Opfikon

Die Blue Wings bleiben am Boden

Opfikons Frauen müssen ihre Hoffnungen, in der 1. Liga regional heuer die Finalrunde zu erreichen, definitiv begraben. Nach der 39:68-Heimniederlage gegen Greifensee war ihr Frust gross.

Ringen nach Worten: Trainer Haris Salihodzic, Andrea Racine (links) und ihre Opfiker Mitspielerinnen versuchen, die klare Niederlage zu verarbeiten.

Ringen nach Worten: Trainer Haris Salihodzic, Andrea Racine (links) und ihre Opfiker Mitspielerinnen versuchen, die klare Niederlage zu verarbeiten. Bild: Balz Murer

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2 Minuten und 9 Sekunden sind in der Opfiker Turnhalle Lättenwiesen noch zu spielen, als Bet­tina Willener-Barbarits kurz vor der Dreipunktelinie den Korb anvisiert. Haargenau fliegt der Ball aus der rechten Hand der Opfi­ker Teammanagerin und Capi­taine auf sein Ziel zu, kreist um den Ring, zappelt fast schon im Korb. Doch anstatt von dort nach unten zu fallen, springt er nach oben und aufs Spielfeld zurück. Das Skore der Gastgeberinnen bleibt bei 39 Punkten. Die drei Zähler, die Flügelspielerin Willener-Barbarits mit diesem Wurf erzielt hätte, hätten an der Nieder­lage der Blue Wings nichts mehr geändert, lag Gegner Greifensee zu dem Zeitpunkt uneinholbar mit 66:39 in Führung. Doch die Szene steht symbolisch für den Auftritt der Opfikerinnen an diesem kalten Winternachmittag: Von Anfang bis zum Ende wollte ihnen so gut wie gar nichts gelingen.

Das Unheil der Gastgeberinnen nahm schon früh seinen Lauf: Acht Minuten dauerte es, bis sie ihre ersten zwei Punkte erzielten. Und weil die Gäste, die in der 1. Liga des nordostschweizerischen Regionalverbandes Probasket keineswegs zu den Spitzenteams gehören, sondern vor dieser Partie nur einen Rang vor den Opfikerinnen lagen, ihre Abschlüsse verwerteten, war das Verdikt klar. 4:24 lagen die Blue Wings bereits nach den ersten 10 von 40 Spielminuten zurück. «Wir haben die ersten 15 Minuten komplett verschlafen, und Greifensee hat alles getroffen. So etwas habe ich noch selten erlebt», kommentierte der Opfiker Trainer Haris Salihodzic hernach, «so sind wir schnell zweistellig zurückgelegen, das hat uns zusätzlich unsicher gemacht.»

Falsche Entscheidungen

Dabei war die schlechte Erfolgsquote der eigenen Offen­sive gemäss dem langjährigen Trainer der Opfikerinnen nicht nur dem Pech oder etwa der mangelnden Präzision im Abschluss geschuldet. «Die Spielerinnen haben heute leider im Angriff nicht das umgesetzt, was wir vorher bespro­chen hatten, und viele schlechte Entscheidungen getroffen.» Zu oft hätten sie zum Beispiel versucht, bis unter den gegnerischen Korb vorzudringen und Korbleger zu erzielen. Gegen die gross gewachsenen und bis zum Ende kompromisslos verteidigenden Gegnerinnen erwies sich das als die falsche Taktik.

Im Wissen um den hohen Rück­stand suchten die Blue Wings ihr Heil mit zunehmender Spieldauer in Dreipunktewürfen, scheiterten aber auch damit nur allzu oft. Und da sich auch ihre Defen­sive an diesem Tag nicht stabil genug präsentierte, summierte sich der Rückstand bis zum Ende der Partie auf fast 30 Punkte (39:68). Dementsprechend tief sass der Frust bei den Opfiker Spielerinnen nach der Schluss­sirene. «Greifensee ist zu zu vielen einfach herausgespielten Punkten gekommen», kritisierte Bettina Willener-Barba­rits, «und wir waren verkrampft, hatten eine schlechte Trefferquote, zu wenig Rebounds – wenn wir so wie heute spielen, reicht es gegen keinen Gegner in der 1. Liga.»

Zu viele Absenzen

Die Teammanagerin verriet: «Seit Anfang dieses Jahres haben sich die Absenzen arg gehäuft. Heute im Match haben wichtige Spielerinnen gefehlt, und in der Woche vor diesem Spiel, dem wichtigsten der Rück­runde, haben wir einmal zu viert und das andere Mal zu fünft trainiert – das bringt eine gewisse Un­ruhe ins Team.» Dabei seien auf dieser Stufe mindestens zwei gemein­same wöchentliche Trainings unbe­dingt nötig. Dies, um Ball­sicherheit zu erlangen, aber auch, um neue Spielzüge und das taktische Verhalten einzuüben.

Coach Haris Salihodzic ergänzt: «Wir können auch mit ­wenigen Spielerinnen Match­situationen simulieren, indem wir am Ende des Trainings mit fünf gegen fünf gegen unsere zweite Mannschaft antreten. Aber das ist nicht ganz dasselbe, wie wenn man sich schon im Training­ auf 1.-Liga-Niveau messen kann.»

Zu wenig Spielerinnen

Für den Klotener, der die Opfiker Frauen seit rund zehn Jahren trainiert, liegen die Gründe der Misere tief. «Am liebsten hätte ich natürlich 15 Spielerinnen mit 1.-Liga-Niveau im Kader, dann gäbe es einen gesunden Konkurrenzkampf um die Plätze in der Start-Fünf in den Meisterschaftsspielen, und alle hätten einen Anreiz, um wirklich immer ins Training zu kommen», führt Haris Sali­hodzic aus, «aber hier im Gross­raum Zürich gibt es zwar wenige Basketballerinnen dieser Klasse, aber sehr viele Teams.»

Bei ihm kämen im Match jene Akteurinnen zum Zug, die auch während der Woche trainierten, betont Salihodzic. Auf die anderen ganz verzichten kann er mangels Alternativen nicht. Vor nicht allzu langer Zeit habe er zwei Saisons mit nur sieben Spiele­rinnen im Kader bestritten – eine Erfahrung, die er nicht wieder­holen wolle.

Zudem betont Salihodzic: «So schlecht, wie wir heute gespielt haben, sind wir sicher nicht, und absteigen werden wir auch nicht.» Tatsächlich müssen die Blue Wings ihr Ziel, die Final­runde der besten vier Teams zu erreichen, nach der Niederlage gegen den Tabellen­nachbarn Greifensee wohl abhaken. Mit sechs Punkten aus zehn Spielen nehmen sie in der Rangliste der nordostschwei­zerischen 1. Liga regional den 8. Rang ein, mit vier Punkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Gegen den Vorletzten Wiedikon treten sie bis zum Ende der Qualifikation noch einmal an, gegen das Schlusslicht Kloten sogar noch zweimal. «Im besten Fall werden wir am Ende Sechste, aber nur, wenn wir jetzt umschalten», meint Capitaine Bettina Willener-Barbarits.»

Erstellt: 06.02.2018, 20:57 Uhr

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