Bülach

Ein Playoff-Duell bewegt das Unterland

Bülach oder Bassersdorf-Nürensdorf – welcher der beiden Erstligisten zieht in den Playoff-Final ein? Bevor am Wochenende die Entscheidung fällt, haben sich die beiden Trainer fünf Fragen gestellt.

Über Bülachs Stürmer Tobias Bertschi (links) sagt UBN-Trainer Samuel Eberle: «Er ist einer der besten, wenn nicht der beste Techniker der Liga.» Hier wird er verfolgt vom Bassersdorfer Dominik Fritschi.

Über Bülachs Stürmer Tobias Bertschi (links) sagt UBN-Trainer Samuel Eberle: «Er ist einer der besten, wenn nicht der beste Techniker der Liga.» Hier wird er verfolgt vom Bassersdorfer Dominik Fritschi. Bild: Sibylle Meier

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Erstliga-Unihockey bewegt die Leute im Unterland. 580 Zuschauer waren im ersten Playoff-Derby in der Hirslen. Haben Sie schon einmal vor einer solchen Kulisse gespielt? Und ist diese Stimmung noch zu überbieten?

Raphael Röthlin: Die Atmosphäre war wirklich fantastisch. Als Trainer und Spieler konnte ich bisher noch nie vor solch einer grossartigen Kulisse spielen. Einzig in meiner Schiedsrichterkarriere leitete ich bereits Spiele vor einer vergleichbaren Anzahl Zuschauern. Dass so viele Besucher den Weg in die Hirslen fanden, ist einerseits dem Derby zu verdanken, andererseits aber auch dem familiären Vereinsleben, welches in Bülach stattfindet. Das beginnt bei unserem gastfreundlichen Cafeteria-Team und führt über die Einlauf-Kids, Trainerinnen und Trainer bis hin zu unserem Präsidenten, der, so macht es jedenfalls den Anschein, hauptsächlich für Bülach Floorball lebt.

Samuel Eberle: Die Stimmung am Samstag wurde im Verlauf der Partie immer besser, sprich lauter. Aber mein persönliches Highlight ist immer noch das entscheidende Aufstiegsspiel 2015 mit meinem ehemaligen Team Jona Uznach Flames gegen Lokalrivale March-Altendorf vor 720 Zuschauern in der Grünfeldhalle. Mich hat diese Kulisse extrem beflügelt und ich konnte drei Tore zum 5:3-Schlussresultat und somit zum Aufstieg beisteuern. Damals waren die Emotionen für mich viel grösser, weil ich selber auf dem Feld kämpfte und einen meiner schönsten Erfolge feiern durfte. Als Trainer muss ich nun immer einen kühlen Kopf bewahren und das geht nicht, wenn man mental überdreht. Ich reklamiere zum Beispiel aus Prinzip nie bei den Schiedsrichtern, weil mich das negativ beeinflusst, und ich wünsche mir das eigentlich auch von meinen Spielern. Das hat leider am Samstag nicht allzu gut funktioniert. Wir haben ja noch eine Zehnminutenstrafe wegen Reklamierens kassiert.

Ausser der Rekordkulisse – ­ was macht dieses Duell zu einem Derby?

Raphael Röthlin: Die vielen hart – manchmal auch überhart – geführten Zweikämpfe. Diese gehören jedoch in gesundem Masse zu den Playoffs dazu. Viele Spieler kennen sich, was die Angelegenheit ebenfalls sehr speziell macht. Zudem sind die Partien bisher zwar immer zu unseren Gunsten entschieden worden, waren aber stets hart umkämpft.

Samuel Eberle: Man kennt sich von unzähligen Duellen oder aus gemeinsamen Zeiten. Zum Beispiel ist da aufseiten Bülachs Marco Pavoni, der viele Jahre bei UBN an der Seite von Aydemir, Weder, Fritschi und anderen stürmte. Auch ich selbst habe ihm den einen oder anderen Assist gespielt. Ich frage mich immer, weshalb er jubelt, wenn er ein Tor gegen seinen Jugendverein erzielt. Und da er praktisch immer trifft gegen uns, frage ich mich das ziemlich oft.

Der erste Durchgang dieser Best-of-3-Serie ging mit 5:2 an Bülach. Was hat Sie dieses Spiel für das entscheidende Wochenende gelehrt?

Raphael Röthlin: Beide Mannschaften spielen defensiv sehr diszipliniert. Im ersten Drittel agierten wir überraschend nervös. Dies, weil sich der Gegner auf ein hohes Pressing einstellte. Je länger die Partie dauerte, desto besser konnten wir mit diesem Druck umgehen. Beide Teams hatten nicht viele Abschlussmöglichkeiten. Wir waren schlicht und einfach effizienter. Hinzu kommt, dass wir in der Kaderbreite besser aufgestellt sind und so die Pace bis zum Spielende mit drei Linien durchziehen konnten. Wir werden im zweiten Spiel nicht viel verändern. Die Nervosität sollte mit dem Sieg im Rücken geringer sein. Dass UBN das Messer am Hals hat, wird uns hoffentlich entgegenkommen und den einen oder anderen erfolgreichen Konter ermöglichen.

Samuel Eberle: Mutig sein. Wir haben nichts zu verlieren, wir spielen im Playoff-Halbfinal gegen eine Mannschaft, die sich seit drei Jahren den Aufstieg zum Ziel setzt. Für mich ist alles, was jetzt noch kommt, Zugabe. Deshalb können wir frei aufspielen und alles riskieren.

Welche Spieler des Gegners gilt es besonders im Auge zu behalten?

Raphael Röthlin: Mit Simon Weder hat UBN einen richtigen Scharfschützen in seinen Reihen. Er ist fähig, aus jeder Position einen gefährlichen Abschluss oder Pass abzugeben. Da müssen wir noch wachsamer sein. Und selbstverständlich sollten wir Nico Scalvinoni in den Griff bekommen. Vom ehemaligen Nationalmannschafts-Stürmer geht immer Gefahr aus. Allerdings hat er sich im ersten Spiel leider auch zu Unsportlichkeiten hinreissen lassen. Dies hätte ein Spieler seines Formats überhaupt nicht nötig.

Samuel Eberle: Tobias Bertschi. Er ist sehr wahrscheinlich der beste Techniker der Liga. Und Josh Meier, ein extrem gefährlicher Skorer.

Was machen Sie am Sonntagabend nach 22 Uhr?

Raphael Röthlin: Dann werde ich mit unserem Präsidenten Dominik Wild im Restaurant Frieden auf unseren Finaleinzug anstossen. Dies traditionellerweise mit einer Stange Braufrisch, Pouletflügeli und Vermicelles.

Samuel Eberle: Zufrieden einschlafen, weil ich dann sicher weiss, dass mein Team alles gegeben hat. Vielleicht wird es zum Finaleinzug reichen, vielleicht nicht.

Erstellt: 07.03.2019, 21:43 Uhr

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