Zürich

Vollschub kommt später

Die Kloten-Dietlikon Jets verspielen gegen Piranha Chur eine 3:0-Führung und verlieren den Supercup 4:5 nach Verlängerung. Für das neue Coachduo kein Grund, sich in die Haare zu kriegen.

Natálie Martináková und die Kloten-Dietlikon Jets gehen geschlagen vom Feld, während die Churerinnen den Sieg im Supercup feiern.

Natálie Martináková und die Kloten-Dietlikon Jets gehen geschlagen vom Feld, während die Churerinnen den Sieg im Supercup feiern. Bild: Keystone

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«Für mich fühlt es sich an, als wären wir schon fünf Jahre zusammen», erklärt Radomir Malecek in korrektem Hochdeutsch. Was für eine Partnerschaft nach wenigen Wochen keine Auszeichnung wäre, stimmt für das Trainergespann der Kloten-Dietlikon Jets vollkommen. Simone Berner bringt die Formulierung ihres tschechischen Co-Trainers zum Schmunzeln. «Wir sind wirklich meist einer Meinung», bestätigt sie, die auf diese Saison hin die Arbeit auf mehreren Schultern verteilt wissen wollte.

Der Stimmung zwischen dem ehemaligen Coach der Wizards Bern-Burgdorf und der bisherigen Dietliker Cheftrainerin scheint ungetrübt – und das, obwohl ihr Team eben erst am vormeisterschaftlichen Gipfeltreffen in der Zürcher Saalsporthalle Double-Gewinner Piranha Chur denkbar knapp unterlegen ist. Nicole Capatt entschied die Partie in der 4. Minute der Verlängerung zugunsten der Bündnerinnen. Die erste Linie der Piranhas mit Topskorerin Seraina Ulber und Weltklasse-Stürmerin Corin Rüttimann sowie Nati-Captain Flurina Marti in der Verteidigung hatte den Jets ab Spielhälfte so lange zugesetzt, bis die Unterländerinnen ihren komfortablen 3:0-Vorsprung verspielt hatten. Dabei erschien der Beginn vielversprechend.

Drei sehenswerte Treffer

In der 9. Minute war er nämlich schon da, der erste Treffer der letztjährigen Liga-Topskorerin Michelle Wiki, die in der zweiten Formation mit ihren Sturmpartnerinnen Julia Suter und Ellenor Bengtsson gut harmonierte. Ausgangspunkt des 1:0 war ein perfekt getimter Pass von Elsa Frisk aus der Verteidigung heraus. Die neue schwedische Söldnerin erwischte in dieser Partie mehrmals den richtigen Augenblick. Andrea Gämperli schloss noch vor der ersten Pause einen schnellen Gegenstoss über die linke Seite zum 2:0 ab und Deborah Frei, das Talent aus dem vereinseigenen Förderkader, erhöhte in der 27. Minute auf 3:0. Die erst 19-Jährige wurde perfekt bedient von der technisch versierten, nur wenig älteren Tschechin Natálie Martináková.

Nun aber reagierte Chur, zuerst traf Marti backhand zum 1:3 (29.), kurz vor Ende des zweiten Drittels fiel der Anschlusstreffer zum 2:3 (38.). «Diese zwei Gegentore haben uns etwas den Schwung genommen», gesteht Co-Trainerin Berner im Nachhinein. Die Jets konnten zwar nach dem Ausgleich durch Ulber (41.) zackig reagieren – Wiki traf nur 17 Sekunden später unhaltbar ins hohe Eck –, doch die Piranhas traten nun druckvoll auf und Rüttimann liess beim 4:4 in der 49. Minute ihre Klasse spielen.

Acht Neue aus drei Ländern

Noch hat im Spiel der Jets nicht alles gepasst. «Wir hätten mehr aus unseren hochkarätigen Chancen machen sollen», bemängelt etwa Radomir Malecek. In der Tat stand alleine Doppeltorschützin Michelle Wiki im letzten Drittel zwei weitere Male aussichtsreich vor ihrer ehemaligen Teamkollegin Jill Münger, die diese Saison die nach Schweden abgewanderte Lara Heini im Churer Tor ersetzt. Acht neue Spielerinnen aus drei Ländern mussten die Jets heuer in ihr Team integrieren, dieser Prozess sei selbstverständlich noch nicht abgeschlossen, erklärt das Trainerduo gelassen. Denn auch wenn die Meisterschaft am kommenden Wochenende startet, bleibt ihnen Zeit. Das Leistungsgefälle innerhalb der Liga ist so gross und die Spitze so dünn, dass sich die besten Teams nicht um die Playoff-Qualifikation sorgen müssen. Darum können es sich die Dietliker Coaches auch erlauben ein paar Ernstkämpfe ab­zuwarten, um wichtige Inhalte ihrer Zusammenarbeit zu klären.

Da ist beispielsweise die Frage nach dem Lead im Coaching: «Wir werden uns anschauen, ob es besser ist, wenn einer die Führung übernimmt, oder ob wir es einfach gemeinsam machen», sagt Berner dazu. Klar ist, das Malecek, der als Chefcoach aufgeführt wird, in strittigen Punkten den Stichentscheid hat. Nötig sei das bis anhin nie geworden, sagt der 36-Jährige, der für seine direkte Art bekannt ist, und lacht: «Noch hat hier aber auch niemand erlebt, wie wütend ich werden kann, wenn etwas nicht funktioniert.» Simone Berner, die ihm aufmerksam zugehört hat, beschwichtigt: «Damit wird das Team schon lernen umzugehen.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 09.09.2018, 23:22 Uhr

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