Kloten

Der Aufsteiger im Monat des Abstiegs

Kloten-Flügel Emilijus Krakauskas ist erst 21 Jahre alt, doch er hat schon mehr erlebt als manch 40-Jähriger.

Flügelstürmer Emilijus Krakauskas hat Klotens Trainer André Rötheli beeindruckt.

Flügelstürmer Emilijus Krakauskas hat Klotens Trainer André Rötheli beeindruckt. Bild: Christian Merz

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Am 25. April 2018 herrschte Eishockey-Trauer in Kloten. Der Abstieg nach 56 Jahren NLA war Tatsache geworden. 1700 Autokilometer entfernt jedoch rüstete sich ein Team zum grössten Erfolg der Geschichte: Litauen versuchte, an der Heim-WM in Kaunas in die zweithöchste Division aufzusteigen. Am Samstag nach der Klotener Relegation erfolgte die triumphale Promotion der Litauer vor 10000 Zuschauern mit einem 4:1 über Estland. Mittendrin im Jubel: die ehemaligen NHL-Stars Darius Kasparaitis und Dainius Zubrus – und der damals 20-jährige Emilijus Krakauskas.

«Es war eine grossartige Sache», blickt «Emil» auf jene Tage zurück. Kasparaitis, bald 46, und Zubrus, auch schon 40, hatten sich als Aushängeschilder für das Nationalteam zur Verfügung gestellt. Die Jüngeren mussten auf dem Feld ihren grossen Beitrag leisten.

«Ich war mental kaputt»

Der Aufstieg im April war für Krakauskas ein schöner Lohn nach einem völlig missratenen Winter in Biel und Pruntrut. Als starker Junior bei Biel hatte er die Chance, in der NLA-Mannschaft zu schnuppern. Aber zu schnell wurde er zum HC Ajoie in die Swiss League abgeschoben. Dort wurde ihm deutlich gezeigt, dass er eigentlich nicht erwünscht war. «Ich kriegte kein Mannschaftsleibchen, am Ende musste ich mich im Kraftraum umziehen», sagt der Flügel. Er wechselte für den Rest nach Sitten in die 1. Liga. Unter das Kapitel Biel/Ajoie wollte er einen Schlussstrich ziehen. «Ich war mental kaputt.» Klotens Trainer André Rötheli hatte in einer Zeit bei den Junioren Krakauskas beim Gegner gesehen, dem Flügel wurde ein Zweijahresvertrag in der Swiss League offeriert. Er nahm dankend an. Und ist in einem Team angelangt, «in dem alles perfekt ist».

Mit elf ins Ausland

Sein Weg in den Sport ist kein alltäglicher. Aufgewachsen ist Krakauskas in Kretinga in der Nähe von Klaipeda. Sein Vater war es, der ihn zum Eishockey führte. Er sah darin eine Chance für seinen Sohn, aus dem grauen Leben Litauens auszubrechen, das für junge Leute wenig Perspektiven bereithielt. Als die eishockeytechnische Ausbildung im Land nicht mehr gut genug war – Basketball ist Litauens Sport Nummer 1, eine «Religion», wie Krakauskas sagt –, ging der Vater mit dem Sohn ins Ausland. Im Auto 100 km nach Liepaja in Lettland, am gleichen Tag wieder 100 km zurück. Und wenn der Vater mit der Trainingsleistung des Filius nicht zufrieden war, hatte der junge Mann nach der Rückkehr im Leichtathletikstadion Strafrunden zu drehen. Manchmal unter Tränen.

Die Autofahrten nahmen zu viel Zeit in Anspruch, bereits mit elf Jahren wurde der Sohn nach Lettland geschickt, wo er bei der Mutter des Eishockeytrainers wohnte. In der Schule galt es, Lettisch zu lernen, Russisch gehörte zum Repertoire. «Emil» hielt durch und kam zu ersten Auftritten in den Nachwuchsauswahlen. In den Statistiken fiel er einem Schweizer Agenten mit Flair für Spieler aus dem Osten auf. «Eines Tages erhielt ich eine Nachricht von ihm, mein Vater glaubte nicht recht daran.» Doch das Interesse aus der Schweiz wurde bestätigt. Was Vater und Sohn Krakauskas lockte: die Aussicht auf eine Schweizer Lizenz. «Denn wenn du als Litauer Eishockey spielst, interessiert sich niemand für dich.»

Also reiste der 15-jährige Krakauskas im Sommer 2015 für ein Trainingslager nach Romanshorn, nach drei Tagen hatte er die Zusage des EHC Biel. Er wechselte von der Gastfamilie in Litauen zu einer in der Schweiz. Später kam er beim ehemaligen Biel-Spieler Guido Pfosi unter, mit dessen Tochter ging er in die gleiche Schule. Den Schweizer Dialekt lernte er von seiner Freundin.

Hoffen auf Aufstieg

Emilijus Krakauskas ist nicht der Einzige der Familie, der ausgezogen ist aus der Heimat. Seine Eltern leben in Deutschland, sein älterer Bruder in London. Die Eltern kommen ab und zu auf Besuch. Und nun naht der Frühling, in dem Krakauskas auf einen nächsten sportlichen Erfolg hofft, den Aufstieg mit Kloten.

Zwei Jahre in Folge hat er dieses Gefühl gehabt. 2018 in der Heimat und 2017 bei seiner letzten Junioren-WM in Tallinn. Da war er mit 15 Punkten bester Skorer des Turniers, im entscheidenden Match gewann Lettland gegen Japan nach einem 0:2-Rückstand noch 6:3 – auch dank eines Hattricks von Krakauskas.

Erstellt: 31.01.2019, 22:32 Uhr

Klotens nächste Gegner

Gegen Thurgau und Olten

Die Aufgaben werden anspruchsvoller. Noch fünf Spiele bis zum Playoff-Start, und noch immer weiss Kloten nicht, aus welcher Position in die entscheidende Phase der Saison gestartet wird. Noch immer ist (fast) alles möglich, von Platz 1 bis Rang 6. Die Aufgaben werden in den nächsten Tagen anspruchsvoller. Und das ist ja perfekt, wenn es Richtung Playoff geht.

Heute gegen Thurgau geht es gegen einen möglichen Gegner in der k.O.-Phase. Zweimal hat Kloten in Weinfelden verloren, die beiden bisherigen Heimspiele (und einmal auswärts) gewonnen. Am Samstag folgt das Spiel gegen die Spitzenmannschaft Olten. Im Kleinholz zeigte Kloten im letzten Match mit Jussi Jokinen eine der bisher besten Saisonleistungen (5:2-Sieg), zuhause aber verlor der EHC zweimal.

Personell sind gegenüber den letzten Auftritten nur geringfügige Änderungen zu erwarten. Lauri Tukonen pausierte gestern im Training, heute aber sollte er fit sein. (jch)

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