Embrach

Durch Krisen zum 100-km-Glück

Der Embracher Richard Tonolla startet morgen Freitagabend in der Bieler «Nacht der Nächte» zur Schweizer Meisterschaft über die Königsdistanz – mit einer Vision vor Augen.

Der Embracher Richard Tonolla geniesst die sportliche Herausforderung des 100-km-Laufes in Biel, aber auch die vielen Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke.

Der Embracher Richard Tonolla geniesst die sportliche Herausforderung des 100-km-Laufes in Biel, aber auch die vielen Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke. Bild: Picasa

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Richard Tonolla bezeichnet sich als Genussläufer. Er läuft, läuft im Mittelland und in den Bergen - und er läuft an grossen Rennen mit der Filmkamera. So lassen sich Gefühle, Stimmungen und Besonderheiten festhalten. Eindrückliche Sequenzen sind dabei entstanden, zum Beispiel bei seiner Teilnahme am 100-km-Lauf in Biel, am Irontrail Davos oder am Eiger Ultra Trail. Die Annahme, Tonolla gehe es in diesen Ultra-Prüfungen nicht um die Leistung, ist aber falsch. Der 60-Jährige sucht nach beidem: Erlebnis und Leistung.

Die «Nacht der Nächte», wie der Slogan des Bieler Hunderters lautet, nimmt er morgen Freitagabend um 22 Uhr erneut in Angriff, zum neunten Mal bereits. «Ich bin einst einen Marathon gelaufen und habe dabei festgestellt, dass mir die 42,195 km nicht wirklich das bieten, was mich reizt.» 2003 wandte sich der ehemalige Fussballer, der erst mit 42 Jahren dank seiner Frau Margrit zum Laufen fand, den 100 km zu. Nun sagt er: «Ich bin drangeblieben, und bin wohl laufsüchtig.»

Intime, stille Momente

Die besondere Ambiance, die anfängliche Hochstimmung mit Jubel und Trubel am Strassenrand, die Hotspots entlang der Strecke mit Musik, Applaus und persönlichen Kontakten im Wechsel mit dem Alleinsein, der Dunkelheit, der Einsamkeit, streicht er als Bieler Pluspunkte heraus. Aber ebenso das persön­liche Erleben der vielen Wettkampfstunden, die Worte und den wortlosen Kontakt mit den andern Läuferinnen und Läufern wie auch mit seiner Frau, die ihn auf den vorgegebenen Teilstücken auf dem Velo begleitet. «Für mich sind wir wie eine grosse Familie: Man kennt sich, redet miteinander, unterstützt sich. Es gibt aber auch sehr intime, stille Momente.»

Kontrolle durch den Kopf

Zentral ist für Richard Tonolla die Auseinandersetzung mit sich selber. Leiden gehöre bei einem solchen Rennen dazu. «Bis etwas über die Hälfte der Distanz läuft es sich meist ziemlich rund», berichtet er, «aber dann beginnt es langsam wehzutun.» An die Muskeln in den Beinen denkt er vor allem, aber je nachdem auch an den Rücken und den Rumpf. Dazu kommt die Müdigkeit. «An den Verpflegungsstationen würdest du am liebsten hinsitzen, dich hinlegen», verrät er aus seinem Innenleben. Da gelte es, dagegenzuhalten: «Je länger unterwegs, desto mehr muss der Kopf die Kontrolle über den Körper übernehmen.» Dieses Durchbeissen und Entgegenhalten sind es denn auch, die laut Tonolla zum grossen Glück unterwegs und im Ziel beitragen. «An solchen Herkulesaufgaben kann man wachsen und Freude finden.» Im Zusammenhang mit dem 100-km-Lauf spricht er von «einer magischen Zahl», von «einer Distanz, die auch im Auto als weit empfunden wird». Da gelte es unterwegs immer wieder, die Müdigkeit abzuschütteln.

Nur ums Durchhalten und Ankommen geht es Tonolla aber nicht. Möglichst schnell sein will der Buchhalter, eine angesteuerte Zeit und einen stolzen Rang belegen. Bezüglich Platzierung sieht er heuer eine einzigartige Chance. Mit dem jüngsten Jahrgang neu in der Kategorie M60 startend, schätzt er: «Wenn alles stimmt, liegen ein SM-Podestrang und damit eine Medaille drin.»

Persönliche Bestzeit im Visier

Zeitlich traut sich Richard Tonolla zu, seine Bestzeit auf unter elf Stunden zu drücken. Dafür hat er sich zielgerichtet vorbereitet. In den vergangenen Monaten bewältigte er stets Wochenumfänge zwischen 60 und 120 km. Zwischen sechs und zehn Stunden investierte er für den Laufsport. Alles für «eine Nacht, die einzigartige und lang anhaltende Glücksgefühle auslösen soll».

100 km von Biel

Bereits zum 58. Mal werden in der Nacht auf Samstag die 100 km von Biel gelaufen. Um einen Klassiker handelt es sich, um einen Laufevent mit Pioniercharakter. «Die Nacht der Nächte» heisst sie nicht umsonst. Integriert sind Nachtmarathon, Halbmarathon sowie Kinder- und Genussläufe. Seit 2008 werden in Biel die Schweizer Meister im Ultramarathon erkoren. Die Streckenrekorde halten Peter ­Camenzind (Adliswil) mit 6:37:59 Stunden (1996) und Birgit ­Lennartz (D) mit 7:37:39 (1997). Letztes Jahr gewannen Bernhard ­Eggenschwiler (Büsserach) und Denise Zimmermann (Mels). (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 08.06.2016, 21:57 Uhr

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