Rio de Janeiro

Der Sensation ganz nahe

Die Klotener Beachvolleyballerin Joana Heidrich und Nadine Zumkehr haben sich mit Brasiliens Larissa/Talita einen packenden Olympia-Viertelfinal geliefert, am Ende 1:2 verloren.

Unmittelbar nach dem knappen Aus im Olympia-Viertelfinal ist die Enttäuschung bei Joana Heidrich (rechts) und Nadine Zumkehr gross. Doch auf das in Rio Erreichte können die beiden Schweizerinnen stolz sein.

Unmittelbar nach dem knappen Aus im Olympia-Viertelfinal ist die Enttäuschung bei Joana Heidrich (rechts) und Nadine Zumkehr gross. Doch auf das in Rio Erreichte können die beiden Schweizerinnen stolz sein. Bild: Keystone

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Larissa und Talita, zwei der Topanwärterinnen auf Gold, beendeten gestern Nacht den olympischen Lauf von Joana Heidrich und Nadine Zumkehr. Die 24-jährige Klotenerin und ihre sieben Jahre ältere Berner Partnerin unterlagen der Nummer 1 der Qualifikation 1:2.

«Wir haben nichts zu verlieren, sie schon», hatte Nadine Zumkehr vor dem Showdown erklärt. Die Brasilianerinnen haben seit 2014 zwölf Turniere auf der World Tour gewonnen. 2015 an der WM fingen sie einen Dämpfer ein, als sie im Achtelfinal überraschend scheiterten. Nicht gestern.

Drei Matchbälle

«Die Zuschauer werden uns auspfeifen», hatte Zumkehr erwartet. Der Empfang, als die Schweizerinnen zum Viertelfinal die Arena betraten, aber fiel gnädig aus. Sie erhielten gar Applaus. Erst, als es losging, wurde jeder ihrer Aufschläge von Buhrufen begleitet. Doch im Vergleich zu anderen Fällen in Rio verliefs irgendwie im Rahmen. Erst als die Schweizerinnen im zweiten Satz mit dem Schiedsrichter diskutierten, wurde es richtig laut gegen sie.

Heidrich/Zumkehr traten unbeschwert auf, gewannen den ersten Satz 23:21. Mit einem Block verwertete Heidrich den vierten Satzball. Die Sache war erst geklärt, nachdem in der Schlussphase auch die dritte Challenge (die zweite der Brasilianerinnen) abgelehnt worden war. Damit fingen Larissa/Talita im fünften Olympiaspiel den ersten Satzverlust ein.

Im zweiten Satz erkämpften sich die Schweizerinnen drei Matchbälle, konnten aber keinen verwerten. Larissa/Talita, angetrieben vom nun sehr grellen Publikum, konterten erfolgreich und versenkten ihren dritten Satzball zum 27:25. In der Entscheidung führten sie und gerieten 9:12 in Rückstand. Nochmals kämpften sie sich auf 11:12, 12:13 und 13:14 heran, sie wehrten den ersten Matchball ab, ehe der Smash von Talita zum 13:15 die Arena zum Beben brachte.

Es war ein sehenswertes, packendes, starkes Spiel. Heidrich/Zumkehr sind spätestens seit gestern auf höchstem Weltniveau angekommen. Sie waren ganz nahe an einer Sensation, die sie sich auch verdient hätten.

Schweizer Geschichte

Mit dem 2:1-Sieg im Achtelfinal tags zuvor gegen die Holländerinnen Madelein Meppelink/Marlee van Iersel hatten Heidrich/Zumkehr auf Sand Geschichte geschrieben: Zum ersten Mal überhaupt eroberten sich Schweizer Beachvolleyballerinnen ein Olympiadiplom und erstmals seit 2004, der Bronze von Stefan Kobel und Patrick Heuscher sowie Platz 5 von Paul und Martin Laciga, ist ein Duo wieder in die Top 8 vorgestossen.

Heidrich/Zumkehr setzten sich im Achtelfinal gegen die Europameisterinnen von 2014 im Stil von Favoritinnen durch, obwohl sie es nicht waren. Der erste Satz ging 19:21 verloren, weil sie ihn vom 12:9 zum 12:14 aus der Hand gaben. «Das war nicht einfach zu verdauen», meinte Nadine Zumkehr. «Wir führten und kassierten eine ärgerliche Serie. Doch wir konnten das sehr schön und stark wegstecken und haben mit viel Herz und Entschlossenheit gespielt. Das war der Schlüssel.» Im zweiten Durchgang schafften diesmal sie die Wende und siegten 21:13. Im Entscheidungssatz sorgte wieder eine Serie für die Vorentscheidung: Sie zogen vom 6:6 auf 12:6 davon.

Bei diesem Stand – den Schweizerinnen fehlten drei Punkte zum Viertelfinal – zogen die Holländerinnen ein medizinisches Timeout ein; Meppelink liess sich das linke Knie pflegen. «Das war wahrscheinlich bewusst», vermutete nicht nur Zumkehr. «Wir waren im Fluss. Das Timeout hat ihn unterbrochen», beschrieb Heidrich die nicht einfache Situation. «Wir sagten uns sofort: Das ist unsere Herausforderung: So wollen auf den Court zurückkehren, wie wir ihn verlassen haben.» Man dürfe sich in einer solchen Lage «nicht überlegen, wie viele Punkte es bis zum Sieg noch braucht», erklärte Zumkehr. Sie taten es nicht. Sie siegten 15:9, sicherten sich ihr Diplom und setzten sich zum ersten Mal nach vier Niederlagen gegen Meppelink/van Iersel durch – im wichtigsten Match. Die Holländerinnen waren schon 2012 in London, mit verschiedenen Partnerinnen, sowie an der Heim-WM 2015 in den Achtelfinals gescheitert.

Mit Fun und Selbstvertrauen

«Wir spielen sehr gutes Beachvolleyball mit viel Selbstvertrauen», bemerkte Joana Heidrich, die Olympiadebütantin und vielleicht beste Blockerin des Turniers. «Wir haben Fun auf dem Court. Das macht uns stark.» Heidrich/Zumkehr hatten sich auf den Auftritt gegen die Brasilianerinnen gefreut. «Es sind zwei Spielerinnen, die ich am meisten bewundere», meinte Zumkehr «Etwas Schöneres, als an diesem Ort an Olympischen Spielen gegen sie zu spielen, konnte uns nicht passieren.» Gegen Larissa/Talita haben Heidrich/Zumkehr noch nie gewonnen. «Das haben viele andere auch nicht», lächelte Zumkehr. Einmal, ausgerechnet in Rio, seien sie nahe dran gewesen, erinnerte sich Heidrich an ein 1:2. Als sie das nach dem Triumph im Achtelfinal sagte, trug sie eine Brasilien-Fahne um die Hüfte. Geschenke erhielten die Schweizerinnen am Tag darauf keine mehr. Sie hätten sich beinahe selbst eines gemacht, das grösste ihrer bisherigen Karriere (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 15.08.2016, 00:08 Uhr

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