Unihockey

Die Jets steigen in die NLB ab

Gegner Ad Astra Sarnen gewinnt Spiel 6 des Auf-/Abstiegsplayoff 6:5 nach Verlängerung und entscheidet die Serie 4:2 für sich. Damit kommt es für die Kloten-Dietlikon Jets nach neun Jahren NLA zum Grounding in der höchsten Schweizer Männerliga.

Abgestiegen. Auf der Bank der Jets macht sich die grosse Enttäuschung breit.

Abgestiegen. Auf der Bank der Jets macht sich die grosse Enttäuschung breit. Bild: Leo Wyden

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Samstagabend, kurz nach 22 Uhr, Ruebisbachhalle Kloten. Da steht ein Jets-Junior unter 735 Zuschauern, ungläubiger Blick, blaues T-Shirt mit dem Aufdruck «Aufstieg 2018/19 U18 A». Geschafft hat sein Team das zwar knapp nicht, aber immerhin, er durfte bis zum letzten Spiel vom Aufstieg träumen. Und das Fanionteam? Ist gerade eben in die NLB abgestiegen. Noch steht es nirgends. Mit Albträumen bedruckt niemand ein Shirt.

In der Halle prangt nur das nackte Resultat auf der Anzeigetafel: 5:6. Basil von Wyl hat nach drei Minuten und 43 Sekunden der Verlängerung für die Gäste getroffen. Wie schon am vergangenen Sonntag, als die Sarner zu Hause dank eines Tores von Robin Markström ebenfalls in der Overtime obenaus schwangen und sich in dieser Best-of-7-Serie zwei Matchbälle holten. Bereits den ersten haben die Spieler von Ad Astra Sarnen jetzt genutzt, sie steigen auf, greifen nach den Sternen, feiern unter Glitzer, den ihre zahlreich mitgereisten Fans von der Tribüne regnen lassen. Auf der Jets-Bank sitzen sie mit leeren Blicken, ringenden Händen und voller Enttäuschung. Nach dem letzten Handshake in dieser Serie verabschieden sich die Spieler mit Stil vom Publikum, verschwinden in der Kabine. Sportchef Samuel Kuhn kümmert sich um Torhüter Dürst und Topskorer Jaunin, beide bleiben konsterniert auf Bank und Bande sitzen. Sie waren heute nicht schlecht, phasenweise sogar richtig gut. Aber für den NLB-Qualifikationssieger am Ende doch nicht gut genug.

Hess mit zwei Toren

Es ist von Beginn weg eng, laut und stickig in der Ruebisbachhalle. Über 700 Leute sind gekommen, doppelt so viele wie in den vorangegangenen Heimspielen in dieser Serie. Auch die Ersatzspieler stehen und feuern ihre Teamkollegen an. Als Cornel von Wyl früh zum 1:0 für Sarnen trifft, rennen seine Mitspieler jubelnd aufs Feld, alle, ausnahmslos. Es ist klar, hier geht es um sehr viel. Ad Astra könnten erstmals in der Vereinsgeschichte in die NLA aufsteigen, Kloten nach neun Saison in der höchsten Liga in die NLB abtauchen. Dass die Einheimischen dies um jeden Preis verhindern wollen, zeigen sie mit ihrem unbedingten Einsatz. Johannes Jokinen, der Finne mit den feinen Händen, gleicht die Partie in der 9. Minute aus. Dann erhöht Verteidiger Alexander Hess, einer der offensiv auffälligsten Jets-Akteure an diesem Abend, auf 2:1 (11.). Und nur Sekunden später lässt Markus Kulmala mit seinem 3:1 sogar den jungen Helfer hinter der Bandenwerbung einer Fahrschule ausgelassen tanzen. Nun ist er aufgegleist, der Sieg, mit dem sich die Jets immerhin in die Belle retten könnten. Sie haben es nun in der Hand. Natürlich lässt Sarnen nicht locker, kann im Mitteldrittel auch zweimal verkürzen, doch die Jets stellen den Zweitorevorsprung dank Treffern der ersten Verteidigungslinie – Hess (31.) und Michel Wüst (40.) – jeweils wieder her. Topskorer Jaunin trifft zwar nicht, ist sich aber nicht zu schade, gemeinsam mit Kulmala an der Bande kräftig nach Bällen zu fischen.

Die Zeit läuft im letzten Drittel für die Jets. Und eigentlich haben sie den Gegner im Griff. Das wird auch Sportchef Samuel Kuhn nach Spielschluss etwas ratlos sagen. Das Heimteam versucht jetzt, Ruhe zu bewahren. Der während der Saison reaktivierte Routinier und ehemalige Captain Daniel Dürst kennt keine falsche Eitelkeit und spielt auch einmal einen blassen Befreiungsschlag, wenn es brenzlig wird, und das Sturmduo Patrick Kapp/Alireza Tahmasebi verschafft seinem Team mit sehenswerten Angriffen Luft. Nur treffen tun die beiden nicht, genauso wenig wie Dürst, der allein vor dem Tor vergibt – im Gegensatz dazu steht Sarnen, das einen Konter und eine Überzahl bis zur 57. Minute zum Ausgleich nutzt.

Meeting am Montag

Die Verlängerung ist bereits erzählt, an diesem Abend für Jets-Sportchef Samuel Kuhn aber noch nicht ganz zu fassen. «Es fällt mir gerade schwer, das alles einzuordnen», sagt er. «Wir haben zwei Drittel gut gespielt. Und dann geben wir, wie so oft in dieser Saison, eine Führung im letzten Abschnitt wieder her.» Ähnlich formuliert es Trainer Nivin Anthony: «Wir haben es erneut nicht geschafft, über 60 Minuten das zu spielen, was wir können. Und nur dann sind wir NLA-tauglich.»

Wie und mit wem es weitergeht, wollen die Jets nächstens kommunizieren. Die Verträge mit Spielern und Trainern sind alle hinfällig, da für die NLA abgeschlossen. «Wir müssen nun eruieren, mit welchen Leuten wir die NLB-Saison bestreiten wollen und können», sagt Sportchef Kuhn. Im Leitbild der Kloten-Dietlikon Jets ist festgehalten, dass der Verein mit einem Männer- und einem Frauenteam in der NLA vertreten sein soll. Wie der Weg dahin zurück ausschauen solle, müsse jetzt ebenfalls diskutiert werden. Am Montag ist laut Kuhn ein Treffen der Vereinsverantwortlichen geplant. Denn jetzt steht es schwarz auf weiss: Die Jets sind in die NLB abgestiegen.

Erstellt: 14.04.2019, 06:05 Uhr

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