Dielsdorf

Jan van Berkels Traumwochenstart

Der Dielsdorfer Jan van Berkel feierte gestern Sonntag mit dem Triumph am Ironman Switzerland in Zürich seinen grössten Erfolg als Sportler – und leitete damit eine wegweisende Woche als Nichtsportler ein.

Steil, steiler, Heartbreak Hill – der Anstieg an der Kilchberger Dorfstrasse dürfte der unumstrittene Höhepunkt des Ironman-Rennens sein. Sieger Jan van Berkel aus Dielsdorf wird am Heartbreak Hill jeweils auch von seiner Grossmutter angefeuert.

Steil, steiler, Heartbreak Hill – der Anstieg an der Kilchberger Dorfstrasse dürfte der unumstrittene Höhepunkt des Ironman-Rennens sein. Sieger Jan van Berkel aus Dielsdorf wird am Heartbreak Hill jeweils auch von seiner Grossmutter angefeuert. Bild: Michael Trost

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Die Stimmen waren zahlreich beim Wechsel vom Velo aufs Laufen. Nach den 3,8 km Schwimmen und 180 km Velo des Ironman Switzerland schien die Prognose vor dem Marathonlauf berechtigt: Auch in diesem Jahr wird es Jan van Berkel nicht zum Sieg reichen. Der zweimalige Zweite und zweimalige Dritte des Ironman- Klassikers ging zwar als Dritter auf die Laufstrecke, der Rückstand auf die beiden nah beieinanderliegenden Cameron Wurf (AUS) und David Plese (SLO) betrug aber fast neun Minuten.

Van Berkel aber glaubte an sich und an die Theorie, dass ein Ironman erst bei der Ziellinie endet. Obwohl der 32-Jährige äusserst stark lief, änderte sich vorerst wenig an der Ausgangsposition. Van Berkel blieb ruhig: «Ich richtete meinen Blick auf mich und wusste nicht, was die Konkurrenz tat.» Auftrieb aber verlieh ihm der eigene Kilometerschnitt. Diesen vermochte er auf der zweiten und dritten 10,5-km-Runde von 3:53 auf 3:50 Minuten zu drücken. Und plötzlich begann der Rückstand auf die zwei vor ihm platzierten Athleten sich zu verringern. Vier Kilometer vor dem Ziel «flog» van Berkel dann auch noch am führenden Plese vorbei.

Van Berkels siebter Ironman gestern Sonntag ist zum Erfolgserlebnis geworden. Jenes Erfolgserlebnis, von dem er seit 2012 geträumt hat und bei dem er mehrmals schmerzlich scheiterte – einmal gar zusammenbrach und im Spital landete.

Polterabend am Freitag

Wunschgemäss aber entwickelte sich die Karriere von Jan van Berkel nicht immer. Die Grenzen, die er einst auf der olympischen Distanz anerkennen musste, sind zu nennen, ebenso der fehlende Ironman-Sieg. Als Wendepunkt bezeichnet Jan van Berkel das Jahr 2016. «So kann es nicht weitergehen», sagte er sich damals. Er stellte radikal um, primär die Ernährung (Verzicht auf Kohlenhydrate, Bauen auf Fetten) und die Einstellung. Und im jungen neuseeländischen Coach und Sportphysiologen Dan Plews fand er eine Vertrauensperson, die zu ihm passt. «Seither ist es nur aufwärtsgegangen», sagt van Berkel. Vor allem läuferisch ist die Entwicklung überzeugend: Trotz Hitze und schwierigem Kurs lief er den Marathon gestern in 2:45:18 Stunden – eine Zeit, die höchsten Ansprüchen genügt.

Der Ironman Hawaii im Oktober ist van Berkels nächstes Ziel. Doch bereits in dieser Woche steht eine Prüfung bevor: der Polterabend vor der zivilen Trauung am Freitag mit Sarah Meier. «Ich kann mir vorstellen, dass dieser noch strenger werden wird als dieser Ironman», meinte er scherzend.

Lange aussichtsreich im Rennen gelegen hatte auch Sven Riederer. Praktisch zeitgleich mit van Berkel ging er auf die Laufstrecke. Lange schien zumindest ein Podestrang auch für den Olympiadritten von 2004 über die olympische Distanz möglich. Doch die letzten 20 km erwiesen sich für den Ironman-Neuling – er bestritt sein erstes ernsthaftes Rennen über die Distanz – brutal. «Ich musste arg untendurch und beispielsweise zweimal erbrechen», berichtete er am Ziel. Kreidebleich und torkelnd strahlte er jedoch eine herzhafte Freude aus, als er im Ziel van Berkel umarmte und von dessen Sieg erfuhr.

Riederers Grenzerfahrung

Und nachdem die ersten Defizite behoben waren, sagte er: «Einmal den Ironman in Zürich gewinnen wäre auch für mich cool.» Derselbe Traum also, den auch van Berkel geträumt hat.

Erstellt: 29.07.2018, 23:04 Uhr

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