Eishockey

«Die Ärmel hochkrempeln»

Trainer André Rötheli (47) soll den EHC Kloten aus der Swiss League zurück in die National League führen. Am Freitag erfolgt der Meisterschaftsstart in Winterthur.

Im Video-Interview reden Sportchef Felix Hollenstein und Trainer André Rötheli zu Klotens Ambitionen in der Swiss League-Saison.
Video: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Swiss League freut sich auf den EHC Kloten. Freuen Sie sich auf die Swiss League?
André Rötheli: Gezwungenermassen. (lacht) Es ist jetzt einfach eine Tatsache, dass wir da spielen. Für den ganzen Verein ist es eine neue Herausforderung, ich spüre eine Euphorie im ganzen Umfeld. Es ist nicht so, dass mit dem Abstieg im Frühling eine ganze Welt zusammengebrochen ist. Wir haben die neue Situation angenommen und blicken der Aufgabe sehr positiv entgegen.

Auf was können sich KlotensAnhänger freuen?
Wir präsentieren ein neues Team. Wir wollen dynamisch spielen. Die Mannschaft soll Spass an dem haben, was sie macht, daran arbeite ich. Neben System und Taktik muss es Platz geben für ein weiteres Element. Wenn nach dem Training alle duschen und dann weggehen, dann fehlt etwas. Junge und alte Spieler sind verbunden in einer Familie­. Das Team soll im Vordergrund stehen. Damit das funktioniert, darf es keine Gruppenbildung geben. Der Funke der Begeisterung soll von der Equipe auf die Fans überspringen. Der Spass soll aber nicht verhindern, dass die Spieler einander täglich im Training fordern. Nur so geht es vorwärts.

Noch im Frühling, als Sie sichals Nothelfer für den Abstiegskampf gegen Rapperswil engagierten, sagten Sie, dass Sie sich wohl nachher wieder auf die Junio­ren konzentrieren würden. Was ist passiert, dass Sie Ihre Meinung geändert haben?
Ich hatte immer das Ziel, es einmal «oben» als Trainer zu ver­suchen. Diese Karriereschritte aber kann man nicht minutiös und exakt planen. Ich kann nicht sagen, dass ich zum Beispiel in fünf Jahren Trainer dort oder dort sein will. Manchmal geht es brutal schnell. Da öffnet sich irgendwo eine Tür, und dann muss man sich entscheiden. Wünschen kann man sich da wenig. Es gibt nicht jeden Tag Angebote für 30 Trainerjobs. Für mich war es auch eine Verpflichtung, etwas zu korrigieren. Vielleicht werde ich später einmal sagen, dass es falsch war. Aber zum vornherein weiss man das nie.

Wie lange brauchten Sie, bisdas Scheitern verdaut war?Es war ja, mit der Verlängerung in Spiel 7, extrem knapp.
Ich war nur eine kurze Zeit dabei, in der Serie gegen Rapperswil. Wenn Kloten nicht abgestiegen wäre, wäre es super gewesen. Als wir Spiel 7 verloren, dachte ich aber nicht, dass ich als Trainer nicht genügen würde. Es war eine Riesenerfahrung. Wir haben ein 0:2 in ein 3:2 gekehrt; es ärgert mich, dass es uns nicht gelungen ist, den vierten Sieg zu holen. Aber wochenlang hinterfragt habe­ ich mich nicht.

Sie betonten stets, dass es für Sie sehr wichtig ist, in einem gut funktionierenden Führungsteam zu arbeiten. Stimmt es so, wie es jetzt ist?
Bis jetzt hat auf jeden Fall alles gestimmt, ich möchte keine Minute missen. Mein Motto ist: Ich bin nicht der Hauptdarsteller. In Situationen wie in diesem Interview bin ich zwar auf der Plattform, aber mir liegt viel an einer menschlich guten Zusammenarbeit, wie ich sie zum Beispiel mit Assistent Waltteri Immonen habe. Wir Trainer wollen den Spielern die Möglichkeit geben, ans Ziel zu kommen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass man den Trainer nicht so wichtig nehmen sollte.

Im letzten Winter war Felix Hollen­stein Ihr Assistent bei den Junioren, früher waren Sie sein Sportchef, nun ist er Ihrer. Wie funktioniert diese
Beziehung?
Die baut vor allem auf Respekt auf. Wir beide haben zusammen genug erlebt im Schweizer Eis­hockey. Wir können auf einem gemein­samen Niveau miteinander diskutieren und Lösungen finden, die einzig und allein der Sache dienen. Ich wollte nicht zurück­ auf die Position des Sportchefs. Fige war schon meh­rere Jahre Trainer, jetzt kann er einmal die andere Seite kennen lernen. Wie reagie­ren wir zwei, wenn zum Beispiel die Resul­tate nicht befriedigend sind? Das wird spannend sein.

Wird Kloten das Team sein, gegen das sich die Konkurrenz noch etwas mehr anstrengt?
Der eine oder andere gegnerische Coach kann als Motivationshilfe seinem Team mitgeben, dass es doch schön wäre, uns ein Bein zu stellen. Ich sehe uns überhaupt nicht als Überflieger. Ich habe keine Angst, aber einen Riesenrespekt vor den Gegnern. Wir müssen mit beiden Beinen auf dem Boden stehen und die Ärmel hochkrempeln, um zu den Top 3 zu gehören. Denn wir sind noch keine eingespielte Equipe.

Sie stehen erst am Anfang eines Weges. Was muss noch passieren, damit Kloten wirklich gute Chancen hat, das Ziel Wiederaufstieg zu erreichen?
Das ist alles ein Entwicklungsprozess. Aber wie viel Zeit haben wir, wie viel Zeit gibt man uns? Rap­pers­wil hat in der letzten Saison­ nie zweimal hinter­ein­an­der verloren. Werden wir dar­an gemessen? Ich kann meinen Spie­lern nicht sagen, es ist nicht so schlimm, wenn wir zweimal nacheinander verlieren, wir müssen erst im Frühling bereit sein. Wir müssen lernen, aus jeder Situation. Wenn alle in jedem Spiel und Training 100 Prozent Leistung bringen, sind wir gut unterwegs. Wir werden Fehler haben, aber wir können sie korrigieren.

In der Vorbereitung hatte man gegen die DEL-Teams den Eindruck­, es spielten teil­weise Knaben gegen Männer. Ist die Physis das grösste Manko?
Wir haben junge Spieler, die noch nicht so weit sind. Solche Partien müssen für sie Ansporn sein, sich zu verbessern. Wir konnten aus jedem Vorbereitungsspiel etwas für uns herausnehmen, zum Beispiel auch aus unserem letzten in La Chaux-de-Fonds. Da haben wir eine 3:1-Führung hergegeben. Wenn wir 3:1 führen, sollen wir an­ders auftreten. Dann muss der Geg­ner den Eindruck bekommen, dass es eigentlich unmöglich ist, das noch aufzuholen.

Wer oder was sind die Trümpfe dieser Equipe?
Ich will nicht einzelne Spieler heraus­nehmen. Was wir brauchen: sechs, sieben Spieler in den Top 20 der Topskorer-Wertung der Liga. Solche, von denen man es erwartet, solche, die überraschen. Es nützt mir nichts, wenn wir den Topskorer stellen, unser Zweitbester aber nicht einmal unter den ersten 20 steht.

Besteht bei ehemaligen National-League-Spie­lern nicht die Gefahr, dass sie die Aufgabe unterschätzen?
Ich glaube nicht, dass mein ­Team überheblich ist. Ich habe eher das Gefühl, dass die Spieler zu Beginn­ der Saison zu nervös, zu angespannt sind und dann eben ­Dinge tun, die wir nicht tun sollten. Ich will keine älteren Spieler, die das Gefühl haben, dass sie hier ihre Karriere gemütlich ausklingen lassen können. Sobald einer einen eigenen Zug fährt, fährt er in eine falsche Richtung, dann ist er weg.

Wie erklären Sie einem, der lieber zwei ausländische Stürmer gesehen hätte, das Engagement eines ausländischen Goalies?
Wenn ich mit zwei jungen Goalies in die Saison gehe, dann kassiere ich vielleicht 3 bis 5 Gegentore und muss in der Offen­sive mehr produzieren. Mit einem Top­goalie, wie der Österreicher Bernhard Starkbaum einer ist, erhalten wir wenig Gegen­tore. Wenn zwei junge Keeper in ein Tief geraten, dann leidet zuerst die Defen­sive darunter, es kann aber auch das ganze Gerüst des Teams schnell zusammenbrechen. In der Schweiz hatten wir lange gute Goalies, zuletzt aber haben wir in der Ausbildung zu wenig auf diesen Nachwuchs geach­tet. Ich will junge Goa­lies fördern; mein Sohn spielt ja auch auf dieser Position. Andrin Seifert, unsere Nummer 2, wird seine Chance bekommen.

Erstellt: 20.09.2018, 16:05 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.