Regensdorf

Eine Spätstarterin dreht voll auf

Mit Selina Fehler sorgt ein neuer Name im LC Regensdorf für Schlagzeilen. Heute Freitag gibt die 19-Jährige ihr Debüt an den Schweizer Meisterschaften der Elite in Zofingen.

Selina Fehler (rechts) hängt auf dem Weg zum Sieg in Nottwil alle Konkurrentinnen ab.

Selina Fehler (rechts) hängt auf dem Weg zum Sieg in Nottwil alle Konkurrentinnen ab. Bild: Hanspeter Roos

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Irgendwie war dieses Finale bezeichnend für Selina Fehler. Vor zehn Tagen lief sie am Swiss Meeting in Nottwil ihr drittes 1500-Meter-Rennen überhaupt – und setzte sich prompt gegen nationale Konkurrentinnen mit beachtlichem Leistungsausweis hauchdünn durch. Quasi aus dem Nichts ist Selina Fehler aufgetaucht unter den besten Schweizer Mittelstreckenläuferinnen. Und das, obwohl ihr Wettkampfdebüt alles andere als aufbauend verlaufen war.

An den Schweizer-Cross-Meisterschaften im Winter 2017 nämlich kollabierte sie 500 Meter vor dem Ziel. Zwei Stunden lang lag sie anschliessend ohnmächtig im Sanitätsbereich. Bezeichnend war in diesem Zusammenhang die Frage der Unerfahrenen vor dem Rennen an die Coaches: «Was geschieht, wenn ich kämpfe, kämpfe, kämpfe. Ist es möglich, dass ich irgendwann in Ohnmacht falle?» Das sei ganz selten, versicherten ihr die Fachkräfte.

Im Furttal gut aufgenommen

Gebremst hat Selina Fehler dieser Zwischenfall nicht. Im vergangenen Sommer trat sie erstmals an Bahnwettkämpfen an. Am Ende der Saison stand die über 800 Meter mit 2:13,62 und über 1500 Meter mit 4:46 Minuten in den Ergebnislisten, als Läuferin des BTV Chur. Im Verein des Bündner Kantonshauptorts hatte sich Selina Fehler im Herbst 2016 gemeldet. Der Beweggrund für die damalige Gymnasiastin und begeisterte Joggerin: «Aus dem Fenster meines Internatzimmers habe ich immer die Läufer gesehen, die auf der Leichtathletikanlage Sand trainiert haben.» Sie hätten sie inspiriert, mit dem BTV in Kontakt zu treten. Die dortigen Coaches konnten ihr die Überzeugung, ausreden, dass sie «mit 18 sicher viel zu alt» sei.

Weil die Südbündnerin aus San Vittore nach der Matura den Numerus clausus für das Chiropraktikstudium bestand, schrieb sie sich an der Universität Zürich ein. Sie zog als Wochenaufenthalterin nach Zürich und schloss sich dem nahen LC Regensdorf an. Und siehe da: Der Wechsel führte rasch zum gewünschten Erfolg. «Hier habe ich Trainingspartnerinnen auf ähnlichem Level und ich profitiere von neuen Trainingsreizen», erzählt sie.

Dabei bringt sie das anspruchsvolle Studium mit den sechs bis sieben Trainingseinheiten pro Woche unter einen Hut. «Es gilt, Prioritäten zu setzen», sagt sie dazu. Morgens um 5.45 Uhr startet sie in einen «durchgetakteten Alltag», wie sie es nennt. «Jede Minute nutzen – das geht, wenn du etwas willst», sagt sie. So kocht sie zum Beispiel zweimal pro ­Woche vor, «Riesenmengen, für Znüni, Zmittag, Zvieri und Znacht». Ihre WG verlässt sie während des Semesters jeweils um 6 Uhr morgens. Am Abend nach dem Training kehrt sie zurück. Mit Lernen beendet sie in der Regel den Tag. Bis um 22.30 Uhr dauert er.

EM-Limite geknackt

Das herausfordernde Leben behagt Selina Fehler. «Ich will das Beste aus meiner Begabung herausholen», sagt sie. Damit meint sie den Sport genauso wie das Studium. Vom «Spass am Lernen» spricht sie in Bezug auf beide Sparten. Dabei eröffnen sich ihr im Sport immer wieder neue Perspektiven. Mit der 800-Meter-Bestmarke von 2:08:98 Minuten hat Fehler bereits die Limite für die U-23-Europameisterschaften des nächsten Jahres erfüllt. «Cool, wie es aufwärtsgeht», sagt sie dazu. Damit das so weitergeht, versucht sie, ihren Alltag zu optimieren. Ihre Teilzeitstelle in einer Arztpraxis in Zürich möchte sie darum auf das kommende Semester hin aufgeben – zur Entlastung und um Zeit für den Sport zu gewinnen. Um dies zu finanzieren, hat sie sich auf Sponsorensuche begeben.

Ihrem herausfordernden Alltag zum Trotz wirkt Selina Fehler überaus frisch. «Ich kann noch viel lernen, weiss nie, was kommt», sagt sie als mögliche Erklärung. Treffend ist die Aussage auch im Hinblick auf ihr Debüt an einer Elite-Schweizer-Meisterschaft von heute Freitag und Samstag in Zofingen. Einiges scheint dort möglich für sie. In der Schweizer Bestenliste nimmt sie über beide Mittelstrecken­distanzen bereits die Position 9 ein. «Ich bin gespannt und voller Vorfreude», sagt sie. Alle einheimischen Leichtathletikinteressierten dürfen es bei ihr auch längerfristig sein. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 12.07.2018, 22:35 Uhr

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