Unihockey

Berner wieder alleine an der Bande

Die Kloten-Dietlikon Jets feiern dank einem 10:2-Heimsieg gegen Ligakonkurrent Emmental Zollbrück den Einzug in den Cupfinal und einer fehlt: Cheftrainer Radomir Malecek.

Simone Berner trägt bei den Kloten-Dietlikon Jets bis Ende Saison wieder alleine die Verantwortung.

Simone Berner trägt bei den Kloten-Dietlikon Jets bis Ende Saison wieder alleine die Verantwortung. Bild: Christian Merz

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Eben hat Andrea Gämperli das 7:0 für die Gastgeberinnen erzielt. Dabei ist es erst Halbzeit in diesem einseitigen und doch unterhaltsamen Halbfinale in der Klotener Ruebisbachhalle zwischen den Jets und ihren Ligakonkurrentinnen aus dem Emmental. Erst Halbzeit und trotzdem schon der richtige Zeitpunkt für Luxusfragen wie «schafft Torhüterin Monika Schmid einen Shutout?» (nein, die Skorpions schiessen kurz vor der zweiten Pause den ersten Ehrentreffer) oder «gelingt Dietlikon in diesem Halbfinale ein Stängeli?» (ja, Julia Suter lupft den Ball rund zwei Minuten vor Schluss ins leere Tor zum 10:1 und darf das Spielfeld als dreifache Torschützin verlassen).

Erst Halbzeit und bereits bleibt auch Zeit für einen Blick hinter die Bande, wo Co-Trainerin Simone Berner mit ihrem Taktikboard alleine steht. Von Cheftrainer Radomir Malecek keine Spur. Wo ist der Mann, der seit dieser Saison die Kloten-Dietlikon Jets gemeinsam mit Berner coacht? Diese Frage ist nach 30 Minuten auf alle Fälle ­interessanter als jene nach dem Spielausgang. Zu tatkräftig, torgefährlich und taktisch klug agierten die Vizeschweizermeisterinnen in dieser Cuppartie.

Ihr Team habe die Spannung bis zum Schluss gehalten, lobt Berner nach Spielschluss. Und meint damit nicht die dramaturgische, sondern die Körperspannung. «Die Gegnerinnen», sagt sie, «haben nicht aufgegeben und uns bis zum Schluss gezwungen, in die Zweikämpfe zu gehen.» Dass die Jets, die kurz vor Weihnachten das Meisterschaftsspiel gegen die Skorpions erst im letzten Drittel hatten für sich entscheiden können, die Halbfinalaffiche nun so deutlich dominierten, überrascht die Trainerin nicht. «Wir haben in den letzten drei Wochen viel gearbeitet, physisch nochmals zu­gelegt und im taktischen Bereich dazugelernt.»

Es kommt zum Klassiker

Nach einer Absenz im letzten Jahr gehören die Frauen der Kloten-Dietlikon Jets heuer im Cupfinal in Bern also wieder zum Ensemble. Und mit der neuen Breite im Kader, die sich auch darin zeigt, dass acht verschiedene Torschützinnen am 10:2 gegen die Skorpions beteiligt waren, können sie gegen Titelverteidiger Chur – die Bündnerinnen siegten im zweiten Halbfinale gegen das unterklassige Mendrisiotto ebenfalls mühelos (11:1) – am 23. Februar in der Berner Wankdorfhalle durchaus mehr als die Aussenseiterrolle spielen. Vielleicht wie vor zwei Jahren, als sie sich mit einem 5:0-Sieg den Cuppokal holten?

Malecek fehlt bis Saisonende

Damals trug Simone Berner an der Bande die ungeteilte Verantwortung. Wie jetzt, nur war das für diese Saison eigentlich anders geplant. Dass der im Bernbiet lebende und arbeitende Radomir Malecek gegenwärtig nicht mehr im Unterland anzutreffen ist, hat nicht sportliche, sondern berufliche Gründe. «Sein Arbeitgeber hat Schichtarbeit eingeführt und damit ist es ihm nicht mehr möglich, rechtzeitig und regelmässig in die Trainings zu kommen», erklärt Jets-Sportchef Antti Uimonen. Freiwillig ist die temporäre Trennung vom Chefcoach somit nicht erfolgt, aber einvernehmlich: »Wir haben uns darauf geeinigt, dass Rado von seinen Aufgaben vorerst bis Ende Saison entbunden ist.»

Übrig bleibt Simone Berner, die Rekordinternationale und langjährige Dietliker Integrationsfigur, die seit Sommer 2016 bei ihrem Stammverein als Trainerin amtet. Sie, die in der laufenden Saison eigentlich weniger ins Unihockey investieren wollte. Trotzdem habe sie keine Sekunde überlegen müssen, ob sie das alleine weiterziehen solle, erklärt sie. Und: «Dieses Team hat mir den Entscheid leicht gemacht.» Eine externe Lösung ist beim Vizeschweizermeister darum nie ernsthaft diskutiert worden. Uimonen sagt: «Berner war immer unser Plan A, einen Plan B hatten wir nicht. Schliesslich hat sie bereits bewiesen, dass sie auch den Titel holen kann.»

Berner hat andere Pläne

Vorgesehen ist allerdings, dass die 38-Jährige den Jets nur noch bis Saisonschluss als Cheftrainerin zur Verfügung steht. Das macht sie mit der Aussage «zukünftig will ich sicher nicht mehr die Hauptverantwortung tragen» deutlich. Berner möchte mehr Zeit für ihr Privatleben, wozu seit ein paar Monaten auch ein altes Bauernhaus in Opfikon gehört, das nun umgebaut werden soll. «Langweilig», sagt sie schmunzelnd, «wird mir sicher nicht.»

Ebenso klar wie Berners Rücktritt auf Ende Saison hin ist der Wunsch des Vereins, mit Radomir Malecek im Sommer als Trainer weiterzuarbeiten. Uimonen hofft, dass sich bis dahin eine Lösung findet, wie sich Maleceks Arbeitssituation mit der Aufgabe des Chefcoachs vereinbaren lässt. Denn der 36-jährige Tscheche hat den Sportchef überzeugt: «Er hat viel frischen Wind gebracht, ist geradlinig und vorurteilsfrei.» Berner nennt es «positive Respektlosigkeit». Es ist ein Charakterzug ihres Trainerkollegen, auf den sie im Moment ungern verzichtet. «Rado ist es komplett egal, wer auf der Gegenseite steht. Seine Devise lautet: Sind wir gut genug, können wir gegen alle bestehen.» Etwas, dass die Jets spätestens im Cup­final gegen Chur beherzigen sollten – auch ohne Malecek an der Bande. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 14.01.2019, 19:52 Uhr

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