Kloten

Die Weltmeisterin und der Taktikfuchs

Die dreifache schwedische Weltmeisterin Linn Lundström vom UHC Dietlikon und ihr Partner David Jansson, Schweizer Männer-Nationaltrainer, sind 2015 in Kloten gelandet.

Mutig spielen und nicht zu viel nachdenken: Linn Lundström hat eine klare Vorstellung, wie Dietlikon im Superfinal gegen Chur auftreten muss. Der Schweizer Männer-Nationaltrainer David Jansson, hört seiner Partnerin aufmerksam zu.

Mutig spielen und nicht zu viel nachdenken: Linn Lundström hat eine klare Vorstellung, wie Dietlikon im Superfinal gegen Chur auftreten muss. Der Schweizer Männer-Nationaltrainer David Jansson, hört seiner Partnerin aufmerksam zu. Bild: Balz Murer

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Im gemeinsamen Interview sprechen sie über ihre Zeit in der Schweiz, das schwedische Sportlerleben und den bevorstehenden Unihockey-Superfinal am Samstag in ihrer neuen Wahlheimat Kloten.

Linn Lundström, es gibt die ­Anekdote, dass Ihr Partner David Jansson seinen 35. Geburtstag gleich zweimal mit Ihnen feiern durfte, weil Sie sich das erste Mal im Datum geirrt hatten?…

Linn Lundström: Ja das stimmt. (lacht) David Jansson: Als sie mir gesagt hat, ich solle mir den 6. März ­reservieren, war das noch nichts Aussergewöhnliches, wir mögen Überraschungen. Im Verlaufe des besagten Tages habe ich dann aber schnell gemerkt, dass sie denkt, dass ich Geburtstag habe.

Sie schmunzeln. Wann haben Sie das Missverständnis denn ­geklärt?

Jansson: Als sie mir mein Geschenk überreichen wollte. Da es kein exaktes Datum gibt, an dem wir als Paar zusammengekommen sind, ist der 6. März jetzt unser Tag. Zehn Tage später feiere ich dann Geburtstag. Was Linn gar nicht weiss, ist, dass mir ein Jahr zuvor fast dasselbe passiert wäre.

Lundström: Wirklich? Das hast du mir nie gesagt.

Jansson: Ich habe zum Glück noch einen «Doublecheck» gemacht vorher.

Ich hoffe, der ist für den Super­final auch geplant?…

Lundström: Ich werde da sein. (lacht)

Der 30. April ist also der Stichtag. Linn Lundström, Sie haben bereits drei Weltmeistertitel mit Schweden geholt, aber noch nie in einem Superfinal gespielt. ­Dafür mussten Sie anscheinend zuerst in die Schweiz kommen?…

Lundström: Sieht ganz danach aus. Letztes Jahr bin ich mit Pixbo im Halbfinal gegen Mora in einer engen Serie ausgeschieden. Diese Saison hat Pixbo nun im Final gegen Mora gewonnen und ist Meister geworden. Ich kann dafür jetzt in der Schweiz meinen ersten Meistertitel holen. Ich freue mich sehr auf diesen Superfinal mit Dietlikon.

Wie war Ihre Reaktion, als David Jansson Ihnen vor gut einem Jahr von einem möglichen Engagement als Schweizer Nationalcoach erzählt hat?

Lundström: Die Entscheidung, in die Schweiz zu gehen, ist mir nicht schwergefallen. Ein Auslandaufenthalt war bei uns schon länger ein Thema.

Jansson: Wir hatten beide eine Auslandklausel in unseren Verträgen mit Pixbo, ich als Trainer der Männer, Linn als Spielerin. Ich hatte bereits mit Schweizer NLA-Klubs verhandelt, seriös sind unsere Pläne aber erst mit der Anfrage des Verbandes geworden. Für mich war es eine Win-win-Situation: Entweder ich gehe in die Schweiz, was ich nach meinen zwei Jahren bei ­Köniz gerne nochmals tun wollte, oder ich bleibe in Göteborg, behalte meinen Trainerposten bei Pixbo und unterrichte weiter am Unihockeygymnasium. Darum durfte Linn entscheiden.

Und Sie hat sich entschieden. Für die Schweiz und schliesslich für den UHC Dietlikon. Warum?

Lundström: Ich hatte mit einigen Schweizer Vereinen Kontakt, vorab auch mit Chur und den Red Ants. Aber bei einem solchen Entscheid vertraue ich auf mein Gefühl. Und das war bei Dietlikon am besten. Der Verein hat einen professionellen Auftritt und die Leute haben sich sehr bemüht.

Jansson: Die Nähe zu Zürich hat sicher auch eine Rolle gespielt. Wir waren verwöhnt in Göteborg, haben mitten in der Stadt gewohnt. Das wollten wir wieder, diesen engen Bezug zu einer schönen, grossen Stadt. Es gefällt uns hier, im Zürcher Unterland.

So sehr, dass aus den geplanten zwei Jahren mehr werden ­könnten?

Jansson: Das ist schon möglich, aber schwierig zu sagen momentan. Bevor wir hierher gekommen sind, haben wir uns gedacht, wie schön es auch sein wird, zwei Jahre reichen. Auch wenn wir unsere Zukunft noch immer in Schweden sehen, jetzt denken wir anders. Wir fahren gerne Inline, Velo, Ski, die Möglichkeiten hier sind grossartig. In der Schweiz erleben wir einen richtigen Sommer und einen richtigen Winter, in Schweden, so dünkt es mich, gibt es nur Frühling und Herbst. Wir können uns gut vorstellen, länger zu bleiben, aber momentan leben wir im Hier und Jetzt.

Aber für Unihockeyaner ist doch Ihre Heimat im Vergleich mit der Schweiz ein Schlaraffenland. In Schweden gibt es viermal so viele Lizenzierte als hierzulande, Unihockeygymnasien und Weltmeistertitel zu gewinnen?…

Jansson: Schweden ist ohne Frage das beste Unihockeyland der Welt. Aber die Herausforderungen liegen in der Schweiz. Ich weiss, dass ich auch als schwe­discher Nationaltrainer im Gespräch war. Aber hätte ich wählen dürfen, mein Entscheid wäre sowieso zugunsten der Schweiz ­ausgefallen. Ich mag es, wenn ich etwas aufbauen, aus einer Aussenseiterposition agieren kann. Und ich sehe viel Potenzial, die Schweizer sind fleissig und loyal.

Und worin besteht für Sie der sportliche Reiz in der Schweiz, Linn Lundström?

Lundström: Ich bin hier zu einer besseren Spielerin geworden. In Schweden war ich eher defensiv eingestellt. In der Schweiz konnte ich meine offensiven Qualitäten weiterentwickeln. Weil wir mit Dietlikon das Spiel oft kon­trollieren, kann ich mehr mit dem Ball machen und ausprobieren.

Hier trainieren viele Unihockeyvereine – und zumindest bei den Frauen auch Nationalligateams – spätabends, weil, etwas überspitzt formuliert, die Halle vorher von den Fussballklubs fürs Wintertraining gebucht ist. Das sagt einiges über den Stellenwert von Unihockey in der Schweiz aus.

Lundström: Die Trainingszeiten sind durchaus ein gutes Beispiel. Mit Pixbo konnten wir um 17 bis 19 Uhr trainieren, also zur besten Feierabendzeit.

Jansson: Unihockey geniesst in Schweden eindeutig den höheren Stellenwert als hier. Aber das betrifft nicht nur unsere Sportart, das Ansehen des Sports ganz allgemein ist in Schweden grösser. Für die «Euro Floorball Tour» in Lausanne, die am vergangenen Wochenende stattgefunden hat, haben mir zwei Nationalspieler wegen ihres Studiums absagen müssen. Das wäre mir in Schweden nie passiert. Der Professor würde sagen: «Hey, Nationalteam, toll, dann kannst du die Prüfung nächste Woche machen.» In Schweden geht man fürs Trainings auch mal eine Viertelstunde früher von der Ar­beit, weil es akzeptiert ist, Sportler zu sein. In der Schweiz sind die Menschen fleissiger. Aber es ist schwieriger, Sport und Arbeits­leben zu vereinbaren.

Die nordischen Nationen, namentlich Schweden und Finnland, stellen auch jene Teams, an denen sich die Schweizer Equipen immer wieder die Zähne ausbeissen. Was muss passieren, damit die Schweizer auch gegen diese Spitzenteams wichtige Siege landen können?

Jansson: In meiner Zeit als Na­tionaltrainer haben wir dreimal gegen Finnland gespielt und einmal gewonnen, das letzte Spiel am vergangenen Wochenende ging zudem erst im Penaltyschiessen verloren. Diese Resultate waren ein wichtiges Zeichen. Jetzt kommt nämlich eine junge Generation, die in der Lage ist, auf dem Feld eigene Entscheidungen zu treffen, eine, die nicht mehr nur nach System spielt. Ich habe den Eindruck, in der Schweiz vertraut man noch zu stark auf ein System. Meine Spielphilosophie handelt aber mehr davon, das Spiel zu lesen, Möglichkeiten zu erkennen und spontan Entscheidungen zu treffen.

Lundström: Aufholen können die Schweizerinnen beim Tempo. In Schweden ist die Konkurrenz grösser, man muss sicher härter trainieren, um top zu sein. Zudem besteht hier in der Schweiz eine grössere Spanne zwischen der besten und schlechtesten Spielerin eines Teams, genauso wie zwischen dem besten und schlechtesten Team einer Liga. Was ich aber schnell bemerkt habe: Die besten Spielerinnen in der Schweiz, die sind Weltspitze.

Und sie werden am Samstag in der Swiss-Arena auflaufen. Der Superfinal ist ein Import aus Schweden. Haben die Schweizer damit ein gutes Produkt eingeflogen?

Jansson: Ja, man sollte keine Angst haben, «Copy-and-paste» zu machen, wenn man das eigene Produkt optimieren kann. Sportlich ist es langfristig nicht okay, wenn man in einem Playoff-Final nicht über sieben Spiele gehen kann. Aber im Moment passt das Konzept gut. Es braucht ein ­Unihockeyfest, um unsere Sportart ins Rampenlicht zu rücken, und die Teams müssen lernen, am Tag X um die Wurst zu spielen.

Linn Lundström, damit Dietlikon am Samstag den Pokal in die ­Höhe stemmen kann, muss Ihr Team zuerst seine epische ­Niederlagenserie gegen Piranha Chur beenden. Vier Finalpleiten in den vergangenen vier Jahren stehen zu Buche. Ich nehme an, Sie kennen die Geschichte?

Lundström: Ja. Aber es ist gut, dass ich das Gefühl nicht kenne, gegen Chur wichtige Spiele zu verlieren. Ich freue mich auf den Final, bin unbelastet. Und ich denke, dass wir eine gute Chance haben. Wir haben diese Saison den Super-Cup gegen Chur und den Cup gegen die Red Arts gewonnen. Zudem haben wir in der Meisterschaft zwei von drei Partien gegen Chur für uns entschieden. Diese Siege geben uns ein gutes Gefühl.

David Jansson, Sie gelten als ­Taktikfuchs. Haben Sie Ihrer Partnerin schon Tipps gegeben, wie Dietlikon Chur packen kann?

Jansson: Auch wenn das die Leute vielleicht denken, wir reden nicht so viel über Unihockey. Wir haben einen Deal: Linn bekommt von mir nur Feedbacks oder Tipps, wenn sie danach fragt. Natürlich, Taktik interessiert mich, aber dieses Finalduell ist zuvorderst eine emotionale Sache. Sieger wird jenes Team, das es liebt, auf dem Feld die Führung zu übernehmen.

Lundström: Wir werden mutig spielen. David hat mir persönlich sehr dabei geholfen. Früher habe ich zu viel nachgedacht auf dem Feld.

Jansson: Kurz gefasst: Es ist besser, einen Penalty zu verschiessen, als nicht zu schiessen.

Sie wohnen in Kloten, einen Katzensprung vom Schluefweg entfernt. Waren Sie diesen Winter schon mal in der Swiss-Arena?

Jansson: Ja, wir haben uns das Eishockeyduell Kloten – Lugano angeschaut. Und die Kloten Flyers haben sogar gewonnen. (lacht) Die Stimmung war gut, aber ich sehe lieber Unihockey in der Swiss-Arena.

Übermorgen ist es so weit. ­Welche Teams werden am Ende des Tages den Pokal in den Händen halten? Chur oder Dietlikon? Köniz oder GC?

Lundström: I go für GC. Und bei den Frauen glaube ich an uns.

Jansson: Dietlikon, ganz klar. Bei den Männern gebe ich keinen Tipp ab.

Von Göteborg ins Zürcher Unterland

Die 29-jährige Verteidigerin Linn Lundström holte mit Schweden bereits drei Weltmeistertitel, auf Vereinsebene blieb ihr der grosse Coup bislang allerdings verwehrt. Das könnte sich am Samstag ändern: Lundström spielt mit dem UHC Dietlikon im Superfinal um den Schweizer-Meister-Titel. Vor ihrem Wechsel zum Glattaler NLA-Klub war sie beim schwedischen Spitzenklub Pixbo Wallenstam bei Göteborg unter Vertrag. Aktuell wohnt Lundström mit ihrem Lebenspartner David Jansson in Kloten. Der 35-Jährige amtet seit einem Jahr als Coach der Schweizer Männer-Nationalmannschaft und arbeitet als Ausbildungschef für Swiss Unihockey. Sein Vertrag ist auf zwei Jahre befristet. Als Spieler hat Jansson seine Karriere bereits mit 26 Jahren beendet und hinter die Trainerbande gewechselt. Zuletzt trainierte er das Männerteam von Pixbo Wallenstam. Von 2009 bis 2011 hatte Jansson den Trainerposten beim NLA-Team Köniz inne.

Superfinal

Die 29-jährige Verteidigerin Linn Lundström holte mit Schweden bereits drei Weltmeistertitel, auf Vereinsebene blieb ihr der grosse Coup bislang allerdings verwehrt. Das könnte sich am Samstag ändern: Lundström spielt mit dem UHC Dietlikon im Superfinal um den Schweizer-Meister-Titel. Vor ihrem Wechsel zum Glattaler NLA-Klub war sie beim schwedischen Spitzenklub Pixbo Wallenstam bei Göteborg unter Vertrag. Aktuell wohnt Lundström mit ihrem Lebenspartner David Jansson in Kloten. Der 35-Jährige amtet seit einem Jahr als Coach der Schweizer Männer-Nationalmannschaft und arbeitet als Ausbildungschef für Swiss Unihockey. Sein Vertrag ist auf zwei Jahre befristet. Als Spieler hat Jansson seine Karriere bereits mit 26 Jahren beendet und hinter die Trainerbande gewechselt. Zuletzt trainierte er das Männerteam von Pixbo Wallenstam. Von 2009 bis 2011 hatte Jansson den Trainerposten beim NLA-Team Köniz inne.

Erstellt: 27.04.2016, 21:22 Uhr

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