Bachs

In Bachs herrscht Titelhunger

In der Korbballhochburg Bachs starten die Frauen in ihre 40. National­ligasaison. Nach zehn Jahren ohne Titelgewinn will es Meistertrainer Martin Altorfer nochmals wissen.

An guter Stimmung fehlt es den Bachser Korbballspielerinnen nicht, jetzt müssen aber auch die Punkte her. Oben von links: Saskia Wunderlin, Manuela Dietliker, Trainer Martin Altorfer, Alessandra Baltisser und Patricia Götschi. Unten von links: Sandra Waser, Fabienne Kalt, Olivia Schwarz (Captain), Fabienne Baltisser, Laila Müller sowie Lena Keller.

An guter Stimmung fehlt es den Bachser Korbballspielerinnen nicht, jetzt müssen aber auch die Punkte her. Oben von links: Saskia Wunderlin, Manuela Dietliker, Trainer Martin Altorfer, Alessandra Baltisser und Patricia Götschi. Unten von links: Sandra Waser, Fabienne Kalt, Olivia Schwarz (Captain), Fabienne Baltisser, Laila Müller sowie Lena Keller. Bild: Leo Wyden

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912 Hektaren Land, knapp 600 Einwohner und zwei NLA-Teams – das kleine Bachs ist ein Dorf mit grosser Korbballtradition. Vorab der Medaillenspiegel der Frauen zeigt ein glänzendes Bild: Mit den sieben Meistertiteln und insgesamt 18 Medaillen, welche ihre wechselnden Equipen seit der Nationalliga-Gründung 1979 gesammelt haben, liegen sie schweizweit an zweiter Stelle. Beharrlich haben die Korbballerinnen im kleinen Tal zwischen dem Stadlerberg und der Egg Jahr für Jahr auf freiem (Fussball-)Feld Bälle auf Körbe ohne Brett dahinter geworfen, bis hier und heute, und morgen Sonntag machen sie weiter damit.

Es beginnt in Urtenen im Kanton Bern die 40. Jubiläumssaison. «Bachs ist der einzige Frauenverein, der seit der Gründung der Nationalliga ohne Unterbruch dabei ist», bemerkt Martin Altorfer. Der sichtlich stolze Trainer des aktuellen Teams hat sich in seinen 18 Amtsjahren mit Meistertiteln in Serie (2004–2008) ebenfalls in die Annalen seines Sports eingetragen. In diesem Winter war es für ihn aber an der Zeit, persönlich über die Bücher zu gehen.

Altorfers Auszeit

In der kalten Jahreszeit müssen die Korbballerinnen in der Halle antreten. Das sei immer etwas zäh, sagt Altorfer, der lieber unter freiem Himmel spielt. Diesen Winter hatte der 43-jährige gelernte Elektroinstallateur besonders Mühe. «Korbball ist eine sehr zeitintensive Beschäftigung, ich wollte mehr Zeit für mich, mal was anderes machen.» Er nahm sich eine Auszeit, den Gedanken im Kopf: «Das mache ich nicht mehr.» Wochen später ist der Trainer dann nochmals mit dem Team zusammengesessen und stellte klar, dass er für halbe Sachen nicht mehr zu haben ist. Auf «chume, chume nöd» habe er keine Lust.

Die Frauen waren einverstanden, sich mit der Silbermedaille aus der jüngsten Saison nicht zufriedenzugeben. «Es war ein richtig gutes Gespräch», findet Altorfer, der sich schliesslich dazu entschied, in der bevorstehenden Sommersaison nochmals zwei – vor Meisterschaftsrunden sogar drei – Trainings die Woche zu leiten und an den Spieltagen mit der Mannschaft etwa nach Urtenen, Willisau oder Zihlschlacht zu reisen. Vom Potenzial seiner Equipe ist er überzeugt. Jede einzelne der zehn Spielerinnen im Kader – zu dem die erst 16-jährige Andrea Baltisser aus dem eigenen Nachwuchs genauso gehört wie die routinierte Teamcaptain Olivia Schwarz, die 2014 aus Tegerfelden nach Bachs kam – könne der gegnerischen Defensive gefährlich werden. «Das macht uns als Team heuer sehr unberechenbar», sagt er.

Anderes Land, andere Regeln

Vom achten Titelgewinn in der Vereinsgeschichte und vom ersten seit zehn Jahren will man in Bachs allerdings (noch) nicht offen reden. Martin Altorfer fände es auch vermessen, angesichts der Dominanz, die Schweizer Meister Täuffelen in der abgelaufenen Saison mit nur einer Niederlage im unwichtigen letzten Spiel gezeigt hatte. «In naher Zukunft ist der Meisterschaftssieg dann aber wieder das grosse Ziel», bemerkt er. «Das grösste Ziel» wäre noch treffender. Denn mehr als ein Schweizer-MeisterTitel geht im Korbball nicht.

Ist die nationale Konkurrenz einmal versenkt, finden sich ennet der Grenzen keine neuen Herausforderungen. Zwar wird auch in den umliegenden Ländern Korbball gespielt, doch gibt es keine international einheitlichen Regeln. Alle Versuche einer Angleichung sind bisher gescheitert, zuletzt im Austausch mit Holland. «Der Korb ist dort einen Meter höher angebracht als bei uns, dafür spielen die Holländerinnen auch um den Korb herum, vier gegen vier, wir in der Schweiz aber sechs gegen sechs», nennt Altorfer nur ein paar der Unterschiede.

Bodenständiges ist wichtig

In Deutschland, wo Korbball regeltechnisch stark vom Handball beeinflusst wurde und Hallenkorbball die populärste Variante ist, sieht es wieder anders aus. Martin Altorfer ist es ganz recht so. «Das Schöne am Korbball ist sowieso das Bodenständige, dass man nach den Spielen auch mal mit den Gegnerinnen am selben Tisch sitzen, etwas trinken und diskutieren kann», sagt er. Der Korbball bleibt eben auch für einen mehrfachen Schweizer Meister ein Hobby – und da, wo er ist: im Dorf.

Erstellt: 04.05.2018, 20:08 Uhr

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Exploit wiederholen trotz reduziertem Training

Die Bachser Männer holten in der Rückrunde der NLA-Saison 2017 17 von 18 möglichen Punkten und wurden Dritte. Diesen Platz wollen sie wieder erreichen. Mindestens.
Die Vorzeichen für die Saison 2018, die für Bachs heute im schaffhausischen Neuhausen beginnt, sind nicht eben die besten. «Ich schätze die Mannschaft im Vergleich zum Vorjahr als etwas schwächer ein. Wir mussten das Trainingspensum in der Zwischensaison reduzieren, damit sich Spieler mit chronischen Verletzungen vollständig erholen konnten», berichtet Trainer Michael Moser. Korbballer ziehen sich immer wieder Blessuren an der Patellasehne zu, die Schmerzen im Bereich der Kniescheibe hervorrufen. Chronische Über- oder Fehlbelastungen verursachen Entzündungen am Sehnenansatz, die schwer und langwierig zu therapieren sind.
«Um sämtliche Verletzungen an Knie, Rücken, Finger und so weiter sauber ausheilen zu lassen und um neue Impulse in die Köpfe der Spieler zu senden, haben wir die sogenannte Zwischensaison verlängert. Die gesunden Spieler waren nur einmal wöchentlich im Training und konnten so die Zeit mit der Familie, Freunden und anderen Hobbys geniessen. Die verletzten Spieler sind zum Teil erst Anfang März wieder zum Trainingsbetrieb gestossen», führt Moser weiter aus.
Trumpf ist die Offensive
Trotz der nicht optimalen Trainingsbedingungen herrscht bei den Bachser Männern Zuversicht für die neue Saison. «Wir wollen unter die ersten drei. Wenn wir die Vorrunde gut überstehen, ist vieles möglich», erörtert Michael Moser. Bachs könne schneller und technischer spielen als die meisten Teams in der NLA, weist der Trainer auf die Stärken seines Teams hin. Markus Wyss

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