Kloten

Dann holt Edi halt die Besten an den Ruebisbach

Bereits zum zehnten Mal fand in Kloten die Airport-Trophy statt. Das Handballturnier zieht Jahr für Jahr die stärksten Nachwuchs-Nationalteams der Welt an.

Auch die zehnte Ausgabe der Airport-Trophy ist trotz enormer Hitze ein voller Erfolg: Der Eglisauer Edi Wickli, der einst die Idee eines Vierländerturniers für Nachwuchs-Auswahlteams in Kloten hatte, blickt zufrieden auf die vergangenen Tage und Jahre zurück.

Auch die zehnte Ausgabe der Airport-Trophy ist trotz enormer Hitze ein voller Erfolg: Der Eglisauer Edi Wickli, der einst die Idee eines Vierländerturniers für Nachwuchs-Auswahlteams in Kloten hatte, blickt zufrieden auf die vergangenen Tage und Jahre zurück. Bild: Raisa Durandi

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Sie haben das den «Grossen» abgeschaut. In einer anderen Sportart, im Fussball. Als Frankreichs Teambus vor der Sporthalle Ruebisbach hält, entsteigt ihm ein Spieler nach dem andern. Und jeder trägt den offenbar obligatorischen Kopfhörer, das identische Modell. Das sieht ein bisschen abgehoben aus für die bodenständige Sportart Handball. Die Franzosen bilden auch ein wenig die Ausnahme im Teilnehmerfeld der Airport-Trophy. Sie kommen nicht so gesellig wie die Deutschen oder Spanier daher.

Aber auf dem Feld sind sie schon grossartig, was das individuelle Können angeht. Sie verlieren den hochstehenden Final gegen die Spanier 26:27, beide Junioren-Nationalmannschaften würden in der Schweizer Nationalliga A eine hervorragende Figur abgeben. Pro Team drei Spiele in drei Tagen, das Publikum in Kloten bekommt an der Kurz-WM Top-Handball zu sehen. Der Schweizer Nachwuchs, wenigstens verstärkt mit Jonas Schelker und Philip Novak aus dem Kreis der A-Nationalmannschaft, hält am ersten Tag mit den Franzosen gut mit, kommt aber mit der Belastung nicht zurecht und verliert dreimal.

Der optimale Termin

Die Airport-Trophy, bereits zum zehnten Mal in Kloten ausgetragen, hat international einen sehr guten Ruf, jedes Jahr reisen Topnationen an. Die Spanier sind ­U-21-Weltmeister, die Franzosen in der gleichen Alterskategorie EM-Zweite, die Deutschen EM-Vierte. Sie alle nutzen den Anlass als letzte oder zweitletzte Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt. Das ist dieses Jahr die Weltmeisterschaft in Spanien ab 16. Juli. Nächstes Jahr wird es die EM zum etwa gleichen Zeitpunkt sein. «Die Teams haben schon wieder angefragt, ob sie auch 2020 dabei sein können», freut sich Edi Wickli gestern nach dem letzten Pfiff in der Sporthalle Ruebisbach.

«Unser Termin ist optimal», weiss Wickli. Der frühere Nationalgoalie war von Beginn weg eine der treibenden Kräfte beim Anlass. Die Idee dahinter war, etwas für den Zürcher Unterländer Handball zu tun – und für die jungen Schweizer. «Unsere Nachwuchsmannschaften hatten keine Chance, an grosse Turniere eingeladen zu werden. Dann haben wir uns halt entschieden, die Besten zu uns zu holen», erklärt Wickli. Er sagt das, als wäre es die einfachste Sache der Welt. Für einen wie ihn, der mehr als 55 Jahre im Handball tätig ist, stimmt das wohl. Er hat miterlebt, wie vor gut 40 Jahren der Schweizer Nationaltrainer Pero Janjic scheinbar Unmögliches möglich machte. Im Trainingslager in Magglingen sorgte Janjic dafür, dass seine Spieler zum Frühstück Rindsfilet bekamen. Drei Trainings pro Tag seien nicht zu bewältigen, wenn man am Morgen nur Birchermüesli esse, war die Begründung.

37 Trophy-Spieler an der EM

Mit solchen Problemen müssen sich Wickli und die grosse Gruppe von freiwilligen Helfern nicht mehr herumschlagen. Die Organisation ist hervorragend eingespielt, die Gäste sind zufrieden. Die Deutschen lassen es sich nicht nehmen, vor dem letzten Match gegen die Schweizer dem «Cheforganisator» gebührend zu danken. Neben einer guten Flasche Wein erhält Wickli ein Leibchen der Deutschen, mit seinem Namen und der Nummer 10 aufgedruckt. Die 10 steht für die zehn Turniere mit Wickli an der Spitze. Der 70-Jährige will in Zukunft etwas kürzertreten, «ich kümmere mich nur noch ums Marketing», sagt er. Sein Nachfolger Christoph Lüthi ist ebenfalls ein früherer Goalie und aktueller Goalietrainer. 2100 oder 2200 Zuschauer – so genau wird nicht gezählt – waren am Wochenende trotz der Hitze zugegen. Im Minimum 5000 Franken wandern aus den Einnahmen in die Kassen des Handball-Nachwuchses. Das Budget ist mit 90000 Franken überschaubar.

Wer die Airport-Trophy besucht, der hat jedes Mal die Chance, die Stars von morgen zu sehen. An der EM 2020, für die sich auch die Schweizer A-Nationalmannschaft qualifiziert hat, sind nach aktuellem Stand 37 Spieler dabei, die schon in Kloten Tore erzielt haben. Natürlich Schweizer mit dem vierfachen Airport-Trophy-Teilnehmer ­Cédrie Tynowski. Aber auch Deutsche wie Paul Drux, Jannick Kohlbacher oder Fabian Wiede. Oder die spanischen Brüder Alex und Dani Duischebajew. Einer kommt erst nach dem Karrierenende zu seiner Premiere in Kloten: Daouda Karaboué, von 2002 bis 2004 Torhüter bei den Grasshoppers. Der zweifache Weltmeister reist 2019 als Goalietrainer mit dem französischen Nachwuchs an. «Die Favoriten für die WM sind wieder die Spanier», sagt er. Die Kurz-WM in Kloten zeigt ihm: «Wir Franzosen sind im Kollektiv noch zu wenig gut.» Und die Schweizer bekommen aufgezeigt, dass sie im physischen Bereich enormen Nachholbedarf haben.

Erstellt: 30.06.2019, 23:35 Uhr

Airport-Trophy in Kloten

Die Resultate

Schweiz - Frankreich 31:36. Spanien - Deutschland 26:26. Frankreich - Deutschland 33:26. Spanien - Schweiz 32:23. Schweiz - Deutschland 23:29. Spanien - Frankreich 27:26. – Schlussrangliste (je 3 Spiele): 1. Spanien 5.
2. Frankreich 4. 3. Deutschland 3. 4. Schweiz 0.

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