Hochfelden

«Am Schluss muss man sich immer die Hand geben können»

Nach zehn Jahren ist Schluss. Kranzschwinger Stefan Bickel aus Hochfelden wird am Pfingstmontag auf dem Brueder ein letztes Mal versuchen, seine Gegner aufs Kreuz zu legen.

«Auf der Rigi hat es mir auch gefallen.» 2015 traf Stefan Bickel (rechts) am Schwing- und Älplerfest auf der «Königin der Berge» im vierten Gang  auf Marcel Bieri.

«Auf der Rigi hat es mir auch gefallen.» 2015 traf Stefan Bickel (rechts) am Schwing- und Älplerfest auf der «Königin der Berge» im vierten Gang auf Marcel Bieri. Bild: Albert Rene Kolb

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Stefan Bickel, als zuständiger Bauchef leiten Sie derzeit die Aufbauarbeiten für den Brueder-Schwinget. Hatten Sie schon Gelegenheit, irgendwo einen Nagel für Ihre Schwingerhose einzuschlagen?

Stefan Bickel: Nein. Wenn überhaupt, geschieht das am Pfingstmontag. Brauch ist, dass die Schwingerkollegen eine Schaltafel mitbringen, in die der Abtretende einen Nagel einschlagen kann. Daran wird dann die Schwingerhose aufgehängt. Allerdings nicht für lange, das gelbe Brett wird schliesslich für den Nächsten wieder gebraucht. (lacht)

Mit Martin Grab ist kürzlich einer der ganz Bösen des Schweizer Schwingsports im Alter von 39 Jahren zurück­getreten. Er könne kaum mehr seine Schuhe selber binden oder eine Socke anziehen, erklärte er. Sie sind jetzt 42. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Nicht ganz so schlimm. Aber auch ich spüre das Alter. Umso mehr, seit ich als Aufseher und Betreuer im Gefängnis arbeite und wegen der Arbeitszeiten nicht mehr regelmässig trainieren kann.

Sie haben erst als 32-Jähriger mit dem Schwingen begonnen, sind also ein Spätzünder im Sägemehlring. Hat Ihnen das geholfen, körperlich länger fit zu bleiben?

Ich glaube eher, dass es ein Nachteil war. Weil ich spät eingestiegen bin, ist meine Technik nicht so gut geschult. Ich habe darum stets versucht, mit Kraft anstatt mit technischen Feinheiten zu punkten, dabei ist so einiges kaputtgegangen.

Ihr letzter Auftritt findet quasi vor der eigenen Haustür statt. Von Hochfelden zum Festgelände auf dem Brueder benötigen Sie keine zehn Minuten. Was bedeutet es Ihnen, sich hier zu verabschieden?

Was bedeutet das? (überlegt) Schön ist es. Man hört am Heimfest auf. Das ist einfach so.

Als Ihr bis jetzt bestes Ergebnis sind Sie 2016 auf dem Brueder in den Schlussgang eingezogen. Lässt sich das zum Abschied noch überbieten?

Nein, das ist nicht realistisch. Mein Ziel ist es, vier der sechs Duelle zu gewinnen, dann ist es gut. Am Kantonalen in Hausen vor zwei Wochen hat es immerhin auch noch zu vier Siegen gereicht, den Kranz habe ich nur um einen Viertelpunkt verpasst.

Sie haben in Ihrer Karriere vier Kränze geholt und 2013 am Eidgenössischen in Burgdorf teilnehmen dürfen. Womit würden Sie diese Aufzählung ergänzen?

Zweimal war ich auf der Schwägalp dabei, nach dem Brueder für mich das schönste Fest. Und auf der Rigi bin ich auch noch gewesen, dort oben hat es mir auch gefallen.

Gibt es einen Schwinger, den Sie gerne noch aufs Kreuz gelegt hätten?

Nein, eigentlich nicht. Obwohl, den Nägeli Marco hätte ich schon gerne einmal bezwungen. Das ist auch ein Zürcher und er liegt mir gar nicht. Gegen ihn bin ich über einen Gestellten nie hinausgekommen.

Vor zehn Jahren sind Sie Ihrem Sohn Roman in den Schwingkeller gefolgt und haben die kleine Unterländer Fraktion nach dem Rücktritt von Reto Fritschi angeführt. Wer wird nun in Ihre Fussstapfen als Leader treten?

Das wird sich zeigen. Alle sieben Unterländer Schwinger haben Potenzial, sie sind allerdings auch alle noch sehr jung. Aufgrund ihres Alters müsste Roman oder Gian-Luca Candrian das Zepter übernehmen, aber auch diese beiden sind halt erst knapp 20 Jahre alt.

Mit so viel Herzblut, wie Sie dabei sind, werden Sie sich aber kaum ganz aus dem Schwingsport zurückziehen.

Nein, sicher nicht. Ich werde weiter als technischer Leiter des Schwingklubs Zürcher Unterland amten und natürlich auch im OK des Brueder-Schwinget bleiben. Ich möchte unseren Präsidenten Urs Gehrig weiter unterstützen. Sie können auch schreiben, «ich muss». (lacht) Wir sind ein kleiner Schwingklub und es fehlt überall an Helfern.

Diesen Frühling wurden Sie in den Hochfelder Gemeinderat gewählt. Wagen Sie dort in Zukunft auch mal einen verbalen Hosenlupf?

Wenn das bedeutet, dass ich in der Debatte direkt und angriffig bin, ja, dann durchaus. Dabei aber hat für mich in der Politik, genauso wie im Schwingsport, die Fairness oberste Priorität. Man darf seine Meinung vertreten und sollte seine Stärken ausspielen, aber am Schluss muss man sich immer die Hand geben können.

Erstellt: 16.05.2018, 22:12 Uhr

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