Kloten

Der Leitwolf der Jets ist zurück

Nach einer Saison in Finnland bleibt Yannick Jaunin seinem Stammverein trotz Strichkampf treu und kennt den Weg, der die Kloten-Dietlikon Jets aus dem Abstiegssumpf der NLA führen könnte.

Yannick Jaunin setzte sich in seiner Karriere nur einmal eine fremde Mütze auf. Nach dem Abstecher in die höchste finnische Liga zu TPS Turku ist er nun zurück bei den Jets und spürt im Verein Aufbruchstimmung.

Yannick Jaunin setzte sich in seiner Karriere nur einmal eine fremde Mütze auf. Nach dem Abstecher in die höchste finnische Liga zu TPS Turku ist er nun zurück bei den Jets und spürt im Verein Aufbruchstimmung. Bild: Balz Murer

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Yannick Jaunin, Sie haben für den Fototermin eine dicke Wollmütze mitgebracht – wieso gerade sie als Andenken an Ihre Zeit in Finnland?

Yannick Jaunin: Das ist die Vereinsmütze von TPS Turku. Ich finde, dass sie für einen Vereinsartikel sehr bequem und stylish ist, schwarz-weiss und schlicht. Mit der kann man sich in der Öffentlichkeit zeigen. Und sie gibt warm.

Die Kälte war es also nicht. Warum dann haben Sie nach nur einer Saison Ihre Zelte in Finnland wieder abgebrochen?

Ich habe ungefähr im Januar gemerkt, dass ich wieder nach Hause möchte. Ich bin ein Familienmensch, habe mein Umfeld in der Schweiz vermisst. Hinzu kommt, dass ich in Finnland neben dem Unihockey nicht gearbeitet habe. Der Verein ist für Kost und Logis aufgekommen und hat mir eine schöne Wohnung mitten in Turku zur Verfügung gestellt – mit Waschmaschine, Geschirrspüler und Sauna. Training hatten wir fünfmal die Woche. Als ich dann im Winter wegen Adduktorenproblemen pausieren musste, sind die Tage lang geworden, zu lang.

Und zu dunkel?

Nein. Turku liegt in Finnlands Süden, da war es gar nicht so dunkel, wie ich das erwartet habe.

Sie haben sich für die Rückkehr zu Ihrem Stammverein entschieden, der auch heuer fast sicher im Strichkampf engagiert sein wird. Bald sind Sie 30 Jahre alt. Hätten Sie nicht gerne einmal in Ihrer Karriere um die Meisterschaft gespielt?

Schwierig zu sagen. Als Sportler will ich vor allem eines: gewinnen. Aber einen Pokal mit einem anderen Team als den Jets zu holen, wäre nicht dasselbe. Ich habe alle Juniorenstufen in diesem Verein absolviert. Für mich war ein anderes Schweizer Team einfach keine Option. Ich bin kein Profi. Solange Unihockey nicht mein Beruf ist, bleibt die Leidenschaft wichtigste Entscheidungsgrundlage.

Wie war denn die Rückkehr zum alten Verein, der jetzt durch die Fusion mit dem Frauen-NLA-Verein Dietlikon ein neuer ist?

Für uns Spieler hat sich wenig verändert. Positiv wahrgenommen habe ich, dass die Sportchefposition nun doppelt besetzt ist. Wir haben den Ausrüster gewechselt und das Ganze ist innerhalb weniger Tage über die Bühne gegangen. Das hat mich doch sehr erstaunt. Samuel Kuhn, der neu als zweiter Sportchef amtet, ist als Ansprechperson präsent. Er besucht unsere Trainings und war auch in der ersten Cuprunde auswärts dabei. Im Verein spürt man die Aufbruchstimmung.

Sie halten die Fusion also für vielversprechend.

Ja, definitiv. Vor allem für die Junioren ist das Zusammengehen der beiden Vereine wichtig. Meines Erachtens kann daraus eigentlich nur etwas Gutes entstehen.

Wenn im Umfeld der Jets über Sie gesprochen wird, fällt auffallend oft die Bezeichnung «Integrationsfigur». Was macht Sie dazu?

Das habe ich mich auch schon gefragt. (lacht) Nun, ich bin in Kloten aufgewachsen und schon so lange dabei. Zudem bin ich nicht immer der Ruhigste auf dem Feld, bringe Emotionen ins Spiel. Und mir ist es ausgesprochen wichtig, dass sich der Verein richtig um den Nachwuchs kümmert.

Wie meinen Sie das?

Wenn man zwei Junioren pro Jahr nachzieht und keiner schafft es, sich im Fanionteam durchzusetzen, dann ist das schlecht. Das eigentliche Problem ist, dass unsere U-21-Junioren B-Niveau spielen. Der Sprung in die NLA ist für sie viel schwieriger zu schaffen, als wenn sie aus der stärksten Juniorenliga kämen. Darum müssen wir schnellstmöglich aufsteigen – am besten gleich auf allen Juniorenstufen. Das ist für mich der einzig vernünftige Weg, der vom Strichkampf wegführt.

In dieser Saison wird er noch kaum zu umgehen sein. Oder wie sehen Sie das?

Ich denke, wir haben eine gute Mannschaft beisammen und können alle Gegner der NLA schlagen. Die Playoffs sind das Ziel, dafür müssen wir aber gegen die üblichen Verdächtigen Uster, Wasa, Zug, Chur und Thun ­– und vielleicht Winterthur, das ich nur schwer einschätzen kann – gewinnen. Diese Teams sind unsere direkten Konkurrenten im Kampf um einen Playoff-Platz.

Was haben Sie in Finnland gelernt, das Ihnen zurück in der Schweizer Liga helfen könnte?

Ich weiss jetzt, dass alles viel schneller gehen kann. (lacht) Zudem sind die Finnen am Ball viel geduldiger und im Kontern kaltblütiger. All das könnte uns auch nicht schaden.

Wie fällt ihre persönliche sportliche Bilanz aus?

Ich bin sowieso selten zufrieden. Aber ich muss sagen, es war schwierig. Sportlich wäre bestimmt mehr dringelegen als meine sechs Skorerpunkte in 20 Spielen, aber ich war zweimal verletzt, das hat mich gebremst. Eine verrückte Sache war das Meisterschaftsspiel mit Turku gegen den finnischen Meister Classic aus Tampere, das in Singapur ausgetragen wurde. Wir machten einen achttägigen Trip ans andere Ende der Welt für eine einzige Partie Unihockey. Die einheimischen Schiedsrichter haben ihre Sache sehr genau genommen und ich habe mir in Singapur die erste Fünfminutenstrafe meiner Karriere eingehandelt.

Wissen Sie, dass Nationalcoach David Jansson Sie während Ihrer Zeit in Finnland beobachtet hat?

Nein. Man weiss zwar nie, aber mit einem Aufgebot für die Nati rechne ich eigentlich nicht mehr.

Auf Ihrer Position als rechtem Flügel ist die Konkurrenz gross. Fuchst Sie das?

Eigentlich nicht. Ich muss anerkennen, dass Spieler wie etwa der Könizer Manuel Maurer diese Position athletischer und flinker besetzen. Das Thema Nationalmannschaft war vor ein paar Jahren wesentlich präsenter für mich als jetzt. Inzwischen gehöre ich bei den Jets zu den Teamsenioren. (lacht)

Erstellt: 05.09.2018, 20:14 Uhr

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