Kloten

Klotener fischen im Netz nach Geld

Klotens Tischtennisclub geht neuerdings im Internet auf Sponsorensuche. Das sogenannte Crowdfunding stösst auch in Unterländer Spitzenklubs anderer Sportarten auf Interesse.

Klotens Tischtennisclub geht neuerdings im Internet auf Sponsorensuche. Das sogenannte Crowdfunding stösst auch in Unterländer Spitzenklubs anderer Sportarten auf Interesse.

Klotens Tischtennisclub geht neuerdings im Internet auf Sponsorensuche. Das sogenannte Crowdfunding stösst auch in Unterländer Spitzenklubs anderer Sportarten auf Interesse. Bild: Michael Hörnlimann

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«Unser Nachwuchs benötigt einen Profitrainer!» – Mit dieser Aussage wirbt der TTC Kloten auf der Internetplattform «I Believe in You» («Ich glaube an Dich») um Beiträge finanzieller Art. Noch 38 Tage Zeit bleiben den Flughafenstädtern, um ihr Ziel zu erreichen: 5000 Franken. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe hatten sie 3450 Franken auf die neue Art und Weise gesammelt. Damit ist es aber noch lange nicht getan: Fehlen nach Ablauf der 80-tägigen Sammelfrist auch nur 50 Rappen, werden die bisher versprochenen Spenden hinfällig. «Das Alles oder Nichts ist ein wichtiges Prinzip des Crowdfundings», erklärt Michael Hörnlimann, im TTC Kloten für die Homepage und das Marketing verantwortlich, «dass man den Spendern eine Gegenleistung bietet, ein anderes.»

So kann, wer 20 Franken zur Finanzierung des Klotener Tischtennis-Nachwuchstrainers beiträgt, seinen Namen auf dem neuen Klubplakat verewigt sehen, das an jedem Heimspiel des Fanionteams (derzeit in der NLB) aushängt. Für 100 Franken besuchen die Spenderinnen und Spender ein Heimspiel der ersten Mannschaft, inklusive Einführung ins Tischtennis-Regelwerk und Gelegenheit zum Smalltalk mit den Spielern. Und wer 500 Franken spendet, erhält eine 90-minütige Trainingseinheit mit Christian Ohlsson und Denis Bernhard, zwei Spitzenspielern der ersten Mannschaft. «Gerade die beiden haben vom ersten Moment an begeistert mitgemacht», verrät Hörnlimann.

Eine Spende aus der Ferne

Überhaupt scheinen die Klotener Tischtennisspieler die Aktion ihres Vorstands aktiv mitzutragen. Im Videoclip, den Michael Hörnlimann als Projektverantwortlicher gedreht und auf die «I Believe in You»-Homepage gestellt hat, stellen sich die Klotener Nachwuchs-Cracks persönlich vor oder demonstriert etwa NLB-Teamcaptain Denis Bernhard seine Beinarbeit und Vorhand-Topspin-Technik im Hochtempo. «Alle hatten Spass daran», bestätigt Hörnlimann, «und alle machen auch jetzt in der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis Werbung dafür.» Denn ob traditionelles Sponsoring oder virtuelles Sport-Crowdfunding – persönliche Beziehungen sind das A und O. So befinden sich unter den namentlich genannten Spendern auch die Eltern oder Tischtennisspieler aus benachbarten Vereinen. «Es ist aber auch eine Frau aus Frankfurt am Main dabei, die keinen Bezug zu unserem Klub hat – sie muss beim Surfen im Internet auf uns gestossen sein», schätzt Hörnlimann, von Beruf Projektleitungsassistent in einer Webagentur in Glattbrugg.

Auf die Idee, via Crowdfunding Sponsorengelder zu akquirieren, kam der 23-Jährige, als er am Zurich Film Festival im Vorjahr einen Dokumentarfilm darüber sah. «Ich habe gedacht, wir könnten es einfach mal ausprobieren – zu verlieren haben wir nichts.» In der Tat ist lediglich im Erfolgsfall eine neunprozentige Gebühr für «I Believe in You» fällig. Verpassen die Klotener ihr 5000-Franken-Ziel, gehen auch die Betreiber der Plattform leer aus.

Pionierarbeit in Sachen Crowdfunding

Die Aktion des Tischtennisclubs sei aber nicht etwa aus der Not heraus entstanden, stellt Hörnlimann klar, und sie solle die traditionelle Form der Sponsorensuche via persönliche Kontakte mit Firmen aus der Region nicht ersetzen, sondern ergänzen. Auch würden die 5000 Franken alleine nicht reichen, um einen Profitrainer zu finanzieren – «aber sie wären ein guter Beitrag, um einen Trainer anzustellen, der unseren Nachwuchs mit professioneller Ausbildung noch weiter bringen kann».

Unter den Unterländer Nationalliga-Vereinen leistet der TTC Kloten in Sachen Crowdfunding Pionierarbeit. Antti Uimonen, Präsident des UHC Dietlikon, dessen Frauen-Fanionteam seit Jahren in der NLA um den Schweizer Unihockey-Meistertitel spielt, sagt: «Darüber haben wir uns bis heute noch keine Gedanken gemacht, vielleicht wäre es aber eine Idee mehr, um ein konkretes Projekt zu finanzieren.» Zwar sei sein Verein dank langfristiger Verträge auch mit grossen Sponsoren sowie dank der Unterstützung der Gemeinde Dietlikon finanziell gut aufgestellt. «Aber der Betrieb eines Vereins unserer Grösse wird von Jahr zu Jahr teurer, weil es schwieriger wird, Freiwillige zu motivieren», gibt Uimonen zu bedenken, «und Sponsoren zu finden, wird auch nicht einfacher.»

Erfolgsbeispiele im Volleyball

Ganz ähnlich schildert Uimonens Amtskollege Rolf Nussbaumer die Lage in seinem Klub, dem Männer-Unihockey-NLA-Verein Kloten-Bülach Jets. «Bei uns war Crowdfunding noch nie ein Thema, aber das ist eine gute Idee, wir werden uns das mal anschauen.» Um neben den Kloten Flyers, welche die Grosssponsoren in Richtung Schluefweg locken, überhaupt zu bestehen, seien alle anderen Vereine aus der Region auf persönliche Beziehungen angewiesen. «Ohne sie läuft nichts, und das wird mit den Jahren auch nicht einfacher. Mit den bestehenden Sponsoren zeigt sich Nussbaumer indes zufrieden: «Man könnte natürlich immer mehr Mittel brauchen, aber wir haben ein schönes Budget, und halten es ein.»

Etwas weiter sind die Ideen punkto Crowdfunding da schon im VBC Züri Unterland gediehen, der sein Männer-Fanionteam nicht nur, aber auch aus finanziellen Gründen auf die kommende Saison hin aus der Volleyball-NLA zurückzieht. «Wir haben im Vorstand vor kurzem erst darüber geredet», verrät Klubpräsident Vasi Koutsogiannakis, «andere Volleyballvereine hatten zum Teil Erfolg damit. Crowdfunding wäre eine schöne Möglichkeit, mit relativ wenig Aufwand Leute zu mobilisieren und etwas zu erreichen.» Vor allem im Beachvolleyball-Bereich könne er sich vorstellen, auf diese Art und Weise einzelne Projekte oder auch Material zu finanzieren. Gut möglich, dass die Klotener Tischtennisspieler bald nicht mehr als einziger Unterländer Sportverein auf «I Believe in You» präsent sein werden.

Erstellt: 01.04.2015, 14:24 Uhr

Crowdfunding

Crowdfunding, das auf deutsch auch mit «Schwarmfinanzierung» übersetzt wird, ist ein vergleichsweise junger Begriff. Die englischen Wörter «Crowd» (Menschenenge) und «Funding» (Finanzierung) liegen ihm zugrunde. Ihre Anfänge nahm diese Art von Projektfinanzierung im Jahr 2003 in der Musikbranche, als der Musiker und Produzent Brian Camelio die Internet-Plattform «Artist Share» gründete, dank der Musiker Gelder für die Produktion eines Albums von ihren Fans und Unterstützern erhielten. Im Nachgang der Olympischen Sommerspiele von London 2012 gründeten die OIympia-Teilnehmer Mike Kurt (Kanu) und Fabian Kauter (Fechten) mit dem sportbegeisterten Online-Spezialisten Philipp Furrer die Plattform «I Believe in You», um dieses Prinzip auch für Schweizer Sportler anzuwenden. (pew)

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