YB beweist: Wer klüger foult, gewinnt

Statistiken enthüllen ein überraschendes Berner Erfolgsgeheimnis. Ausserdem zeigen sie, dass Basler ihre Nerven zu wenig im Griff haben und die Thuner zu lieb sind.

Jean-Pierre Nsame ist nicht nur der Mann, der bislang die meisten Tore in der Super League geschossen hat. Der YB-Stürmer ist auch der Spieler, der am häufigsten foult. Und das macht Sinn.

Jean-Pierre Nsame ist nicht nur der Mann, der bislang die meisten Tore in der Super League geschossen hat. Der YB-Stürmer ist auch der Spieler, der am häufigsten foult. Und das macht Sinn. Bild: Keystone

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Gerardo Seoane neigt den Kopf leicht zur Seite. Hält inne. Sagt dann mit einem feinen Lächeln: «Möglich.» Mehr mag der Trainer der Young Boys nicht zugeben, als er gefragt wird, ob die vielen Fouls seiner Spieler vielleicht etwas mit Pep Guardiola zu tun haben könnten. Muss er eigentlich auch nicht. Die Zahlen sprechen ihre eigene Sprache.

Die Young Boys sind nicht nur Leader der Super League. Sie stellen auch das Team, das in der ersten Saisonhälfte am meisten Fouls begangen hat. Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch wirkt, hat seine Logik. Es geht darum, wie die Berner ihre Gegner unter Druck setzen. Möglichst früh, möglichst nah an deren Strafraum wollen sie den Ball gewinnen.

Damit wächst die Zahl der Zweikämpfe, in denen Fouls geschehen können. Zugleich steigt die Gefahr, ausgekontert zu werden. Und da kommt wieder Guardiola ins Spiel. Die Teams des Star-Trainers sind nicht nur für ihren schönen Fussball bekannt. Sie zeichnen sich auch dadurch aus, dass ihre Spieler wissen, wann sie das taktische Foul begehen müssen, um den Gegenstoss zu verhindern. Einem lernbegierigen Coach wie Seoane dürfte das nicht entgangen sein.

Wobei Seoane wie Guardiola abstreitet, seinen Spielern das «richtige» Foulen beizubringen. Angestrebt werde das Foul sowieso nicht, sagt der YB-Trainer: «Denn ein Foul von uns beendet unser Pressing.» Was ihm aber sehr wichtig ist: dass seine Spieler «sehr gut gegnerische Kontermöglichkeiten unterbinden». Und da gehört ein Zupfer zur rechten Zeit wohl schlicht dazu. Schliesslich sagt Seoane sehr offen: «Das Foul ist Teil des Spiels. Es ist ein Mittel neben anderen.»

Aber er betont auch, wie wichtig ihm und dem Club das «gute Auftreten» der Spieler sei. Dreckige Fouls oder Unsportlichkeiten will Seoane nicht sehen. Und tatsächlich ist YB nicht nur das Team mit den meisten Fouls. Die Mannschaft sieht zugleich am wenigsten Karten.

Während YB so etwas wie ein ideales Mass an Foulspielen gefunden zu haben scheint, ist der FC Thun möglicherweise zu lieb für diese Liga. 63 Fouls weniger als YB haben die Thuner begangen. Damit sind sie in der Foul-Rangliste auf dem letzten Platz – also genau dort, wo sie auch in der Punktetabelle liegen.

Der Topskorer, der am meisten foult

Wenn die Young Boys das Team mit den meisten Fouls sind, mag es keine Überraschung sein, dass sie auch den Spieler mit den meisten Fouls im Kader haben. Dass es ausgerechnet Topskorer Jean-Pierre Nsame (15 Tore) ist? Kann auch nur im ersten Augenblick überraschen.

Sowieso wird die Rangliste der häufigsten Foulspieler von Offensivspielern dominiert. Sie können einerseits beim Kampf um den Ball die Grenzen besser ausreizen als Verteidiger. Weil ein gegen sie gepfiffenes Foul zwar den Angriff unterbricht, aber nicht einen gefährlichen Freistoss oder gar einen Elfmeter verursacht. Und dann sind moderne Stürmer tatsächlich die ersten Verteidiger einer Mannschaft, die schon mal mit unsauberen Mitteln einen möglichen Konter im Keim ersticken.

Der FC Basel hat ein Problem mit der Disziplin

Der FC Basel beweist, dass ein Team nicht immer ein Ebenbild des Trainers sein muss. Marcel Koller ist kaum für Gefühlsausbrüche bekannt. Seine Spieler aber hatten in der Vorrunde ihre Emotionen nicht im Griff. Fast ein Drittel ihrer Karten haben die Basler für andere Dinge als Fouls erhalten. Stattdessen wurden sie für Unsportlichkeiten, Schwalben, Reklamieren – und einmal sogar für «unerlaubtes Betreten des Feldes» bestraft.

Was auf den ersten Blick vernachlässigbar wirkt, entpuppt sich als reales Problem. Im Spitzenspiel gegen YB fehlen dem FCB Captain Stocker, Cömert, Xhaka und Cabral gesperrt. Ohne die Karten, die sie für eine Unsportlichkeit erhalten haben, wären alle am Sonntag spielberechtigt (wobei Cabral derzeit verletzt sowieso ausfällt).

Foulende Gefoulte

Bei den Spielern, die am häufigsten gefoult werden, kommen ausser Innenverteidigern alle Positionen vor. Fabian Lustenberger spielte in der Vorrunde ja meistens im zentralen Mittelfeld. Auffällig sind Spielertypen wie der Sittener Pajtim Kasami oder der Luzerner Pascal Schürpf. Beides sind offensiv ausgerichtete Spieler, die offensichtlich ständig im Zweikampf sind. Beide sind sowohl unter jenen zehn Spielern, die am häufigsten foulen als auch unter den Top Ten der am meisten Gefoulten.

Je länger das Spiel dauert, um so mehr Karten gibt es

Zum Schluss die Bestätigung dessen, was wir alle vermutet haben: Ja, je weniger Luft die Spieler haben, um so mehr Karten sammeln sie. Die Zahl der Karten steigt gegen Ende der beiden Halbzeiten an. Gleich ein Drittel der Karten wird von der 76. Minute bis zum Ende der Nachspielzeit gezeigt.


Der grosse Statistik-Check der Super League. Hier geht es zum zweiten Teil.


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Erstellt: 23.01.2020, 17:21 Uhr

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