Zum Hauptinhalt springen

«Dietlikon ist nicht übermächtig»

Im NLA-Playoff- Halbfinal der Frauen treffen ab morgen Samstag die beiden Erzrivalen Dietlikon und Red Ants Winterthur aufeinander. Ins Feld geführt werden die ­roten Ameisen von Céline Chalverat, die in Dietlikon gross geworden ist.

Immer die Mitspielerinnen und das Gesamtwohl des Teams im Blick – die Dietlikerin Céline Chalverat (vorne) geht seit 2013 für Erzrivale Red Ants ­Rychenberg Winterthur auf Torjagd.
Immer die Mitspielerinnen und das Gesamtwohl des Teams im Blick – die Dietlikerin Céline Chalverat (vorne) geht seit 2013 für Erzrivale Red Ants ­Rychenberg Winterthur auf Torjagd.
Urs Kindhauser

Im Interview mit dem »Zürcher Unterländer» spricht Céline Chal­verat über das bevorstehende Duell, erklärt warum sie nicht zu ihrem Stammverein Dietlikon zurückkehren wird, und verrät, wie sie zum Spitznamen «Mutter Teresa» kam.

Céline Chalverat, wie oft hat sie Dietlikons Sportchef Sascha Brendler in den vergangenen Wochen angerufen?

Céline Chalverat: Das waren gar nicht so viele Anrufe, vielleicht vier. Und nur dann wenn wir das vorher auch so abgemacht hatten. Wir haben sehr ehrliche Gespräche geführt.

Das klingt jetzt nicht unbedingt, als würden Sie zum UHC Dietlikon zurückkehren?

Nein, ich habe mich definitiv dagegen entschieden. Ich weiss noch nicht, was ich nächste Saison machen werde. Ziemlich sicher bleibe ich in Winterthur, ­womöglich höre ich ganz auf mit dem Unihockey. Ein Wechsel aber kommt für mich nicht in Frage.

Und das jetzt, wo doch die von Ihnen verabscheuten Röckchen, mit denen die Dietlikerinnen lange Jahre gespielten haben, nicht mehr zur Garderobe ­gehören . . .

Stimmt, das würde definitiv für Dietlikon sprechen. (lacht) So auch die neue Halle, die in Kloten gebaut wird. Ich wohne gleich daneben. Einmal umfallen und ich wäre im Training. Doch nach meinem Rücktritt aus der Nati letztes Jahr haben sich meine Prioritäten verschoben. Ein Vereinswechsel würde einen zusätzlichen Effort bedeuten, den ich nicht mehr auf mich nehmen möchte. Zudem fühle ich mich in Winterthur sehr wohl, der Verein ist sehr familiär und sportlich ambitioniert.

Mit Dietlikon haben Sie noch im Juniorinnenalter den Meister­titel geholt und im Europacup gespielt. Wäre es nicht reizvoll, jetzt als Routinier, nochmals um Titel zu spielen?

Doch natürlich. Darum stehe ich jetzt auch mit Winterthur im Halbfinal. (lacht) Ich bin überzeugt, dass wir das auch mit Winterthur erreichen können.

2013 sind Sie von Dietlikon nach Winterthur gegangen. Das war ein bisschen so, als würde ein Fussballer von Real Madrid zum Rivalen nach Barcelona wechseln. Wie waren die Reaktionen damals?

In Winterthur natürlich positiv. Auf Dietliker Seite hat es sicher kritische Stimmen gegeben. Das war aber nicht nur schlecht, denn die Reaktionen haben mir auch gezeigt, dass ich für den Verein wichtig war. Aber einige Aussagen waren schon heftig. Gewisse Mitspielerinnen haben meinen Wechsel beispielsweise als «Verrat» bezeichnet.

Sie zogen sozusagen als Lehrling aus Dietlikon fort und sind dann in Winterthur innerhalb von knapp zwei Jahren zum Captain aufgestiegen. Sind Sie als ­Sekundarlehrerin prädestiniert für diese Rolle?

Ja, es kann durchaus sein, dass es da Parallelen gibt zwischen meinem Beruf und dem Captainamt. Ich trage gerne Verantwortung für andere. Die Captainbinde ist für mich keine zusätzliche Belastung, ich trage sie gerne und es ist für mich eine Ehre. Ich bin der Meinung, dass der Captain nicht die beste Spielerin auf dem Feld sein muss, sonst würde ich die Binde nicht tragen. Andere Qualitäten sind gefragt.

Welche bringen Sie mit?

Ich kann die Mitspielerinnen gut motivieren, ich bin ein positiver Mensch und zeige meine Emotionen, das verschafft Glaubwürdigkeit. Auch vor einer Gruppe zu sprechen, fällt mir leicht. Und ich glaube zu spüren, wenn es jemandem nicht gut geht. In der Nationalmannschaft haben sie mich deswegen «Mutter Teresa» genannt. Und das war nicht nur positiv gemeint. Sie wollten damit sagen, dass ich auch auf mich selber schauen muss und nicht nur darauf, was rundherum passiert.

Wäre eine ähnliche Entwicklung für Sie in Dietlikon möglich ­gewesen?

Ich denke eher nicht. Jedenfalls sicher nicht so schnell. Vieles hängt ja auch mit der Teamkon­stellation zusammen. Und in Dietlikon hat es seinerzeit Spielerinnen gegeben, die als Captain besser geeignet waren als ich. Aber Captain zu werden, war sowieso in keinem der Vereine mein Ziel. Ich wollte mich vor allem spielerisch und taktisch weiterentwickeln und meinen Juniorinnen-Status abgeben: Gründe, weshalb ich mich damals für einen Wechsel entschied.

Sie kennen nun beide Vereine gut. Gibt es Mentalitätsunterschiede zwischen den Erz­rivalen?

Ja, was mir sofort aufgefallen ist: In Winterthur ist es familiärer, alles etwas kleiner. Ein Beispiel: Die erste GV, die ich in Winterthur besucht habe, hat in einem alten Dachstock stattgefunden, jeder hat etwas zum Apéro bei­gesteuert. In Dietlikon fand die Zusammenkunft in einer grossen Mehrzweckhalle statt. Der Erfolgshunger aber ist an beiden Orten derselbe.

Sie blicken mit Winterthur auf eine schwierige Qualifikationsphase zurück. Ihr Team hat sich vom letzten Tabellenplatz nach dem Jahreswechsel immerhin bis auf Platz 4 vorgekämpft. Wieso ist es anfangs so schlecht gelaufen?

Wir hatten in der Vergangenheit eindeutig zu viele Trainerwechsel in Winterthur. Jede Saison mussten wir uns auf eine neue Führung einstellen, da hat es ­keine Kontinuität gegeben. Zum ­Saisonstart waren wir auf dem Papier weniger stark besetzt als im Jahr zuvor. Dann sind nach wenigen Spielen zwei Verteidigerinnen verletzt ausgefallen. Ich habe dann zwei Monate lang in der Defensive gespielt. Es war eine schwierige Phase für unser Team. Und für mich persönlich auch.

Als Stürmerin ist Tore verhindern nicht eben Ihre Berufung . . .

Ganz und gar nicht. Das musste ich jetzt auch feststellen. Die Rolle als Verteidigerin entspricht überhaupt nicht meinen Fähigkeiten.

Wieso haben Sie diese dann ­angenommen?

Ich habe mich angeboten. Ich wollte helfen und habe mir gedacht, ich spiele jetzt seit 17 Jahren Unihockey, das kriege ich schon hin. Das war dann nicht der Fall. Ich hätte wohl besser den Mund gehalten. (lacht)

Seit Jahresbeginn haben sich die Red Ants kontinuierlich ­gesteigert. Was hat geholfen?

Nachdem unsere Schwedin Johanna Dahlin verletzt ausgefallen war, hat sie das Amt der Assistenztrainerin übernommen. Sie und unser Chefcoach Felix Coray harmonieren gut. Meistens sieht einer das Problem und der andere die Lösung. Das hat uns weitergebracht. Dann gab Andrea Kern ihr Comeback, sie weiss, wie man Spiele gewinnt. Ihre Erfahrung ist für uns sehr wertvoll. Und schliesslich ist mit Tanja Bühler eine starke Verteidigerin aus Schweden zurückgekehrt.

Trotz aufsteigender Formkurve: Im Playoff-Halbfinal bleibt Winterthur Aussenseiter. Dietlikon ist das einzige Team, das die Red Ants in dieser Saison nie ­geschlagen haben. Alles andere als ein Dietliker Sieg wäre eine grosse Überraschung. Oder ­sehen sie das anders?

Die Favoritenrolle liegt klar bei den Dietlikerinnen, das sehe ich auch so. Unsere Duelle sind im Verlauf der Saison aber immer ausgeglichener geworden. Das letzte Meisterschaftsspiel haben wir zwar 2:4 verloren, ich hatte aber den Eindruck, dass wir auf Augenhöhe spielten. Dietlikon ist nicht übermächtig. Wir müssen es schaffen, ihre Defensive zu knacken. Die Linie mit Laura Mertsalmi und Linn Lundström ist unglaublich gut, und Monika Schmid im Tor sowieso.

Haben Sie sich für das Halbfinalduell schon einen Glücksbringer besorgt?

Einen offiziellen habe ich nicht. Aber ein inoffizieller ist mir vor dem letzten Spiel gegen Emmental Zollbrück ausgeliehen worden. Ich sage jetzt nicht, was es ist, man sieht es auf dem Feld sowieso sofort.

Verraten Sie es doch!

(Lacht) Eine pinkfarbene Captainbinde. Richtig «gruusig», sie passt überhaupt nicht zu unserem roten Dress.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch