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Es geht noch schneller

Martina van Berkel, aktuell mit Maria Ugol­kova die beste Schwimmerin des Landes, will an der WM in Budapest ihren an den Olympischen Spielen in Rio aufgestellten Schweizer Rekord über 200 m Delfin knacken. Die Winklerin weiss, wie sie noch Zehntel gut machen kann.

Martina van Berkel will an der WM in Budapest ihr Potenzial nochmals in langen Zügen ausschöpfen. Wie es mit ihrer Karriere danach weitergeht, will die 28-jährige noch nicht verraten.
Martina van Berkel will an der WM in Budapest ihr Potenzial nochmals in langen Zügen ausschöpfen. Wie es mit ihrer Karriere danach weitergeht, will die 28-jährige noch nicht verraten.
Patrick B. Kraemer

Martina van Berkel, Sie hatten geplant, diesen Sommer Ihre Dissertation abzuschliessen. Werden Sie in Budapest bereits als frisch gebackene Doktorin in Publizistik auf dem Startblock stehen?

Martina van Berkel: Nein, noch schwimme ich ohne Titel. (lacht) Ich habe meine Arbeit letzte Woche am Lehrstuhl für Medien­ökonomie in Zürich abgegeben. Bis ich mich offiziell Doktorin nennen kann, dauert es noch eine Weile. Mitte September steht die Promotionsprüfung an. Erst wenn ich diese bestanden und meine Dissertation ver­öffentlicht habe, bekomme ich auch den Titel.

Konnten Sie sich im Endspurt Ihrer Doktorarbeit überhaupt gezielt auf die WM vorbereiten?

Die Doppelbelastung war in der Tat gross. Mein Ziel war es, die Arbeit noch vor der WM abzugeben, damit ich in Budapest ­befreit antreten kann. Ich wollte nicht zwischen Trainings und Wettkämpfen noch schnell im Hotelzimmer etwas erledigen müs­sen. Die Arbeit an meiner Dissertation hat mir geholfen, einen sehr disziplinierten Rhythmus zu leben. Darum würde ich nicht sagen, dass sie sich belastend auf meine WM-Vorbereitung ausgewirkt hat.

Schwimmen und Schreiben – viel anderes haben Sie in den vergangenen Monaten wahrscheinlich nicht getan.

Nein, definitiv nicht. Aber gerade für den Sport war es ganz gut so. Ich hatte schlicht keine Zeit, über meine Trainings und Rennen nach­zudenken, zu grübeln, das habe ich vor allem früher viel zu viel gemacht.

In Ihrer Paradedisziplin 200 Meter Delfin sind Sie an den Olympischen Spielen in Rio im Halb­final mit 2:07,90 Minuten Ihre bisher schnellste Zeit geschwommen. 2:07, eine Zeit, die Sie immer mal wieder laut aussprechen müssten, haben Sie später mal erzählt. Wann zum letzten Mal?

Vor ein paar Tagen habe ich einer Regionalzeitung aus Heidelberg ein Interview gegeben. Im Gespräch habe ich meine Zeit genannt und mir gleich wieder gedacht: Das ist schon richtig schnell. Aber ich will diese Rekord­zeit nicht verherrlichen. Schliesslich arbeite ich darauf hin, noch schneller zu schwimmen. Und ich will mich nicht mit dem Gedanken behindern, dass ich an die Leistung von Rio nicht mehr herankommen werde.

Sie sind also überzeugt, dass Sie die magischen 2:07,90 zu knacken fähig sind?

Ja. Eine Analyse meiner Rennen in Rio hat ergeben, dass ich die letzten Meter vor der Wand immer leicht abbremse. Wenn ich es schaffe, das zu ändern, ist zeitlich nochmals ein rechter Sprung möglich. Damit meine ich jetzt nicht Sekunden, sondern ein paar Zehnteli. Um in Rio im Olympia-Final zu stehen, hätte ich eine Zeit von 2:07:22 gebraucht. Das sind knapp sieben Zehntel. Über 200 m Delfin ist das viel, aber nicht zu viel Zeit. Wenn ich nicht daran glauben würde, dass es noch schneller geht, hätte ich nach Rio gleich aufhören können.

Was liegt mit einer ähnlichen Zeit wie in Rio denn an der WM in Budapest drin?

In Rio bin ich mit meinem aktu­ellen Schweizer Rekord Zwölfte geworden, also mit einer sehr ­guten Zeit. Mein WM-Ziel wird sein, den Halbfinal der schnellsten 16 zu erreichen, das habe ich noch nie geschafft. Einmal im Halbfinal ist alles offen. Ich fliege aber nicht mit einer Zeit im Kopf nach Budapest.

Sondern?

Ich will primär ein sauberes Rennen schwimmen. Ich habe dafür in den vergangenen Monaten viel an der Technik gearbeitet. Das bedeutet: Schwimmen in einer regelmässigen Frequenz, in langen Zügen und nicht Abbremsen vor der Wand. Ich bin, was die WM anbelangt, sehr zuversichtlich. Über die 50 und 100 Meter Delfin habe ich ein so gutes Niveau wie noch nie. Jetzt muss ich versuchen, diese Leistung auch auf die 200 Meter zu übertragen. Ich bin aber davon abgekommen, nur auf die Zeit zu achten.

Wie sehr orientieren Sie sich im Wasser denn an den anderen Schwimmerinnen?

Ich arbeite, auch mit einer ­Sportpsychologin, intensiv dar­an, mich ganz auf mich zu konzentrieren. Ich bin eine Schwimmerin, die auf den zweiten 100 Meter aufdreht. Ich darf mich dar­um nicht davon irritieren lassen, wenn andere zu Beginn des Rennens vor mir schwimmen. Zu versuchen, gleich nach dem Start ein paar verlorene Meter wett­zumachen, wäre der grösste ­Fehler. Denn dann fehlt mir auf den letzten 50 Metern garantiert die Kraft.

Im Wasser haben Sie schon unzäh­lige Titel geholt. Nun wird mit dem Doktortitel in Publi­zistik bald einer an Land hinzukommen. Wie wird er Ihr Leben, auch das sportliche, verändern?

Vorerst gar nicht. Das Sommerprogramm ist fix. Nach der WM werde ich den Weltcup in Eindhoven und dann gegen Ende August noch die Universiade in Taiwan bestreiten. Weiter ist nichts im Detail geplant. Ich habe mir natürlich schon Gedanken gemacht, die sind aber noch nicht ausgereift genug, um in der Zeitung zu stehen.

2020 finden in Tokio die nächsten Olympischen Spiele statt. Mit Martina van Berkel?

Momentan sind die Spiele 2020 kein Thema. Erst mal steht die WM an.

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