Oberweningen

Die Rüeggs bleiben am Rad

Die Oberweninger Geschwister Noemi und Timon Rüegg starten Mitte September in die neue Radquersaison - mit unterschiedlichen Zielen, aber derselben Leidenschaft für unbefestigte Wege und knöcheltiefen Schlamm.

Bei Noemi und Timon Rüegg dreht sich alles um den Radsport. Die Oberweninger Geschwister jagen bald wieder querfeldein Podestplätzen nach – und übernehmen nach den Rennen immerhin das Vorwaschen selbst.

Bei Noemi und Timon Rüegg dreht sich alles um den Radsport. Die Oberweninger Geschwister jagen bald wieder querfeldein Podestplätzen nach – und übernehmen nach den Rennen immerhin das Vorwaschen selbst. Bild: Madeleine Schoder

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Ein Saubermann ist er nicht, dieser Timon Rüegg. Und auch für seine Schwester Noemi gilt je schmutziger desto besser. Die beiden Geschwister sitzen zu Hause in Ober weningen nebeneinander in der warmen Abendsonne und bekunden einhellig: „No mud, no glory» – ohne Dreck, kein Ruhm. Im Hintergrund ist ein kurzes Lachen zu hören. Timon schaut zu seiner Mutter und bemerkt grinsend: «Also komm, Vorwaschen tun wir immerhin selbst.»

Die schmutzigen Kleiderberge werden sich in der Waschküche der Rüeggs in Kürze wieder auftürmen – womöglich höher als je zuvor, denn Timon und Noemi Rüegg starten Mitte September in die neue Radquer-Saison, Timon dabei erstmals als Elite-Fahrer. Nachdem der 19-jährige diesen Sommer seine Lehre als Schreiner abgeschlossen hat, ist für ihn der Zeitpunkt gekommen, um sich für ein paar Monate ganz auf den Sport zu konzentrieren. «Irgendwann werde ich dann wieder arbeiten», erklärt er mit einem Schmunzeln, «am liebsten fünfzig Prozent». Timon Rüegg ist bei aller Hingabe für seinen Sport auch Realist und darum weiss er, dass es sich in der Schweiz alleine vom Querfahren kaum leben lässt. Zwar gibt es in den Radquer-Hochburgen Belgien oder Holland Profi-Teams, doch die würden ihm sicher nicht den roten Teppich ausrollen, bemerkt er trocken.

100 Franken für Debütanten

Was für Timon Rüegg schwierig werden wird, bleibt für seine jüngere Schwester Noemi wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Frauen sind in der Randsportart Radquer eine Randgruppe, Profi-Fahrerinnen gibt es nicht, jedenfalls sind denn Rüeggs keine bekannt. In der vergangenen Saison sind in der Kategorie U15 insgesamt fünf junge Frauen gestartet, Noemi Rüegg eingerechnet. «Wir fahren mit den Jungs, einfach etwas zeitversetzt», erklärt sie. Podestplätze werden bei den Anfängern mit Realpreisen belohnt, meist ist es Velozubehör, das Noemi Rüegg gut gebrauchen kann. Für Timon Rüegg gab es in der Kategorie B bisher auch nicht viel mehr zu holen. Das wird im Kreis der Elite nun etwas anders sein. Der Sieger kassiert in Elite-Rennen hierzulande immerhin rund 2000 Franken Preisgeld, bis zum 30. Platz gibt es Prämien, hinzu kommt das Startgeld. Für Timon Rüegg als Debütant sind das immerhin 100 Franken pro Rennen. Der Neo-Profi lacht und meint: «Das ist doch was. Bisher habe ich dafür bezahlt, dass ich fahren darf.»

Trotzdem: Geld ist kaum der Grund, wieso die Rüeggs bald wieder Sonntag für Sonntag querfeldein Jagd auf Podestplätze machen. Es ist die Leidenschaft, die sie antreibt, die Herausforderung auch die schlammigsten Steilhänge heil hinunter zu kommen und die Faszination dafür, als Einzelkämpfer nicht nur den Gegnern zu trotzen, sondern gleichermassen auch Wind und Wetter die Stirn zu bieten. «Natürlich ist es nicht angenehm, wenn man bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt Finger und Zehen nicht mehr spürt», gibt Timon zu. Gleichzeitig sind es aber gerade diese Extremsituationen die den Reiz des Radquersports für ihn ausmachen – und ihn einst dazu bewogen haben, seine Fussballschuhe an den Nagel zu hängen.

Bergfloh mit Biss

Sein Engagement im FC Niederweningen hat Timon Rüegg auch aufgegeben, weil er gemerkt hat, dass er mehr Einzelkämpfer denn Teamsportler ist. Er habe Mühe damit, abhängig zu sein von den Fähigkeiten und dem Formstand anderer, gibt er zu. Während er selbst vor fünf Jahren umgesattelt hat, wechselte seine Schwester Noemi erst vergangene Saison von der Leichtathletik zum Radquer «Timi ist sehr hilfsbereit, er hat mir alles gezeigt», sagt sie über ihren Bruder – und hängt mit leicht verlgenem Grinsen an: «Und er kann super mein Velo reparieren.» Die Obenstufenschülern, die später gerne einmal als Praxisassistentin bei einem Sportarzt oder als Drogistin arbeiten würde, trainiert wie ihr Bruder täglich. Mit dem Schulweg nach Niederweningen legt sie die Basis, zwei- bis dreimal pro Monat ist sie mit ihrem Bruder unterwegs, ansonsten mit der Radgruppe des VC Steinmaur.

Noemi Rüegg ist eine Bergfloh mit Biss. Klein, fein und wendig kraxelt die 14-jährige leichter Pedale die Hänge hoch und sagt darum auch mit leisem Stolz: «Hinauffahren ist ganz klar meine Stärke.» Anders liegt die Sache bei ihrem Bruder, der seine Vorteile meist dann herausfährt, wenn es wieder hinunter geht. «Ich bin technisch stark und kann mich gut konzentrieren», sagt er. Und wer keine Fehler macht, hat auf einer technisch anspruchsvollen Abfahrt die Nase vorn.

Herantasten an die Elite

Dass es Timon Rüegg in seiner ersten Radquersaison im Feld der Elite, zu dem auch Lukas Müller und Fabian Leinhard, seine erfolgreichen Vereinskollegen vom VC Steinmaur gehören, bereits zu einem Podestplatz reichen wird, gilt eher als unwahrscheinlich. Er selbst rechnet jedenfalls nicht damit. «Es ist für mich aktuell schwierig einzuschätzen, wo ich stehe.» Darum wolle er sich erst einmal Zeit lassen, um sich an den höheren Rhythmus zu gewöhnen.

Noemi Rüegg hingegen hat fest vor, auch heuer wieder aufs Treppchen zu steigen, am liebsten natürlich in der Mitte wie im vergangenen Januar in Aigle. An den Schweizermeisterschaften sass sie bei Schlamm, Sturm und klirrender Kälte im Rennen der U15 fest im Sattel - und stand zum Schluss ganz oben. «Das war mein bisher schönstes – und dreckigsters Rennen», erzählt sie lachend. Übrigens: Die Geschwister Rüegg haben noch einen Bruder, Silas, siebzehnjährig, Skateboarder – mit Velos hat er nichts am Hut und Schlamm ist so gar nicht seine Sache.

Erstellt: 03.09.2015, 16:49 Uhr

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