Kloten

Wie die neuen Jets abheben wollen

Nach der Vereinsfusion verfügen die Kloten- Dietlikon Jets über zwei NLA-Teams und eine dreiköpfige sportliche Leitung. Diese erzählt, wer den internen Konkurrenzkampf befeuert, erklärt, warum der finnische Exodus nötig war, und verrät, was die Männer von den Frauen noch lernen können.

Treffpunkt Flughafen: Hier planen die Sportchefs der neu gegründeten Kloten-Dietlikon Jets Samuel Kuhn, Sascha Brendler und Antti Uimonen (von links) die beabsichtigten Höhenflüge der Fanionteams.

Treffpunkt Flughafen: Hier planen die Sportchefs der neu gegründeten Kloten-Dietlikon Jets Samuel Kuhn, Sascha Brendler und Antti Uimonen (von links) die beabsichtigten Höhenflüge der Fanionteams. Bild: Sibylle Meier

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie haben darauf bestanden, zu dritt zu diesem Interviewtermin zu erscheinen, um über die Transfers der letzten Wochen und die sportlichen Aussichten der NLA-Teams der Frauen und Männer zu sprechen. Ein Zeichen dafür, dass sich die sportliche Leitung noch finden muss?

Sascha Brendler: Natürlich, wir stecken mitten im Findungsprozess. Aber hauptsächlich geht es uns darum, dass nach aussen sichtbar wird, welche Leute für was zuständig sind.

Wie ist die Zusammenarbeit der Sportchefs denn geregelt?

Brendler: Für die Männer ist Samuel Kuhn gemeinsam mit dem bisherigen Sportchef der Jets, Roman Reichen, zuständig. Den Frauenbereich organisiert Antti Uimonen gemeinsam mit mir. Ich selbst habe ausserdem die Leitung der Abteilung Leistungssport. Das bedeutet aber nicht, dass ich das letzte Wort habe. Wir stimmen ab und der Mehrheitsentscheid kommt zum Tragen.

Hat sich der neu gegründete Verein auf dem Transfermarkt als attraktives Argument ­erwiesen?

Brendler: Ja, ich habe durchwegs positive Rückmeldungen erhalten. Im Verein herrscht Aufbruchstimmung, das ist kaum jemandem in der Unihockeyszene verborgen geblieben. Hauptsächlich im Männerbereich, wo das Jets-Team noch mehr Luft nach oben hat, war die Vereinsfusion in den Verhandlungen ein guter Fakt. Bei den Frauen hat die Fusion anscheinend auch das bestehende Kader überzeugt. Etwas überspitzt formuliert: Beim ­Vizemeister sind die Verlängerungen namhafter als die ­Neuverpflichtungen.

Antti Uimonen: Mit dieser Aussage bin ich nicht ganz einverstanden. Die sechs Neuzugänge sind sicher ebenso wertvoll. Je länger die Saison dauert, desto wichtiger wird die Breite des Kaders, sie war in der abgelaufenen Saison unser Manko. Mit einer Michelle Wiki, die Tore schiesst, ist noch keine Meisterschaft gewonnen. Ligatopskorerin Wiki wusste nach dem verlorenen Superfinal noch nicht, ob sie weitermacht in Dietlikon. Jetzt hat sie sich entschieden, eine weitere ­Saison anzuhängen.

Was hat sie schliesslich überzeugt?

Uimonen: Fakt ist, Michelle Wiki hat mit uns noch einen laufenden Vertrag bis im Frühjahr 2019. Die Frage war nicht, ob sie wechselt, sondern ob sie überhaupt weiterspielen will.

Brendler: Ich denke, die neue Teamzusammenstellung hat ihr bei diesem Entscheid geholfen. Der Stamm des letztjährigen Kaders, dazu gehören junge Schlüsselspielerinnen wie Andrea Gämperli oder Isabelle Gehrig, bleibt uns erhalten. Und wir haben uns zusätzlich verstärkt. Heuer kann ich mit Überzeugung sagen: Mit diesem Kader lässt sich gut mit drei Linien spielen. Das war letzte Saison nicht der Fall.

Nach einer Spielzeit ohne Ausländerin wurden nun gleich vier verpflichtet. Es scheint nach wie vor schwierig zu sein, Schweizer Verstärkungsspielerinnen ­anzuwerben . . .

Brendler: Also Ellenor Bengtsson ist für mich keine klassische Ausländerin, sie hat bereits zwei Saisons in Winterthur gespielt. Sie ist 2016 als schwedische U-19-Nationalspielerin in die Schweiz gekommen, ich kann mich erinnern, wie gut sie war. Ich bin sicher, sie hat ihr Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Uimonen: Es ist aber effektiv so: Es gibt leider wenige Kandidatinnen für unsere erste oder zweite Linie mit Schweizer Pass.

Brendler: Die meisten von ihnen spielen in Chur und kommen nicht. (lacht)

Was ist von den Neuen zu erwarten?

Brendler: Dass sie in den ersten zwei Linien etwas reissen.

Uimonen: Die Slowakin Katarína Klapitová, ein Wunschtransfer des neuen Co-Trainers Radomir Male?ek, sowie die Nationalverteidigerin Tanja Bühler, die von den Red Ants kommt, sollen in der Verteidigung die zurückgetretenen Routiniers Janine Wüthrich und Andrea Streiff ersetzen. Vorne verstärkt uns Natálie Martináková als gelernter Center. Die Schwedin Elsa Frisk ist ebenfalls technisch gut ausgebildet, ein polyvalenter Flügel. Ich bin überzeugt, dass diese Zuzüge den Konkurrenzkampf im Team befeuern.

Bei den Männern sind weniger Transfers zu vermelden, dafür sticht einer heraus: Leitwolf Yannick Jaunin kehrt nach einem Jahr in Finnland zurück. Samuel Kuhn, jetzt kann nichts mehr schiefgehen.

Samuel Kuhn: Das würde ich so nicht zu sagen wagen. (lacht) Aber klar, Yannick ist bei den Jets die Identifikationsfigur schlechthin und unheimlich wichtig für dieses Team. Dass er zurückkommt, ist ein Glücksfall.

Was auffällt, ist der finnische Exodus. Juuso Alin, Mikko Immonen und Mikka Sokka gehen zurück in ihr Heimatland. Ausserdem verabschiedete sich Janis Rajeckis nach Lettland. Es scheint, die Jets hatten vergangene Saison punkto Ausländer kein gutes Händchen.

Kuhn: Mit ihrer Performance waren wir wirklich nicht zufrieden. Dass diese Spieler Qualität haben, ist unbestritten, sonst hätten sie in der finnischen Liga nicht eine zentrale Rolle gespielt. Wie praktisch das ganze Team erreichten aber auch sie vergangene Saison ihr Leistungsniveau zu selten.

Brendler: Ich sage es geradeheraus: Wenn ein NLA-Klub mit fünf Ausländern Letzter wird, hat er falsch investiert.

Der einzige Söldner, der bleibt, ist Markus Kulmala. Warum er?

Kuhn: Er hat das grösste Potenzial. Wegen einer komplizierten Fussverletzung hat er einen grossen Teil der vergangenen Saison verpasst, in den Playouts dann aber angedeutet, was in ihm steckt. Hinzu kommt, dass er sich mit dem Verein identifiziert. Er war an jeder Fusionssitzung dabei. Das sind die Leute, die wir bei den Jets wollen.

Dazu gehört anscheinend auch Johannes Jokinen. Mit ihm kehrt der Topskorer der Saison 2016/17 ins Team zurück.

Kuhn: Jokinen ist eine echte Verstärkung. Er ist unberechenbar und hat flinke Hände. Vor zwei Jahren erzielte er für uns in 26 Spielen 51 Skorerpunkte.

Brendler: Ich kenne Jokinen noch nicht persönlich. Aber etwas an ihm hat mich jetzt schon überzeugt: Die Verhandlungen dauerten gerade mal eine Woche, dann hat er unterschrieben. Bei diesem Spieler merkt man, dass er unbedingt kommen will. Wir mussten nicht erst die Wohnung gelb streichen und rosarote Autopneus kaufen, um ihn zu überzeugen.

Weiter kommen von Ligakonkurrent GC mit Alain Kaiser, ­Alexander Hess und Michel Wüst gleich drei neue Spieler. Sind diese Verpflichtungen Ausdruck eines neuen Programms der Jets, wieder vermehrt auf Schweizer Spieler zu setzen?

Brendler: Ja. Wir wollen bei den Jets wieder Einheimische, die sich mit dem Verein voll identifizieren, in Schlüsselpositionen sehen. Das gilt übrigens auch für die Frauen, nur ist es da wie erwähnt ungleich schwieriger.

Was finden denn GC-Stammspieler wie Kaiser und Hess im Unterland?

Kuhn: Verantwortung. Bei GC wurden sie viel herumgeschoben, wenn es um die Wurst ging, waren sie zweite Wahl. Bei den Jets können sie eine zentrale Rolle spielen. Sie sollen unsere Verteidigung stabilisieren.

Die Frauen haben im Vorfeld der Fusion Bedenken angemeldet, dass sie im Vergleich mit den Männern zu kurz kommen könnten. Wie ist das nun beispielsweise mit den ausländischen Verpflichtungen: Haben alle dieselben Arrangements?

Brendler: Ich würde sogar sagen, dass die Frauen von der Fusion profitieren. Katarína Klapitová und Natálie Martináková dürfen jetzt jene Wohnung gleich neben der Ruebisbachhalle beziehen, die in der vergangenen Saison noch die Söldner der Kloten-Bülach Jets bewohnt haben.

Und wo kommt Jokinen unter?

Kuhn: Bei den Frauen in der WG. (lacht) Das ist kein Scherz.

Von der Verteilung der Zimmer zu jener des Geldes. Wie sieht es diesbezüglich aus?

Brendler: Wie hoch die Investitionen insgesamt sind, möchte ich nicht verraten. Wichtig ist mir aber zu betonen: Wir haben im ­Bereich Leistungssport keine getrennten Budgets für Männer und Frauen. Wir investieren unser Geld so, dass beide Mannschaften ihr Ziel erreichen. Das ist mein Verständnis einer gerechten Verteilung.

In der Führungsriege wird offensichtlich schon eng zusammengearbeitet. Wie sieht es an der Basis aus? Findet zwischen den Teams des neuen Grossvereins bereits ein Austausch statt?

Kuhn: Was ich aus Sicht der Jets-Männer sagen kann: Im NLA-Staff haben wir grosses Steigerungspotenzial, insbesondere was die athletische Betreuung betrifft. Da ist bei den Frauen viel mehr Know-how vorhanden. Von diesem Wissen wollen wir profitieren. Wir kommen nicht darum herum, den Staff zu professionalisieren, wenn wir mit den Männern vorwärtskommen wollen.

Uimonen: Grundsätzlich erkenne ich die klare Absicht aller, zu einen Verein zusammenzuwachsen. Das gegenseitige Interesse ist seit der Fusion deutlich gestiegen. Am besten zu sehen ist das derzeit in den sozialen Medien. Instagram-Posts werden inzwischen vereinsübergreifend gelikt.

NLA-TRANSFERS. Jets-Männer. Zuzüge: Yannick Jaunin (TPS Turku, Fin), Johannes Jokinen (Kalmarsund, Swe), Alain Kaiser und Alexander Hess (beide GC), Michel Wüst (von GC U-21 A). – Abgänge: Daniel Dürst und Thomas Schlatter (beide Rücktritt), Tobias Heller (GC), Juuso Alin (TPS Turku, Fin), Mikko Immonen (Koovee, Fin), Mikka Sokka (zurück nach Finnland), Janis Rajeckis (zurück nach Lettland), Thomas Schlatter (Rücktritt).

Jets-Frauen. Zuzüge: Radomir Male?ek (Wizards, Trainer), Nina Metzger (Wasa), Natalie Schürpf (Wasa), Elsa Frisk (Dalen/Swe), Tanja Bühler und Ellenor Bengtsson (beide Red Ants), Katarína Klapitová und Natálie Martináková (beide Vitkovice/Cze), Rahel Rieder, Deborah Frei (beide Nachwuchs). – Abgänge: Jill Münger (Piranha Chur), Tanja Stella, Andrea Streiff und Janine Wüthrich (alle Rücktritt), Lucie Srotova (Zug).

Erstellt: 30.05.2018, 20:28 Uhr

Infobox

Sportliche Führung

Der neu gegründete Verein der Kloten-Dietlikon Jets mit einem Frauen- (ehemals UHC Dietlikon) sowie einem Männerteam (Kloten-Bülach Jets) in der höchste Schweizer Liga hat ein Vierergremium mit der sportlichen Leitung betraut. Die Fäden im Bereich Leistungssport laufen bei Sascha Brendler, zuvor Sportchef des UHC Dietlikon, zusammen. Sportchef Frauen ist der langjährige UHCD-Vizepräsident Antti Uimonen, für die Männer sind Samuel Kuhn (Ex-Medienverantwortlicher der Jets) und der bisherige Sportchef der Kloten-Bülach Jets, Roman Reichen, verantwortlich.mak

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben