Bülach/Kloten

Eine Leidenschaft in vielen Facetten

Wenn Klotens Frauen heute Abend Opfikon zum Derby in der 1. Liga regional empfangen, wird Ekrem Gönültas die einheimischen Basketballerinnen als Coach unterstützen.

Coach Ekrem Gönültas erklärt den Klotener Frauen eine vielversprechende Taktik. Der Trainer von insgesamt elf Teams und sportliche Leiter des Basketball-Clubs Zürich Unterland (BBZU) ist auch als Schiedsrichter aktiv.

Coach Ekrem Gönültas erklärt den Klotener Frauen eine vielversprechende Taktik. Der Trainer von insgesamt elf Teams und sportliche Leiter des Basketball-Clubs Zürich Unterland (BBZU) ist auch als Schiedsrichter aktiv.

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Das Traineramt in der Flughafenstadt ist indes nur eine von zahlreichen Aufgaben des Bülachers, der für seinen Sport lebt. «Basketball ist mein A und O, ich liebe diesen Sport einfach», sagt Ekrem Gönültas gegen Ende des Gesprächs in der Lounge eines Klotener Hotels, «und wenn ich Kindern und Jugendlichen etwas davon weitergeben kann, macht mich das glücklich.» Normalerweise wäre er zur Zeit des Interviews freilich in Bülach in der Halle gestanden und hätte die U-17- und U-20-Junioren des dort ansässigen Klubs BBZU trainiert. Danach wäre er weitergefahren, um ab 20 Uhr in der Turnhalle des Klotener Schulhauses Spitz die Frauen des Erstligisten Kloten auf ihre letzten Partien der Saison vorzubereiten. «Ich konnte einen guten Ersatz organisieren», verrät Gönültas, «in Bülach haben wir zum Glück mehrere gut ausgebildete Coaches.»

Das hatte dem 39-Jährigen überhaupt erst ermöglicht, auf die aktuelle Spielzeit hin das Traineramt in Kloten zu übernehmen. Im Basketball-Club Zürich Unterland, kurz BBZU, den Gönültas im Dezember 2013 gemeinsam mit seiner Ehefrau Flurina und acht Basketball-Kollegen gegründet hatte, konnte er ein wenig kürzertreten. Was die blossen Resultate anbelangt, stellt das Engagement in der Flughafenstadt indes noch keine Erfolgsgeschichte dar. Mit null Punkten nehmen die Klotenerinnen den letzten Platz ein – ihr direkter Abstieg nach einer Saison in der dritthöchsten Liga ist schon seit längerem nicht mehr zu verhindern.

«Das Kader ist klein, und in Kloten gibt es nicht einmal eine zweite Mannschaft», erklärt Gönültas, «so konnten wir praktisch nie fünf gegen fünf trainieren.» Dazu sei enormes Verletzungspech mit langfristigen Ausfällen von Schlüsselspielerinnen gekommen. «So reicht es leider nicht für die 1. Liga, das muss man realistisch sehen.»

Der Boom in Bülach

Für das heutige Derby gegen die Opfikon Blue Wings um 20.30 Uhr in der unteren Turnhalle des Klotener Schulhauses Spitz setzt der Coach das Ziel denn auch bescheiden an: «Ich hoffe, dass wir diesmal besser besetzt sind und der Match enger entschieden wird als im Hinspiel.» Vor zwei Wochen unterlagen die Klotenerinnen in Opfikon mit 36:53.

Ein regelrechtes Erfolgsmärchen stellt dagegen der BBZU dar. Vor etwas über vier Jahren aus dem bereits bestehenden Nachwuchsverein Starkidz heraus entstanden, zählt der in Bülach beheimatete Klub heute schon weit über 155 Mitglieder, die in 16 Teams am Spielbetrieb teilnehmen. Die Starkidz, die gemässGönültas als Nachwuchssektion über eine eigene, vom Dachverein getrennte Kasse verfügen, sind weiter gewachsen. Und das Männer-Fanionteam, die BBZU Phantoms, ist seit dem Debüt in der Saison 2014/15 jedes Jahr um eine Spielklasse nach oben geklettert, ehe es heuer in der 1. Liga regional klar den Ligaerhalt erreichte. «Es boomt unglaublich bei uns, und so richtig erklären kann ich es mir selbst nicht, warum», meint Gönültas.

Zweifelsohne tragen der 39-jährige türkische Staatsbürger, der in Bülach zur Welt kam und aufwuchs, und seine Ehefrau Flurina mit ihrem Einsatz wesentlich dazu bei. Als Präsidentin ist sie neben der Führung und Repräsentation des Klubs auch für den Schriftverkehr und die Finanzen zuständig, während sich Ekrem Gönültas als sportlicher Leiter um Trainings- und Spielpläne kümmert, die Jugend-und-Sport-Kurse als Coach führt und selbst nicht weniger als zehn Teams trainiert. «Ich bin am besten in der Halle zu gebrauchen, meine Frau ist sehr gut bei allen schriftlichen Aufgaben», umschreibt er die Arbeitsteilung. Von Eltern der Juniorinnen und Junioren bekomme er denn oft die Rückmeldung, dass es im Verein bei aller Grösse so schön familiär zu- und hergehe. Freilich sieht Gönültas auch die Kehrseite: «Es ist bei uns wie in vielen anderen Sportvereinen auch: Man sieht immer dieselben Leute, die etwas machen.»

Mit einer Annonce fing alles an

Dabei fand Ekrem Gönültas einst durch puren Zufall zum Basketball. «Als ich 13 Jahre alt war, hat einer meiner älteren Brüder auf mich aufgepasst und mir gesagt: Heute Nachmittag musst du etwas machen, musst in einen Verein gehen», erzählt er. Ein Juniorentraining des FC Bülach sei eigentlich die erste Wahl gewesen. Doch es fiel aus, weil der dortige Trainer an diesem Tag erkrankt war.

Dank einer Zeitungsannonce wurden die Gönültas-Brüder dann aber auf das Nachwuchs-Training des damaligen Olympia Basket Regensdorf aufmerksam. «Manuel Castro, der heute wieder bei Phönix Regensdorf als Coach mithilft, hat es geleitet», erinnert sich Gönültas, «der Sport hat mich damals wirklich vom ersten Moment an gepackt, ich habe schnell erste Erfolge gefeiert, und Basketball ist bald zu meiner grossen Leidenschaft geworden. Aber wer weiss, was passiert wäre, wenn an dem Tag eine Annonce des Badminton-Clubs in der Zeitung gestanden wäre.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 10.04.2018, 17:39 Uhr

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