Bassersdorf

Nur beim Jubeln rennt er nicht

Marc Tinner ist in jedem Spiel unentwegt unterwegs. Ende Saison tritt der Routinier zurück. Doch vorher will der Bassersdorfer mit seinem Stammverein einen weiteren Höhepunkt erleben.

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Im Unterland gibt es die traditionellen Fussballclubs. Brüttisellen hat mehrere Saisons in der damaligen NLB, der heutigen Challenge League, gespielt. Bülach und Glattbrugg waren Erstligisten. Momentan, und auch in den Jahren zuvor immer wieder, aber ist Bassersdorf in den Bezirken Bülach und Dielsdorf die Nummer 1.

Das hat drei Hauptgründe. Mit dem ehemaligen FC-Zürich- und FC-St.-Gallen-Spieler Marcel Tanner konnte vor knapp 20 Jahren ein Fussballfachmann als Trainer gewonnen werden. Der Schweizer Cupsieger von 1969 führte im Unterland die Raumdeckung ein. Sein Sohn Marco bewies als Trainer ebenso viel Geschick. Zudem rief er zusammen mit Fredi Egger und Markus Frei in Bassersdorf eine nachhaltige Fussballausbildung ins Leben, die er auch begleitete. Im Sommer 2018 übernahm Gianni Lavigna das Traineramt beim Fanionteam. Der 47-Jährige zeigte schnell, wie und weshalb er zuvor drei Aktivteams zum Aufstieg in die 3. und zweimal in die 2. Liga geführt hatte. Momentan belegt Bassersdorf in der Gruppe 1 der 2. Liga regional Platz 1.

«Marc spielt mutig»

Ein erfolgreiches Team besteht jedoch nicht nur aus einem fachkundigen Umfeld und tollen Trainern. Auch gute Spieler sind wichtig. In Bassersdorf gibts derzeit gleich mehrere, die den Unterschied zum Gegner ausmachen können. Die Bassersdorfer stehen während ihrer Spiele hoch und bedrängen so jeden Gegner bereits bei dessen Spielaufbau. Die Bassersdorfer rennen sich die Lunge aus dem Leib, und trotz hohem Rhythmus gelingen immer wieder technisch hochstehende und für den Gegner gefährliche Aktionen.

Ein Leader im Bassersdorfer Team ist seit Jahren Marc Tinner. Der am 9. Mai 33-jährig werdende, 1,85 m grosse und 78 kg schwer Modellathlet hat bereits 2004, als 17-Jähriger, erstmals für das Fanionteam gespielt. Danach ist er mit seinem Stammclub dreimal auf- und einmal abgestiegen. Die zahlreichen gefährlichen Aktionen des Offensivspielers, sein nimmermüder Einsatz und die Tatsache, dass er auch dorthin geht, wo es wehtut, sind der Konkurrenz nicht verborgen geblieben. Er erhielt, nachdem er in der Saison 2007/2008 mit Bassersdorf die Promotion in die 2. Liga interregional geschafft hatte, Angebote aus höheren Ligen. 2012 wechselte er für eine Saison zu Dübendorf. «Ich war in Dübendorf allerdings mehrmals verletzt», blickt er zurück.

Viel besser lief es ihm diesbezüglich bei seinem Stammverein, wo er nur selten pausieren musste. Auf rund 450 Spiele brachte er es als Aktiver bei Bassersdorf. In fast jeder zweiten Partie schoss er ein Goal. Dazu gab er unzählige Pässe, die zu Toren führten. «Meine Lieblingsposition ist die hinter der Spitze. Zwischen Mittelfeld und Sturm habe ich viele Freiheiten», berichtet der gelernte Spediteur. Sein Trainer Gianni Lavigna sagt über ihn: «Marc hat eine Winner-Mentalität. Er spielt einen frechen, mutigen Fussball, und das macht ihn extrem speziell.» Der Trainer schiebt noch einen wichtigen Aspekt nach: «Marc hat das Herz am richtigen Ort.» Liegt Bassersdorf während einer Partie in Rückstand, ergreift Tinner auf dem Feld das Wort und motiviert seine Mitspieler. «Jetzt schiessen wir noch ein Goal vor der Pause», war von ihm unlängst beim Spitzenkampf gegen Phönix bei eigenem Rückstand zu hören.

Rücktritt und Vaterfreuden

Höhepunkte hat Marc Tinner im Fussball viele erlebt. Neben den drei Aufstiegen zwei Schweizer Cuppartien in Bassersdorf gegen den FC Zürich vor 2800 respektive 3200 Zuschauern. Dazu der FVRZ-Cupsieg 2017 gegen Wallisellen, zu dem er ein Tor beigesteuert hat. Ein weiteres unvergessliches Erlebnis will er seiner Karriere aber noch hinzufügen. «Vielleicht klappt es auch in dieser Saison nochmals mit einem Aufstieg.» Das wäre ein persönliches Ende mit einem weiteren Höhepunkt. In diesem Sommer wird Marc Tinner zurücktreten. Der Routinier sieht Vaterfreuden entgegen und will seine Tochter in den ersten Monaten neben seiner Arbeit intensiv begleiten. Die Familie wird im Hause Tinner grossgeschrieben. Seine Eltern haben ihm in den vergangenen Jahren während der Spiele meist vom Spielfeldrand aus die Daumen gedrückt. Vielleicht hat auch dies ihn so stark gemacht.

Erstellt: 26.04.2019, 22:26 Uhr

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Ersatzgeschwächter Leader

Das Heimspiel heute Samstag um 18 Uhr gegen Diessenhofen wird Bassersdorf als Tabellenführer in Angriff nehmen. Das Team von Trainer Gianni Lavigna muss allerdings ersatzgeschwächt antreten. Gino Zambelli, Marc Muff, Christoph Stähli und Loris Da Silva sind verletzt, Marc Tinner, Julian Barbey und Eren Ekli weilen in den Ferien, und Simon Copat ist gesperrt. «Aber es gibt immer Wege», sagt Erfolgstrainer Lavigna trotzdem. Noch sind acht Meisterschaftsspiele in dieser Saison zu bestreiten. (mw)

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