Fussball

Noch hats der FCZ in eigener Hand

Mit zwei Siegen kann sich der FCZ aus eigener Kraft retten. Aber er kann auch am Sonntag aus der Super League verschwinden: Wenn er in Sion verliert und Lugano in Vaduz gewinnt.

Hoffen und kämpfen – viel mehr bleibt dem FC Zürich nicht übrig. Alain Nef ist ein Spieler, der dieser Tage eine Führungsrolle übernimmt.

Hoffen und kämpfen – viel mehr bleibt dem FC Zürich nicht übrig. Alain Nef ist ein Spieler, der dieser Tage eine Führungsrolle übernimmt. Bild: Keystone

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1988 stieg der FCZ sang- und klanglos aus der Nationalliga B ab, zusammen mit dem FC Basel notabene. Zwei Jahre später war er in der Elite zurück – vier Jahre vor dem FCB. Aber schon im Juni 1991 drohte wieder der Absturz bis zum letzten Spieltag. Der FC Schaffhausen des Jungtrainers Rolf Fringer mit den deutschen Routiniers Joachim Löw und Axel Thoma hätte damals im Letzigrund gewinnen müssen, dann wären die Schaffhauser auf- und die Zürcher abgestiegen. Aber der Kolumbier John Jairo Trellez schoss in der 84. und 90. Minute die Tore zum rettenden 2:0 für den FCZ.

Der letzte Trumpf stach nicht

An Ereignisse wie diese wird die FCZ-Gemeinde zrurzeit erinnert, da ihr Klub wieder mal in akuter Abstiegsgefahr schwebt. Nach 29 Runden und dem 1:1 gegen die Grasshoppers schienen die FCZler trotz ihrer unangenehm dauerhaften Krisenymptome noch immer einigermassen auf der sicheren Seite, drei Punkte vor Lugano, gar fünf vor Vaduz. Aber die grausame Serie seither, fünf Niederlagen mit insgesamt 2:16 Toren, zwei 0:4 und zwei 0:3, liessen den FCZ förmlich abstürzen, fünf Punkte hinter Vaduz, einen hinter Lugano. Die Liechtensteiner holten in diesen fünf Runden zehn Punkte mehr!

Mittlerweile hat der FCZ ja auch seinen letzten Trumpf ausgespielt: Er hat den Trainer nochmals gewechselt; nach drei Runden wars – nach der Entlassung Urs Meiers – zum ersten, drei Runden vor Schluss zum zweiten Mal. Neuerdings heisst der Trumpf Uli Forte, aber der hat aus seinem ersten Blatt nichts gemacht, im Gegenteil. Das 0:3 in St. Gallen war auch aus seiner Sicht «eine Ernüchterung». Oder: «So habe ich das nicht erwartet.» Nicht erwartet hat er, wie er noch fünf Tage nach diesem frustrierenden Erlebnis sagt, eine Mannschaft, die «zu chaotisch war» und «überhaupt nie in die Zweikämpfe kam.» Aber Forte hätte einfach nur sagen können: Die in jeder Beziehung schlechter war als der Gegner – so wie sie es zuletzt unter Vorgänger Sami Hyypiä in Thun und gegen Lugano bei den beiden 0:4 war.

Thema «Spionageabwehr»

So optimistisch wie noch vor einer Woche nach seinem Amtsantritt tönte Forte gestern nicht mehr, als der Auftritt in Sion gleichsam vorbesprochen wurde. Nach einer Trainingswoche, von der sie beim FCZ hoffen, sie bringe die Mannschaft doch noch den für die Rettung entscheidenden Schritt weiter. Trainiert wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit, an einem nicht kommunizierten Ort. Der Grund: Spionageabwehr. Der FC St. Gallen hatte die ersten beiden Trainings Fortes von A bis Z gefilmt. Das beurteilte der neue Trainer im nachhinein so: «Wenn der Gegner jede meiner Gesten, jedes Wort mitbekommt, jede Übung auch, ist das ein Riesennachteil,» sagt Forte. Fragt sich, warum das möglich war. Anderseits kann man sich einfach nicht vorstellen, dass das Wissen der St. Galler – beispielsweise – Einfluss auf ihre offensichtliche Überlegenheit in den Zweikämpfen erzielt haben soll. So einfach ist das FCZ-Debakel in der St. Galler Arena dann doch nicht zu erklären.

Eher sind die Defizite an den individuellen Schwächen der Zürcher festzumachen, aber auch an der Aufstellung ihres neuen Trainers. Dass morgen der Argentinier Leonardo Sanchez wegen einer Sperre in der Abwehr durch den altgedienten Alain Nef ersetzt wird, kann nach der Leistung Sanchez' in St. Gallen kein Nachteil sein. Nef wirkt ohnehin als einer der wenigen Zürcher, die in der schwierigen Situation dieser Tage eine Führungsrolle übernehmen können. So ging auf die Initiative Nefs zurück, dass sich die Mannschaft am Donnerstag nach dem Training zu einem Essen zusammenfand – mit dem Staff übrigens. Aber, wie der Trainer feststellte, «ohne Handys auf dem Tisch.»

Forte setzt darauf, dass nach einer Woche unter ihm eine Mannschaft mit mehr Selbstvertrauen antritt als vorher. Noch ist die Hoffnung ja insofern nicht verloren, als die Zürcher die Rettung noch immer «in der eigenen Hand haben», wie es Forte formuliert. Gewinnt der FCZ in Sion und am Mittwoch daheim gegen den FC Vaduz, bleibt er sicher oben. Schon gar nicht erwähnen möchte der neue Trainer «das Horrorszenario», das genauso wahrscheinlich ist: Dass der FCZ morgen verliert gegen einen Gegner, für den es um nichts weniger als einen Platz in der Europa League geht, und Lugano gleichzeitig in Vaduz siegt. Dann wären die Tessiner vier Punkte vor dem FCZ gerettet. Die Vaduzer ohnehin.

Zemans schwierigste Aufgabe

Der FC Vaduz hat überhaupt die beste Ausgangslage. Ein Punkt morgen gegen Lugano oder am Mittwoch im Letzigrund gegen den FCZ reicht den Liechtensteinern, die dann zum zweiten Mal einen Abstiegskampf bestanden hätten – mit der Ruhe eines Vereins, der seit seinem Aufstieg in die Super League vor zwei Jahren weiss, dass nichts anderes als der Klassenerhalt sein Ziel sein kann. Und das Woche für Woche. Den also auch Niederlagen nicht umwerfen.

Der FC Lugano, dem morgen nach Antonini Culina auch noch Vorkämpfer Antoine Rey, der Captain, fehlt, ist nicht so stabil. Seine Leistungsschwankungen zwischen einem 1:6 gegen GC und einem 0:7 gegen YB sowie einem 4:1 gegen GC und einem 4:0 beim FCZ sind schon sehr markant. Also vermeidet es Trainer Zdenek Zeman nach Möglichkeit auch, seine Mannschaft unter Druck zu setzen, «denn sie wäre dem nicht gewachsen.» Also will er ihr auch während des Spiels in Vaduz nicht mitgeben, wie es im Wallis steht. Forte sagt, «ich muss wissen, was in Vaduz passiert – ich muss wissen wie ich allenfalls zu reagieren habe.» Zeman seinerseits wird das schon auch wissen. Er sagt aber auch: «Sich mit dem FC Lugano zu retten ist die schwierigste Zielvorgabe meiner Karriere.» Und Zeman ist doch schon 69 Jahre alt, seit 1969 Trainer.

Weiterhin kann der böhmische Veteran gar noch mehr erreichen: Der FC Lugano kann nicht nur in der Super League bleiben, sondern in einer Woche auch noch den Cup gewinnen – wie sein Finalgegner FCZ. Aber klar ist auch, was dessen Forte zum Thema sagt: «Für den Verein ist viel, viel wichtiger, nicht abzusteigen.» Viel wichtiger, als die paar Millionen, die ein Platz in der Europa League bringen würde. Hansjörg Schifferli

Erstellt: 20.05.2016, 22:55 Uhr

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