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Trainer teilt heftig aus und muss gehen

Ein hinter seinem Rücken getätigter Spieler-Transfer bringt Bordeaux-Coach Gustavo Poyet in Rage. Er kritisiert die Clubführung scharf – und die reagiert unzimperlich.

Fährt der Bordeaux-Clubführung an den Karren: Wenige Stunden später ist Gustavo Poyet seinen Trainerjob beim französischen Traditionsverein los.
Fährt der Bordeaux-Clubführung an den Karren: Wenige Stunden später ist Gustavo Poyet seinen Trainerjob beim französischen Traditionsverein los.
Nicolas Tucat, AFP
Der 50-jährige Uruguayer hat sich vor Medienvertretern darüber geärgert, dass der Spieler Gaetan Laborde verkauft wurde. «Und mir hat keiner etwas gesagt.»
Der 50-jährige Uruguayer hat sich vor Medienvertretern darüber geärgert, dass der Spieler Gaetan Laborde verkauft wurde. «Und mir hat keiner etwas gesagt.»
Nicolas Tucat, AFP
Poyet war seit dem 20. Januar 2018 beim sechsfachen französischen Meister Girondins Bordeaux engagiert. Bereits ihm Juli hatte er kritisiert, wie undurchsichtig der Club beim Transfer des inzwischen in Barcelona spielenden brasilianischen Stürmers Malcom vorgegangen sei.
Poyet war seit dem 20. Januar 2018 beim sechsfachen französischen Meister Girondins Bordeaux engagiert. Bereits ihm Juli hatte er kritisiert, wie undurchsichtig der Club beim Transfer des inzwischen in Barcelona spielenden brasilianischen Stürmers Malcom vorgegangen sei.
Mehdi Fedouach, AFP
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Letztes Wochenende begann in der französischen Ligue 1 die neue Saison. Der sechsfache Meister Girondins Bordeaux, der 2009 letztmals den nationalen Titel gewann, ist mit einer 0:2-Heimniederlage gegen Strasbourg in die Meisterschaft gestartet. Doch das ist nicht der Grund, weshalb es beim 1881 gegründeten Traditionsverein drunter und drüber geht. Ein Spielerverkauf bringt den Club und allen voran dessen – inzwischen entlassenen – Trainer international in die Schlagzeilen.

Was ist vorgefallen? Am Donnerstag hat Bordeaux den Stürmer Gaetan Laborde für drei Millionen an Ligakonkurrent Montpellier HSC abgegebenen. Nur drei Tore hatte Laborde in der vergangenen Ligue-1-Saison erzielt. Dennoch brachte der Transfer Gustavo Poyet in Rage. Denn er wollte den Angreifer nicht ziehen lassen, ohne dass ein gleichwertiger Ersatzspieler bereitsteht. Am Donnerstagabend sicherte sich Poyets Equipe mit dem 2:1-Heimsieg (nach einem 3:1-Erfolg im Hinspiel) über Mariupol in der Europa-League-Qualifikation einen Platz in den Playoffs, der ehemalige Chelsea-Mittelfeldspieler freute sich jedoch nicht darüber.

«Mein schlimmster Tag»

Vielmehr liess Poyet an der Pressekonferenz nach der Partie seinem Frust freien Lauf. «Das ist mein schlimmster Tag in diesem Club», sagte der 50-Jährige wütend. «Was der Club mit Gaetan Laborde getan hat, ist eine Schande. Ich glaube, wir müssen hier aufhören», polterte er weiter. Poyet schilderte den Journalisten: «Ich kam um 11.35 Uhr, Laborde war nicht da, er war in Montpellier – und mir hat keiner etwas gesagt.»

Daraufhin verlangte der Coach Antworten vom Präsidenten sowie vom Besitzer des Clubs: «Sie haben sich mit der Entscheidung gegen mich gestellt, gegen die Spieler und gegen die Fans. Sie sollen mir das morgen erklären und dann werden wir sehen, ob ich weitermache oder nicht.» Poyet regte sich darüber auf, dass rund ums Trainingsgelände jeweils Agenten stehen und rauchen, ihn aber nicht über wichtige Ereignisse informieren würden. «Das geht doch nicht!»

Die Medienchefin angeschnauzt

Nach zweieinhalb Minuten wollte die Medienverantwortliche des Clubs die Pressekonferenz beenden. «Wir stoppen hier», sagte sie, was Poyet aber gar nicht passte. «Nein, nein! Wir stoppen nicht, wann du willst, sondern wann ich will», wies er sie mürrisch zurecht. Der Trainer schloss in der Folge zwar seinen Rücktritt erneut nicht aus, signalisierte aber, dass er noch darüber schlafen wolle. «Ich werde mich zuerst mit meinem Agenten unterhalten und die Erklärung des Clubs abwarten», betonte er.

Die Reaktion der Clubführung erfolgte innert weniger Stunden. Am Freitagmorgen hat Girondins Bordeaux den Uruguayer entlassen. Sein Amt hatte Poyet am 20. Januar dieses Jahres angetreten, nachdem er zuvor gut zehn Monate lang beim chinesischen Erstligisten Shanghai Greenland Shenhua engagiert gewesen war.

Spieler boykottieren Training

Nicht zum ersten Mal legte sich Poyet mit Bordeaux' Führungsetage an. Schon Anfang Juli hatte er sich in der Öffentlichkeit darüber beschwert, wie undurchsichtig der Club beim Transfer des inzwischen in Barcelona spielenden brasilianischen Stürmers Malcom vorgegangen sei. Offenbar wurden seine Aussagen intern nicht recht erhört.

Der jüngste Zwist und Poyets Entlassung hat für den Verein ein Nachspiel: Wie angekündigt blieben die Girondins-Spieler am Freitagvormittag dem Training aus Protest vorerst fern. Die Einheit musste laut «L'Equipe» um eine Stunde verschoben werden. Wer in die Fussstapfen des freigestellten Trainers tritt, ist noch offen. Das nächste Ligaspiel bestreitet Bordeaux am Sonntag (Anpfiff 17.00 Uhr) auswärts gegen Toulouse. Eine Woche später steht die Heimpartie gegen Monaco an und dazwischen trägt die Mannschaft am Donnerstag das erste Playoff-Duell in der Europa League in Gent aus. Da steht für den Verein viel auf dem Spiel.

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