen zusätzlichen Angreifer engagieren. Das könnte schon an diesem Wochenende der Fall sein.

Über die Qualität der neuen Spieler wird man allerdings erst nach den ersten Ernstkämpfen einigermassen schlüssig urteilen können. Immerhin dürfte das Kader etwas breiter abgestützt sein als im Vorjahr. Dennoch sind Chancen und Gefahren der GC-Ausgabe 2017/18 eher schwer einzuschätzen. Ein neuerlicher Abstiegskampf scheint zwar unwahrscheinlich. Aber auf der anderen Seite dürften es die Grasshoppers schwer haben, im obersten Tabellensegment mitzuspielen. Ein guter Mittelfeldplatz scheint realistisch zu sein.

6200 Saisonkarten abgesetzt

Immerhin scheinen zumindest die Fans wieder an ihr Team zu glauben. Dank Spezialkonditionen konnten 6200 Saisonkarten abgesetzt werden, das ist für GC ein ausgezeichneter Wert und liegt um ein Drittel höher als in der vergangenen Meisterschaft.

Die Vorbereitung verlief unterschiedlich. Sie begann mit Niederlagen gegen den FC Schaffhausen (0:3) und Austria Lustenau (1:4), zwei zweitklassige Verein. Zuletzt gab es allerdings Siege gegen den FC Sochaux (2:1) und gegen eine allerdings junge Vertretung des PSV Eindhoven (3:1). Das mag den Optimusmus, den Bernegger zeigt, genährt haben. Wichtig aber ist ein guter Start in die neue Liga. Und am Sonntagnachmittag um vier Uhr wird im Letzigrund von der gestrigen Idylle im GC/Campus in Niederhasli auch gar nichts mehr zu spüren sein.

Erstellt: 21.07.2017, 20:12 Uhr

Das Derby zum Start

Meister GC gegen Aufsteiger FCZ – das war am 15. Juli 1990 die Affiche des Meisterschaftsstarts, als der FCZ zum bis heute letzten Mal aus der Nationalliga B zurückgekehrt war. Die Ausgangslage war klar, die Überraschung umso grösser: Der FCZ des deutschen Aufstiegstrainers Herbert Neumann schlug die Grasshoppers des deutschen Meistertrainers Ottmar Hitzfeld nämlich 2:1. Der Südafrikaner Au-gustine Makalakalane (27.) und Roberto Fregno (48.) schossen die Tore für den FCZ, bei dem Youngster Michael Mazenauer überzeugte. Das Gegentor Peter Közles (56.) war zu wenig.

Zu den Geschlagenen gehörte einer, der sich morgen über einen FCZ-Sieg freuen würde: Thomas Bickel, damals neben Ciri Sforza und Alain Sutter im GC-Mittelfeld, seit einem Jahr Leiter Sport beim FCZ. 18 800 kamen in den Hardturm. Die Fortsetzung: GC wurde dennoch Meister, der FCZ stürzte – mit nur zwei Siegen in den restlichen 21 Spielen – in die Abstiegsrunde. Und dort rettete er sich erst am letzten Spieltag mit dem legendären 2:0 gegen FC Schaffhausen mit Trainer Rolf Fringer und Spieler Jogi Löw.

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