Dielsdorf

Zwischenhalt auf Wolke sieben

Der Dielsdorfer Jan van Berkel erzählt, wie er sich nach seinem grossen Triumph am Ironman Switzerland und seiner Hochzeit mit der ehemaligen Eiskunstläuferin Sarah Meier für das Saisonfinale auf Hawaii motiviert.

«Ich trainiere einfach gern im Unterland, es tut mir gut», berichtet Ironman-Switzerland-Sieger Jan van Berkel. In fünfzehn Tagen startet der Dielsdorfer beim Saisonfinale auf Hawaii.

«Ich trainiere einfach gern im Unterland, es tut mir gut», berichtet Ironman-Switzerland-Sieger Jan van Berkel. In fünfzehn Tagen startet der Dielsdorfer beim Saisonfinale auf Hawaii. Bild: Paco Carrascosa

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Jan van Berkel, am 29. Juli haben Sie in Zürich den Ironman Switzerland gewonnen, zwei Tage später hat der «Blick» Sie fett mit dem Satz zitiert: «Ich esse 1000 Eier pro Jahr». Worauf wurden Sie daraufhin häufiger angesprochen?


Jan van Berkel: Auf den Sieg, obwohl die Eier natürlich auch ein Thema waren (lacht). Viele wollten von mir wissen, warum es beim siebten Anlauf plötzlich so perfekt geklappt hat. Und da kommen auch schon die Eier ins Spiel. Seit meiner Ernährungsumstellung – ich esse nun seit fast zwei Jahren sehr protein- und fettreich, aber kaum mehr Kohlenhydrate – läuft es mir viel besser. Wir Sportler beschäftigen uns intensiv mit unserem Körper, probieren auch mal etwas Neues aus. Ich bin also so etwas wie ein Versuchskaninchen, natürlich ohne dass es gefährlich wird. Das interessiert die Leute.

Wie haben Sie die Zeit nach dem Sieg erlebt?


Es waren sehr intensive Tage. Am Freitag nach dem Rennen folgte ja bereits der nächste emotionale Höhepunkt. Sarah und ich haben in Regensberg unsere zivile Hochzeit gefeiert. Was den Sport betrifft: Ich habe es in Zürich vor meinem Sieg bereits viermal aufs Podest geschafft, aber erst als ich zuoberst war, habe ich begriffen, wie unvergleichlich dieser erste Platz tatsächlich ist. Ich bin jetzt der Ironman-Zürich-Sieger, spüre eine gewisse Verantwortung, der Schweizer Triathlonszene ein Gesicht zu geben und für den Nachwuchs sowie die Altersklasseathleten Vorbild zu sein. Noch aber bin ich nur Zürich-Sieger, kein Champion. Champion wirst du genannt, das ist mehr als ein Sieger.

Dieser grosse Sieg im siebten Anlauf, die Hochzeit: Wie halten Sie so viel Glück aus?


Mir war in den Tagen zwischen Sieg und Hochzeit klar: Das ist jetzt Wolke sieben. Und: Irgendwann folgt auch mal wieder Wolke eins. Dieses Bewusstsein hat mir geholfen, den Moment intensiv zu leben und als Privileg zu begreifen. Ein solcher Zustand puren Glücks ist selten und schwierig zu erreichen. Er lässt sich nicht einfrieren und genau so wiederholen sowieso nicht. Was die Hochzeit betrifft, hoffe ich auch, dass sie einmalig bleibt. Beim Sieg sieht es etwas anders aus (lacht).

Also keine Verlustängste?


Nein. Verlustangst bedeutet doch auch, dass man denkt, es könne nicht mehr besser oder anders ebenso gut werden. Und dieser Gedanke gefällt mir nicht.

Mit dem Sieg in Zürich haben Sie Ihr grösstes Karriereziel erreicht. Mit Blick in die Zukunft: Kann ein erfüllter Ironman noch ein guter Ironman sein?


Sie meinen wohl im Sinne des Sprichworts «Nur es hungrigs Rössli springt schnell»? Klar, ein Ironman muss mit Träumen im Herzen laufen, sonst funktioniert es nicht. Unser Sport gibt finanziell und ruhmmässig zu wenig her, dass man auf den inneren Antrieb verzichten könnte. Ich sage es mal so: Ein zufriedener Ironman kann schnell laufen, einer, der keine Ziele mehr hat, nicht. Und da mache ich mir keine Sorgen. Den Ehrgeiz, nächste Saison den ersten Platz in Zürich zu verteidigen, den habe ich.

Wie motiviert sind Sie denn für das Saisonfinale auf Hawaii?


Mit dieser Insel habe ich noch eine Rechnung offen. Ich hatte auf Hawaii noch nie ein richtig gutes Rennen. Das möchte ich in zwei Wochen ändern und meine Fortschritte auch international unter Beweis stellen.

Anders als in den vergangenen Jahren, als Sie bereits im September auf Hawaii trainiert haben, fliegen Sie heuer erst knapp zwei Wochen vor dem Rennen auf die Insel. Warum?


Die vergangenen Jahre haben mich gelehrt, meinem Kopf Sorge zu tragen. Hawaii folgt im Rennkalender etwas ungünstig nah auf Zürich, wo ich emotional immer viel Energie liegen lasse. Ich brauche die Zeit zu Hause, um mich vom Heimrennen mental zu erholen. Ich trainiere einfach gern im Unterland, es tut mir gut. Darum habe ich heuer den Schwerpunkt auf einen frischen Kopf gesetzt und die physischen Aspekte etwas weniger gewichtet.

Mit welchem Ziel werden Sie am 13. Oktober in Kailua-Kona an den Start gehen?


Top 15, das ist eine Zahl, die mir sagt: Jetzt hast du es geschafft. Ich bin in diesem Jahr erstmals in Zürich die Nummer 1 geworden, habe in Texas eine neue Schweizer Bestzeit über die Ironman-Distanz aufgestellt, das sind richtige Hausnummern. Jetzt kommt noch Hawaii.

Ihre Partnerin Sarah wird zum ersten Mal als Ihre Ehefrau mitreisen. Ändert das etwas?


Eigentlich nicht. Sie war auch schon die letzten Male gut in mein Team vor Ort integriert. Neu ist einzig, dass sie als meine Frau nun auch Zutritt zum Medical Center hätte, würde ich dort eingeliefert. So weit will ich es aber nicht kommen lassen.

Schliesslich wartet ja noch die Hochzeitsreise . . .


Unbedingt. Wir werden nach dem Wettkampf nach Kanada weiterreisen. Wir machen einen Roadtrip, zu zweit in einem Auto. Und wir werden sicher in Vancouver vorbeifahren, wo Sarah 2010 an den Olympischen Spielen gestartet ist. Es wird für sie ein spezielles Wiedersehen ­werden.

Erstellt: 27.09.2018, 20:21 Uhr

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