Rio de Janeiro

Der schönste Jubel ihrer Karriere

Der Winkler Schwimmerin Martina van Berkel gelingt der ersehnte Coup: In ihrer Paradestrecke über 200 Meter Delfin qualifiziert sie sich für den Olympiahalbfinal von Rio.

Kann ihr Glück kaum fassen: Die Winklerin Martina van Berkel nach dem bislang grössten Erfolg ihrer Karriere, dem Einzug in einen Olympiahalbfinal.

Kann ihr Glück kaum fassen: Die Winklerin Martina van Berkel nach dem bislang grössten Erfolg ihrer Karriere, dem Einzug in einen Olympiahalbfinal. Bild: Keystone

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Aufwühlende Moment am Beckenrand des Olympic Aquatics Stadium erlebte Martina van ­Berkel: «Die Liste mit den ersten acht, die sich für den Halbfinal qualifiziert haben, stand so unglaublich lange auf der Anzeige. Ich habe es kaum mehr ausgehalten. Endlich ist die zweite Seite gekommen. Und ich war völlig baff. Ich habe gejubelt und geweint vor Freude.»Die 27-Jährige aus Winkel wollte sich dafür entschuldigen, dass die Worte nur so aus ihr ­her­aussprudelten. Doch das brauchte sie nicht. Denn wie sonst soll eine Sportlerin reagieren, wenn sie soeben realisiert hat, dass sie «das Allergrösste in meiner Karriere» erreicht hat.

Denn die zweite Seite der Liste auf der Anzeigetafel nach den Vorläufen über 200 Meter Delfin zeigte: den Namen von Martina van Berkel auf Rang 11. Damit stiess sie in ihrer Paradedisziplin in den Olympiahalbfinal vor. Ein Ziel, das sie 2012 in London noch verpasst und sich vor Rio 2016 sehnlichst erhofft hatte.

«Einfach beissen»

Martina van Berkel war im letzten Vorlauf gestartet. «Die Zeiten des ersten gut besetzten Laufs habe ich noch gesehen. Sie waren nicht sehr schnell. Den nächsten Lauf habe ich nicht mehr geschaut.» Vielleicht auch, um sich nicht ablenken zu lassen. Denn letztlich zählt nur eines: die eigene Leistung. Aber so fehlten ihr die Anhaltspunkte, ob ihre Zeit für den Halbfinaleinzug reichen würde. «Die Amerikanerin vorne ist abartig abgegangen», beschrieb Van Berkel. Doch sie habe gewusst, dass sie auf sich selbst schauen musste. «Als es zu schmerzen begonnen hatte, dachte ich nur: Jetzt muss ich einfach beissen. Unbedingt!»

Hail Flickinger, besagte US-Frau, wurde letztlich Zweite, die Winklerin Fünfte. In einer Zeit von 2:08,00 – Schweizer Rekord, 0,15 Sekunden schnel­ler als ihre eigene Bestmarke, die sie vor einem Monat in Berlin aufgestellt hatte. «Ich habe im Wasser meine Zeit gesehen und mich gefragt: Reicht es?». Ja.

Das löste den enormen Jubel aus – und eine weitere Frage. «Logisch hatte ich mir diese Quali­fikation erhofft», sagte sie. «Aber vor dem Wettkampf hatte ich eigentlich nur mit einem Lauf gerechnet» – und sich entsprechend nur auf diesen konzentriert. Deshalb wisse sie, sagte sie wenige Minuten nach dem Vorlauf, nicht einmal, wann der Halbfinal stattfinde. «Ich hatte mir schon so oft viel vorgenommen und geschaut, wann der Halbfinal ist, und es dann doch nicht geschafft.»

Die Antwort: Noch am gleichen Tag, in der anschliessenden Nachtsession (heute Mittwoch um 3.45 Uhr Schweizer Zeit) sollte Martina van Berkel auf der grössten Schwimmbühne überhaupt antreten und das schönste Rennen ihrer Karriere bestreiten. Darauf freute sie sich und kün­digte an: «Jetzt geht es erst richtig los.»

Für den Final-Einzug reichte es dann leider nicht. Obwohl sie mit 2:07,90 noch einmal schneller geschwommen war. Nur drei Europäerinnen waren in Rio besser als van Berkel. Zum Vorstoss in den Olympia-Final der Top 8 fehlten ihr 68 Hundertstelsekunden. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 09.08.2016, 22:58 Uhr

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