Bassersdorf

Ein Bassersdorfer testet Grenzen aus

Nico van Duijn gibt gerne Vollgas. Als Spitzenschwimmer und als Student. Das nächste Ziel des Bassersdorfers ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Zuerst aber startet er an der Sommer-Universiade, die morgen in Südkorea beginnt.

Austrainiert: Der Bassersdorfer Nico van Duijn (rechts) will sich an der Universiade in Gwangju für die Olympischen Spiele 2016 in Rio qualifizieren.

Austrainiert: Der Bassersdorfer Nico van Duijn (rechts) will sich an der Universiade in Gwangju für die Olympischen Spiele 2016 in Rio qualifizieren. Bild: Keystone

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In 52.52 Sekunden legte der 1,87 m und 76 kg schwere Modellathlet am 15. Juli 2013 an der 17. Univeriade im russischen Kazan die 100 Delfin zurück. Damit schwamm Nico van Duijn einen Schweizer Rekord, der heute noch Bestand hat. Mit dieser Weltklasseleistung entflammte im Unterländer der Olympiatraum noch stärker. Der 24-Jährige will 2016 an die Sommerspiele von Rio de Janeiro. Doch zuvor muss er die hohen Selektionskriterien schaffen. Kann er am kommenden Mittwoch, 8. Juli, an der 18. Universiade im südkoreanischen Gwangju seinen Exploit von Kasan wiederholen, sind seine Chancen gut, in Rio dabei zu sein.

Traum Olympia 2016

Die Olympia-Qualifikation ist ein schwieriges Unterfangen. Trotzdem sagt Van Duijn in bestimmtem Ton: «Ich rechne mir an der Universiade in Gwangju realistische Chancen aus.» Sollte es in sechs Tagen in Südkorea nicht klappen, bietet sich ihm bereits zwei Wochen später an der Schwimm-WM in Kasan eine zweite Möglichkeit, das Ticket nach Rio zu lösen. Eine nächste Gelegenheit für die Olympia-Qualifikation würden für den Unterländer die Schweizer Meisterschaften im März 2016 sein.

Van Duijn muss allerdings nicht nur die Selektionszeit unterbieten, er muss ebenso schnellster Schweizer über 100 Delfin bleiben und vom Internationalen Olympic Committee (IOC) eingeladen werden. Dies geschieht nach Bereinigung der Weltrangliste. Normalerweise darf pro Nation pro Disziplin nur ein Athlet starten. Ausser zwei Schwimmer unterbieten die ganz schnelle Limite vom IOC, die sogenannte FINA-A-Limite – dann dürfen zwei Athleten aus dem gleichen Land in Rio starten.

Robotik-Fachmann an ETH

Van Duijn schwimmt nicht nur meist zweimal täglich, sondern dazu kommen Konditions- und Krafttraining. Weilt er nicht in den USA an seinem Studienort Atlanta oder in einem Trainingslager, wohnt er bei seinen Eltern in Bassersdorf und trainiert im Hallenbad Oerlikon.

Der Unterländer hat eine zweite grosse Leidenschaft: sein Studium. «Ich bin extrem Technik-begeistert», sagt er von sich. Nach der Matur am Kunst- und Sportgymnasium Rämibühl in Zürich 2010 und der Spitzensport-RS absolvierte er am Georgia Institute of Technology, einer hochkarätigen amerikanischen Universität, ein Studium der Elektrotechnik. Im Dezember dieses Jahres wird er mit dem Bachelor-Diplom abschliessen.

Wie bringt der Spitzensportler seinen zeitaufwändigen Sport und das extrem anspruchsvolle Studium zeitlich aneinander vorbei? «Das ist natürlich nicht immer leicht, aber ich glaube genau da liegt eine meiner grössten Stärken. Ich war schon immer ziemlich gut in diesem Balanceakt zwischen Zeitmanagement und Prioritäten setzen.» Zudem glaubt er, dass ihm das Training beim Lernen hilft, und umgekehrt. Es bilde einen Gegenpol, ein Gleichgewicht. Im nächsten Jahr wird der Bassersdorfer wieder vermehrt in der Schweiz weilen, weil er dann an der ETH Zürich einen Master Abschluss im Gebiet Robotik anstreben wird.

Suche nach Sponsoren

Der erst 24-jährige Nico van Duijn wird noch einige Jahre studieren. Weil der Schwimmsport finanziell nicht viel einbringt, hofft er, mit Sponsoren zukünftig seine Kosten decken zu können. Beim Thema Geld vergisst er indes nicht, das Schweizer Spitzensport-RS-Modell zu loben: «Ich bin immer noch im Gefäss für Spitzensport im Militär. Somit gelten Trainingslager und Wettkämpfe teilweise als WKs. Dann deckt der EO schon fast die Kosten für Schwimmanlässe ab.»

Die schwierigen Selektionslimiten für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro und seine momentan nicht perfekte finanzielle Situation beeinträchtigen die Gemütslage des talentierten Schwimmers und Studenten nicht stark. Der Athlet ist glücklich: «Wer so viel schwimmt wie ich, der schwimmt, weil er es cool findet.» Auch nimmt er sich selbst auf den Arm. «Ich bin der einzige in der Familie, der im Sport übertrieben hat ...», sagt er schmunzelnd.

Sein Vater war ursprünglich Holländer, lebt aber seit seinem vierten Lebensjahr in der Schweiz, seine Mutter ist Schweizerin. Seine ältere Schwester hat in Bern Sport und Biologie studiert. Seine ganze Familie sei sportbegeistert, aber ausschliesslich im Breitensport, klärt er auf.

Erstellt: 01.07.2015, 16:23 Uhr

Unterländer Vertreter

Drei weitere Athleten aus dem Unterland starten neben dem Bassersdorfer Schwimmer Nico van Duijn an der Sommeruniversiade in Gwangju (vom 3. Juli bis 14. Juli): Der Klotener Marco Lehmann gehört dem Schweizer Basketballteam an, die in Regensdorf wohnhafte Leichtathletin Robine Schürmann läuft über 400 Meter Hürden. Und der Schütze Jürg Ebnöther (Rümlang) will auch in Südkorea ins Schwarze treffen.?(red)

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