Zum Hauptinhalt springen

Ära Heinz Bolliger ist zu Ende

Heinz Bolliger hat in seinen 75 Lebensjahren so viel gearbeitet wie nur wenige. Nun tritt er an der Delegiertenversammlung des Zürcher Schiesssportverbandes heute Samstag in Winterthur von seinen wichtigen Ämtern offiziell zurück.

Wichtigster Schütze im Kanton Zürich war Heinz Bolliger von 2006 bis 2018 als Abteilungsleiter Match Leistungssport (AMLS) des Zürcher Schiesssportverbandes (ZHSV). Zwischen 1978 und 2000 amtete er an fünf Olympischen Spielen als Trainer der Schweizer Gewehrschiesssportler.
Wichtigster Schütze im Kanton Zürich war Heinz Bolliger von 2006 bis 2018 als Abteilungsleiter Match Leistungssport (AMLS) des Zürcher Schiesssportverbandes (ZHSV). Zwischen 1978 und 2000 amtete er an fünf Olympischen Spielen als Trainer der Schweizer Gewehrschiesssportler.
Francisco Carrascosa

«Ich merke mein Alter schon ein wenig, das ist ein Zeichen, dass ich kürzertreten muss», sagt Heinz Bolliger. Kein Wunder. Der gelernte Fachleiter Layout Ingenieur Lokomotiven hat in den vergangenen 60 Jahren im Schnellzugtempo gearbeitet und vielen Hobbys gefrönt. Als Schüler hat er die Sportarten Fussball, Eishockey und Sportschiessen betrieben und als Ausgleich Querflöte und Piccolo gespielt.

Der Volketswiler war nicht nur dabei – sondern was er tat, verrichtete er mit Leidenschaft. Bereits als 15-Jähriger wurde er am Luzerner Knabenschiessen mit dem Kleinkaliber-Karabiner auf 50 m Schützenkönig. Der Zürcher Oberländer kam zufällig zum Schiesssport. Er verbrachte seine Sommerferien bei seiner Gotte und durfte deshalb teilnehmen. Ein Jahr später, 1958, wurde Bolliger am Knabenschiessen Uster mit dem Karabiner 31 auf 300 m ein zweites Mal Schützenkönig. Das motivierte den damals 16-Jährigen, sich im Sommer im sportlichen Schiessen weiterzuentwickeln.

Allrounder trifft ins Schwarze

Heinz Bolliger hatte im Winter eine zweite Leidenschaft und spielte von 1957 bis 1972 Eishockey. «Von Frühling bis Spätherbst habe ich in meiner Freizeit intensiv Sportschiessen im Dreistellungsmatch, liegend, kniend und stehend, trainiert und im Spätherbst und Winter Eishockey gespielt», blickt der Allrounder zurück. Trotz dieses intensiven Sportprogramms hat er auch seine berufliche Ausbildung nicht vernachlässigt. Er schloss eine vierjährige Maschinenzeichnerlehre ab und besuchte anschliessend drei Jahre lang die Elektrotechnikerschule.

Das Sportschiessen betrieb Bolliger von 1960 bis 1972 im Schweizer Nationalkader intensiv. «Ich habe in allen Disziplinen Gewehr 10, 50 und 300 m an den Schweizer Meisterschaften Medaillen gewonnen», berichtet er. Die Stehendstellung war seine stärkste Position. 1969 gewann er an der ersten CISM-WM im spanischen Granada mit der Mannschaft die Bronzemedaille. Im Schiesssport faszinierte ihn hauptsächlich der mentale Aspekt. «Gedanklich, mental legt man im Schiesssport einen Marathon zurück», klärt der Fachmann auf.

1978 bis 2000 Nationaltrainer

Bolliger traf nicht nur oft in die Mitte, sondern arbeitete auch präzise. Bereits 1960 schrieb er für die Sportschützen Hegnau als 18-Jähriger das erste Protokoll und wurde zugleich Aktuar und Vizepräsident dieses Dorfvereins. 1968 heiratete er und wurde stolzer Vater zweier Töchter. Nach der Familie und dem Sport lag ihm auch die Musik am Herzen. 25 Jahre lang spielte er bei der Musikgesellschaft Schwerzenbach. Weil aber auch Bolligers Tage nur 24 Stunden haben, musste er Kompromisse eingehen. Er reduzierte sein eigenes Schiesstraining und half dafür umso mehr mit seinem Organisationstalent als Trainer und Funktionär mit. Er tat dies so gut, dass er 1978 zum Schweizer Nationaltrainer berufen wurde. Bis 2000 bekleidete er dieses Amt. Er amtete an fünf Olympischen Spielen als Trainer der Schweizer Gewehrschiesssportler.

Lange Abteilungsleiter ZHSV

Bolligers perfekte und erfolgreiche Arbeit wurde geschätzt. Die Verbände bewarben sich um den Volketswiler, der neben seinen ehrenamtlichen Funktionen im Schiesssport stets voll in seinem erlernten Beruf arbeitete. Nach zahlreichen arbeitsintensiven Ämtern wurde er an der Delegiertenversammlung des Zürcher Schiesssportverbandes 2006 als Abteilungsleiter Match/Leistungssport (AMLS) gewählt.

Diese Funktion führte ihn immer wieder neben vielen anderen Orten nach Bülach, wo er Kurse im sportlichen Schiessen unter dem Slogan «Besser treffen» gehalten hat. Das Amt des Abteilungsleiters Match/Leistungssport und weitere andere (Ressortleiter Stützpunkt, stellvertretender Abteilungsleiter Ausbildung, Ressortleiter Kaderausbildung) Funktionen gibt der im 76. Altersjahr Stehende nun heute Samstag an der Delegiertenversammlung des Zürcher Schiesssportverbandes in Winterthur ab. In der Schiessszene löst dies Bedauern aus. Der Embracher Meisterschütze Christof Carigiet sagt dazu: «Heinz hat gegen 50 Stunden in der Woche dem Schiesssport gewidmet und dank seinem Netzwerk sensationell gearbeitet.»

In der Zürcher Schiessszene ist man sich bewusst, dass Bolligers Ämter in Zukunft wohl auf mehrere Schultern verteilt werden müssen. Wie hat Bolliger sein umfangreiches Pflichtenheft überhaupt erfüllen können? «Sport ist die beste Lebensschulung, weil man Ziele setzen lernt. Wer sein Ziel nicht kennt, der muss sich nicht wundern, wenn er an einem ganz anderen Ort ankommt», lautet die Antwort des Spitzenfunktionärs. Ganz den Rücken kehren will Bolliger seinem geliebten Schiesssport aber nicht. Er ist bereit, bei Ämtern wie dem Tag der Jugend, dem Tag der Matchschützen, beim Projekt Albisgüetli oder als Berichterstatter des ZHSV mitzuhelfen. In der Summe wird ihm auch mehr Zeit bleiben, um mit seinen beiden Enkeln Sportanlässe zu besuchen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch