Dietlikon

Die Jüngste in tragender Rolle

Das Teamküken spielt gross auf: Die 17-jährige Juniorin Isabelle Gerig hat sich in der Paradelinie des NLA-Spitzenteams Dietlikon einen Namen gemacht. In ihrer ersten Saison in der Topliga.

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Irgendwann ist die Gitarre auf der Strecke geblieben. «Ansonsten habe ich für den Sport eigentlich nichts aufgeben müssen», sagt Isabelle Gerig. Und mit einem Schmunzeln hängt sie an: «Das mit der Gitarre hat mich übrigens nicht so sehr getroffen.» Denn Gerig wollte von klein auf vor allem eines: Unihockey spielen. So wie ihre älteren Brüder, denen sie bereits als Dreijährige draussen, in ihrem Wohnquartier in Rotkreuz, zugeschaut hatte, wie sie dem gelochten Ball nachjagten. Heute ist die kleine Schwester von David und Michael Gerig eines der grösstes Unihockeytalente der Schweiz.

Im Alter von sechs Jahren hat Isabelle Gerig bei den Astros Rotkreuz angeheuert und sich als Mädchen unter Junioren durchgesetzt. Als Dreizehnjährige wechselte sie zu Zug United in die U21. Vor zwei Jahren wurde Gerig dann an der U19-WM als jüngstes Teammitglied ins Allstar-Team gewählt, im folgenden Herbst debütierte sie mit dem UHC Zugerland in der NLB. Auf diese Saison hin wechselte Gerig von dort nach Dietlikon, etablierte sich beim Qualifikationssieger der NLA schnell im ersten Block, holte Anfang März mit den Gelb-Blauen den Cupsieg und spielt mit ihren Farben derzeit in den Playoff-Halbfinals gegen Bern Burgdorf um den Einzug in den Superfinal. Eine beachtliche Erfolgsbilanz für eine erst 17-Jährige. Sie zeugt von Talent, Wille und Mut.

In bester Gesellschaft

Den Wechsel nach Dietlikon im Frühling vergangenen Jahres hat sich Isabelle Gerig lange überlegt. Das Engagement in einem Spitzenklub birgt für ein Nachwuchstalent auch immer die Gefahr, auf der Bank zu landen, statt auf dem Feld Erfahrung zu sammeln. Zudem kostet es Zeit, viel Zeit. Dreimal die Woche ins Training nach Zürich pendeln, daneben die kaufmännische Ausbildung bei der Gemeindeverwaltung in Rotkreuz: «Ich wusste, dass mir nicht mehr viel Platz für anderes bleiben wird», bemerkt Gerig. Aber sie wusste auch, dass sie weiterkommen will in ihrer sportlichen Karriere – und wagte den Schritt. Heute sagt sie mit einem zufriedenen Lächeln: «Ich würde es wieder so machen.»

In der Tat hätte es für Gerig kaum besser laufen können. Schon zu Beginn der Saison durfte sie im ersten Block in renommierter Gesellschaft auflaufen. Hinten verteidigen mit Linn Lundström und Laura Mertsalmi eine Welt- und Vizeweltmeisterin. Und vorne spielt Gerig an der Seite von Petra Weiss und Michelle Wiki mit keinen Geringeren als der letztjährigen und der aktuellen Liga-Topskorerin. Von ihren Sturmpartnerinnen könne sie unheimlich viel profitieren, erklärt Gerig. Coach Sascha Rhyner, der sie als U19-Trainer bereits von der Nationalmannschaft her kennt, hatte bereits bei ihrer Verpflichtung diesen Platz für sie vorgesehen. Nach dem Abgang von Nina Bärtschi nach Schweden brauchte er wieder einen schnellen, wendigen linken Flügel. «Isabelle hat diese Rolle bisher ausgezeichnet ausgefüllt», sagt Rhyner und: «Sie ist technisch sehr talentiert und hat grosse Abschlussqualitäten.» Gerig selbst gibt sich, gefragt nach ihren Stärken, eher wortkarg. Ergiebiger fällt die Antwort zum Steigerungspotenzial aus: «Ich sollte mehr den direkten Schuss suchen, muss physisch noch zulegen und die Passqualität weiter verbessern», sagt sie.

Gänzlich reibungslos ist die bisherige Saison indes auch für Isabelle Gerig, die von Coach Rhyner vor dem Training auch mal lachend mit einem «Hallo Shootingstar» begrüsst wird, nicht gelaufen. Im Oktober wurde sie von einer Hirnerschütterung ausser Gefecht gesetzt, Anfang Jahr machte das Knie Probleme, dann wieder der Kopf. «Deswegen bin ich mehrmals aus dem Spielrhythmus gekommen», meint Gerig dazu. Pünktlich zum Playoff-Beginn war sie allerdings wieder fit. Und avancierte im ersten Halbfinal-Duell gegen Bern Burgdorf am Ostermontag zur Hauptdarstellerin eines preiswürdigen Playoff-Krimis.

Ein Treffer zur Rettung

Isabelle Gerig erzielte gegen die Wizards das erste Dietliker Tor, kam nach einem schmerzhaften Sturz im Slot nach zehn Minuten wieder aufs Feld zurück, sorgte für den wichtigen Anschlusstreffer und rettete schliesslich drei Sekunden vor Spielschluss mit dem 6:6 ihr Team in die Verlän­gerung. Das folgende Penaltyschiessen gewann Dietlikon dann deutlich, und Isabelle Gerig wurde zu Recht als beste Spielerin ihres Teams ausgezeichnet. Die Frage sei erlaubt: Wieso einer Gitarre nachtrauern, wenn man auf dem Unihockeyfeld die erste Geige spielen kann? (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 30.03.2016, 21:26 Uhr

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