Kloten

Bescheiden, vernünftig, verlässlich

Hans-UlrichLehmann hat das getan, was er nicht gesucht hat: von der ASE die EHC Kloten Sport AG übernommen. Der EHC hat also eine Zukunft.

Hans-Ulrich Lehmann ist der neue starke Mann beim EHC Kloten, Michael Kloter (links) leistete starke Arbeit in den Verhandlungen. Bild: Keystone

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Seit gestern Montag (2. Mai, exakt 10.00 Uhr) ist die Gewissheit da, dass Eishockey in Kloten eine Zukunft hat. Die EHC Kloten Sport AG ist wieder in Schweizer Händen, nach einem kanadischen Jahr, das beinahe zum Aus geführt hätte. Die Absichten der Avenir Sports Entertainment (ASE) waren vor einem Jahr bei ihrem Einstieg nicht ganz klar, sie waren es dann leider auch in den 51 Tagen seit der Bekanntgabe nicht, dass man Kloten verkaufen wolle. Deshalb ist es dem Team um Anwalt Michael Kloter, der im Verwaltungsrat sass, und CEO Matthias Berner nicht hoch genug anzurechnen, dass es den Deal dann doch noch zustande brachte.

«Zu meinen Bedingungen», wie Hans-Ulrich Lehmann gestern in seinem Riverside in Glattfelden betonte. Die ASE hat bei ihrem letzten Entscheid in der «Causa Kloten» doch noch fair gehandelt und ist den Forderungen Lehmanns nachgekommen: Sie übergab eine bereinigte Bilanz und sie löste die «Altlasten». Die ASE übernahm die Kosten für die Vertragsauflösung des Trainerduos Sean Simpson / Colin Muller sowie für Flügel Peter Guggisberg.

Mit der Übernahme ist, wie Lehmann sagt, erst ein erster Schritt getan. «Nun beginnt die richtige Knochenarbeit», führte er aus und nützte die Gelegenheit, nochmals zu betonen: «Mit dieser Übernahme verabschiedet sich der EHC Kloten vom Mäzenatentum, ich bin kein Mäzen.»

Seine Aufgabe sei es, Richtlinien vorzugeben und den Kopf hinzuhalten. Spieler, Staff und Administration werde das schmerzlich treffen. «Es wird nicht mehr Geld ausgegeben, als eingenommen wird», wiederholt Lehmann mehrmals. «Bescheidenheit, Vernunft und Verlässlichkeit sollen für den EHC stehen. Der Klub ist nicht der Ort des grossen Portemonnaies, sondern der grossen Herzen.»

Er merkt selber, dass das ein bisschen gar pathetisch tönt, und fügt daher gleich an: «Das tönt schön, aber messen kann man uns erst in einem Jahr. Dann wird man es wissen.»

Dem finanziellen Ziel, also einem Budget zwischen 13 und 14 Millionen Franken, sind die Klotener momentan schon ziemlich nahe. Durch die auslaufenden Verträge, durch die Übernahme der Kosten von Trainern und Guggisberg, durch die Auflösung des Kontrakts mit Timo Helbling sind rund fünf Millionen frei geworden (ein Teil davon allerdings wird wieder besetzt werden müssen). Denn selbst Lehmann, der sparen will, sagt: «Selbstverständlich werden wir Ausländer haben, aber es gibt auch solche, die günstig spielen.»

Kein Abgang?

Deshalb müssen auch jene Profis, die unter Vertrag sind, ihren Beitrag leisten. Es sei keiner von den Verhandlungen um eine Salärreduktion ausgenommen. Er habe, sagt Lehmann, mit allen Spielern geredet. «Und so, wie ich die Situation einschätze, müssen wir mit keinem Abgang rechnen.» Es gibt allerdings durchaus noch Konkurrenz, die mehr zahlt und sich gerne aus Kloten bedienen möchte.

Da wird man in den nächsten Tagen und Wochen mehr hören. Und natürlich auch in dem Bereich, den man gestern im Hintergrund zu halten versuchte: Wer wird Trainer, wer wird Sportchef? Sicher ist, dass das Modell Simpson (Trainer und Sportchef) ausgelaufen ist. Die Spieler, die sich zu einer Salärreduktion bekennen, wollen wissen, unter welchen Chefs sie das tun sollen. Deshalb ist die Wahl des Sportchefs (zuerst) und des Trainers (danach) relativ bald zu erwarten.

Das Beispiel Bossert

Von den Spielern ohne Vertrag sind zwei noch ein Thema: Goalie Martin Gerber und Center Tommi Santala. Mit ihnen werde noch gesprochen, erklärte Lehmann. Sprechen wird er auch sehr bald mit all den Mitarbeitern der Geschäftsstelle müssen. Denn denen musste aus rechtlichen Gründen vom vorherigen Besitzer ASE gekündigt werden. Lehmann will seine Leute einmal pro Tag sehen, also scheint es naheliegend, dass zumindest ein Teil der Geschäftsstelle nach Glattfelden wechselt. Matthias Berner, der sich in den Tagen seit Mitte März hervorragend als «Chef» bewährte, hat Interesse und grosse Chancen, eine Position im neuen Team zu besetzen. Die Geschäftsstelle muss ja jetzt funktionieren und vor allem Rechnungen verschicken für all jene, die eine Saisonkarte bestellt haben. Rund 3000 sind es jetzt, «4000 bis 4500 wären hervorragend und ein starkes Zeichen der Region», nennt Lehmann ein Ziel.

Der 57-Jährige denkt, dass er das erreichen kann, was in Peter Bosserts letzter Saison möglich war. Damals, im Frühjahr 2009, spielte Kloten im Final und war finanziell gesund. «Wir wollen auf jeden Fall in der NLA bleiben. Das wird mit einem jungen Team angestrebt, in dem zum Beispiel das Trio Jordan Gähler, Jan Lee Hartmann und Luca Homberger, im letzten Jahr vornehmlich in der NLB (Winterthur) im Einsatz, einen Platz haben dürfte. Weitere Namen, Fakten sowie weitere Pläne von Lehmann mit dem EHC:

Mit Sacha Ochsner

Im Verwaltungsrat verbleibt von früher nur Michael Kloter. Neu hinzu kommt für den sportlichen Bereich mit Sacha Ochsner ein ehemaliger Meisterspieler, der bei Ochsner Hockey verantwortlicher Geschäftsführer ist; Mike Schälchli für den kommerziellen Teil und Lehmann «als Schiedsrichter», als Präsident eben. Im sportlichen Bereich soll Peter Lüthi den Nachwuchs koordinieren, Pascal Müller ist ebenfalls noch involviert.

In einer 2. Phase will Lehmann die Region mehr einbeziehen und den EHC konsolidieren. Teil davon ist auch ein Klub 34, in dem 34 Mitglieder je 34 000 Franken bezahlen sollen.

In einer 3. Phase soll das Aktionariat «pulverisiert» werden. «Jeder, der eine Saisonkarte kauft, erhält auch eine Aktie, es soll in Zürich-Nord eine Bewegung ausgelöst werden und wieder eine richtige GV stattfinden.»

«Ich bin sportbegeistert, ich bin im Unterland tätig» – das gibt Lehmann als Motivation für seinen Einstieg ein. Vor vier Jahren, als er kurz mit der Übernahme spekulierte, hätte er Kloten als Plattform für sein Riverside-Projekt in Glattfelden nützen können. Er habe als Unternehmer immer versucht, das Unmögliche möglich zu machen. Beim River­side habe man ihm nicht viele Chancen gegeben, nun sei es etabliert. «Das kann man auch in Kloten.» Er hoffe, dass er die Kraft habe, dieses Projekt durchzuziehen. Als Mann, der mit beiden Füssen auf dem Boden zu stehen scheint, hat er auf jeden Fall gute Aussichten.

Erstellt: 03.05.2016, 09:06 Uhr

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