Bülach

«Alles hat ein gutes Ende gefunden»

Der Bülacher Eddy Yusof zeigt am Mehrkampffinal sein Können und schliesst als bester Schweizer auf dem 12. Platz ab.

Beim Weglaufen von den Ringen, seinem letzten Gerät, ballte der 21-jährige Bülacher Eddy Yusof die Faust. Kurz danach sagte er: «Ich wusste, was möglich ist und was ich turnen kann. Dass es mir jetzt und vor so einer Kulisse  gelungen ist, macht mich sehr froh und sehr stolz.»

Beim Weglaufen von den Ringen, seinem letzten Gerät, ballte der 21-jährige Bülacher Eddy Yusof die Faust. Kurz danach sagte er: «Ich wusste, was möglich ist und was ich turnen kann. Dass es mir jetzt und vor so einer Kulisse gelungen ist, macht mich sehr froh und sehr stolz.» Bild: Keystone

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Einen Tag nach Martina van Berkel landete ein weiterer Olympionike aus dem Unterland auf Platz 12. Ebenso wie die Schwimmerin lieferte Kunstturner Eddy Yusof im richtigen Moment eine einwandfreie Vorstellung ab. «Ich bin sehr zufrieden», durfte er nach dem Einsatz in der Rio Olympic Arena zusammenfassen.

Im 23. Rang nach der bereinigten Rangliste des auch für ihn missglückten Teamwettkampfs vom Samstag war er gerade noch in den Mehrkampffinal der ­besten 24 Turner gerutscht. Der 9. Platz der Schweizer in jener Qualifikation und damit das ­Verpassen des grossen Ziels, des Teamfinals, musste zuerst verdaut werden. «Die Enttäuschung war auch am Sonntag noch sehr präsent», blickte Yusof zurück. Aber dann habe er sich aufgerafft: «Ich wollte im Mehrkampffinal unbedingt nochmals Vollgas geben.»

Lange Zeit auf Bildschirmen

Das tat er auch. Der Einstieg glückte ihm und seinem Teamkollegen Pablo Brägger perfekt. Yusof kam am Barren und am Reck, im Gegensatz zur Qualifikation, ohne Patzer durch. Nach drei von sechs Geräten lagen die Schweizer sogar in den Top Ten: der Bülacher auf Platz 7 und Brägger auf 9. Yusofs Rückstand auf den späteren Olympiasieger Kohei Uchimura betrug in der Hälfte des Programms nur 0,8 Punkte. Zum Reck war Yusof von der Stadionsprecherin angekündigt worden. Nach der Übung flimmerte er lange über die Bildschirme in der Arena, worauf er von Kollege Brägger animiert wurde, zu winken.

«Sehr froh und sehr stolz»

Insgesamt schienen die beiden Schweizer die richtige Mischung zwischen Lockerheit und Konzentration gefunden zu haben. Das bestätigte sich am Pauschenpferd, ihrer «Wackeldisziplin». Als Yusof diese Übung beendet hatte, sprang sein Team auf und applaudierte. Beim Weglaufen von den Ringen, seinem letzten Gerät, ballte er die Faust. Der Job war vollbracht, sehr gut sogar. «Ich wusste, was möglich ist und was ich turnen kann», erklärte Yusof. «Dass es mir jetzt und vor so einer Kulisse gelungen ist, macht mich sehr froh und sehr stolz.»

Letztlich klassierte er sich vier Plätze vor Brägger, der ebenfalls eine nahezu fehlerfreie Darbietung bot. «Wir sind etwa auf gleichem Niveau. Details machen jeweils die Differenz aus», verglich Yusof. Seine eigene Leistung stufte der 21-Jährige als «gut bis sehr gut» ein. «Im Training gelingt manchmal noch mehr. Aber für einen Riesenanlass wie diesen und mit der dazugehörenden Nervosität war das schon gut.» Lange sei er vor dem Olympiafinal ruhig gewesen. «Aber als wir in die Arena einliefen, war das Herzklopfen spürbar.»

Am Maximum geturnt

Die Plätze 12 und 16 sind das beste Schweizer Ergebnis an einem Olympiamehrkampf seit Sepp Zellweger und Markus Lehmann, die 1984 in Los Angeles Elfter und Zwölfter geworden waren. Damals allerdings hatten die Athleten aus dem Ostblock wegen des Boykotts gefehlt.

«Das entspricht dem, was sie können, was sie in den letzten zwei Jahren an Grossanlässen, als es um etwas ging, gezeigt haben», analysierte Felix Stingelin, der Chef Spitzensport im STV, die Auftritte von Yusof und Pablo Brägger aus dem st.-gallischen Oberbüren. «Sie haben am Maximum geturnt. Man müsste Kleinigkeiten suchen, um etwas zu kritisieren.» Er freute sich, dass eine klare Reaktion und Steigerung auf die missglückte Teamqualifikation erfolgte. «Wir suchen eigentlich immer noch nach Gründen, weshalb es am Samstag nicht geklappt hat.»

Endlich Ferien

Eddy Yusof wird nun jenen Dämpfer mit dem 9. Teamrang sowie einen starken 12. Platz im Mehrkampffinal in seine Bilanz einbeziehen können. «Wenn ich auf diese Olympischen Spiele zurückschaue, kann ich sagen, dass alles ein gutes Ende für mich gefunden hat», betont der Bülacher. Sein weiterer Plan sah nach diesem Höhepunkt der Karriere ungefähr so aus: «Wahrscheinlich werde ich mal ein brasilianisches Bier versuchen, im olympischen Dorf Fussball spielen und am Freitag zum Basketballspiel Brasilien gegen Kroatien gehen.» Am Samstagmittag wird Yusof wohl in der Schweiz zurück sein.

Und der nächste Wettkampf? «Uff, der ist weit weg. Meine Schulter und mein Ellbogen sind sicher auch froh, dass sie mal Ferien haben.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.08.2016, 21:49 Uhr

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