Bachenbülach

«Es wird schwieriger als in London»

Die lange, präzise und auf Umwegen verlaufene Vorbereitung von Nicola Spirig endet heute. In Rio tritt die Bachenbülacherin zur Olympia-Titelverteidigung an.

Die amtierende Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig aus Bachenbülach ist meist sehr schnell unterwegs.

Die amtierende Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig aus Bachenbülach ist meist sehr schnell unterwegs. Bild: Reto Schneider

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Was planbar ist, haben die 34-jährige Nicola Spirig und ihr Trainer Brett Sutton erledigt. Nichts wurde in der Vorbereitung dem Zufall überlassen, für alles gibts eine Strategie. Das Resultat all ihrer Bemühungen erscheint heute auf der Anzeigetafel bei der Copacabana, wo der olympische Triathlon zu Ende gehen wird.

Video: Keystone

Das Ziel. Es scheint, nach ihrem Olympiasieg von London 2012, klar zu sein: wieder Gold. Die 34-jährige Was planbar ist, haben die 34-jährige Nicola Spirig und ihr Trainer Brett Sutton erledigt. Nichts wurde in der Vorbereitung dem Zufall überlassen, für alles gibts eine Strategie. Das Resultat all ihrer Bemühungen erscheint heute auf der Anzeigetafel bei der Copacabana, wo der olympische Triathlon zu Ende gehen wird. Das Ziel. Es scheint, nach ihrem Olympiasieg von London 2012, klar zu sein: wieder Gold. Die 34-jährige Bachenbülacherin will sich vorgängig allerdings nicht festlegen, zu Recht. «Ich will nach dem Zielband sagen können, dass ich alles gegeben habe. Das ist mein Ziel», erklärt sie. «Unter Umständen und je nach Konstellation bin ich sogar mit einem fünften Platz zufrieden.» Sie sagt aber auch: «Als Titelverteidigerin und in der Form, die ich bin, will ich sicher um die Medaillen kämpfen. Und eine Medaille an Spielen ist immer unglaublich.»

Die Strategien. Sie habe sich «sehr viele unterschiedliche» zurechtgelegt, sagt sie. «Es kommt drauf an, wie das Rennen verläuft.» Sie denkt, dass es grundsätzlich «schwieriger als in London» wird. Denn es habe drei bis fünf Konkurrentinnen, «die sehr gut schwimmen können und zugleich zu den besten Radfahrerinnen gehören. Es kann gut sein, dass sie auf dem Rad zusammen arbeiten» und damit auch gegen Nicola Spirig fahren. Bei dieser Konstellation werde es «schwierig für mich, auf dem Rad aufzuholen, zumal ich hinten niemanden in der Nähe hätte, der mir helfen könnte. Doch grundsätzlich muss ich sowieso selbst fähig sein, mein Schicksal im Rennen zu bestimmen.» Sie rechnet mit weiteren Szenarien und sagt sich: «Ich muss auf alles die richtige Taktik und Antwort haben.» Auch in dieser Beziehung ist sie, die konsequent wie wohl keine sonst im Feld plant, bereit. «Ich bin auf alle Konstellationen vorbereitet und weiss, was ich machen muss, wenn was passiert.» Unabhängig von Taktik zähle allerdings hauptsächlich dies: «Man muss wie immer schnell Schwimmen, schnell Radfahren und schnell Laufen… Ich hoffe, das reicht dann.»

Die Verletzung. Der Handbruch Anfang März in Abu Dhabi «war eine grössere Sache», blickt Spirig zurück. «Wir mussten die Vorbereitung umstellen und extrem einfallsreich sein. Auch da war ich sehr froh um Brett Sutton. Mental war es sicher schwierig. Ich bin sehr stolz, was wir daraus gemacht haben.» Die Schmerzen sind weg, nicht aber die drei Platten und 23 Schrauben in der Hand. Inzwischen kann sie sogar sagen: «Ich bin sehr fit und jetzt die bessere Athletin, als ich in London war. Was aber nicht heisst, dass ich gewinne.»

Der Vergleich. Das direkte Messen mit den besten Konkurrentinnen fehlte wegen der Verletzung. Sie liess geplante Starts an den World Series aus. Dadurch durfte sie in Rio die Startnummer erst spät wählen, was ein Nachteil sein kann.

Ein Duathlon. Zuletzt kam die Variante ins Gespräch, wegen allenfalls aufgewühlter See das Schwimmen zu streichen. «Damit beschäftige ich mich nicht extrem», sagt sie. «Das Wetter ändert schnell und die Vorhersagen hier sind nicht so genau wie in der Schweiz. Ein Duathlon würde mir entgegen kommen. Aber ich glaube nicht, dass die Organisatoren das machen. Ein Triathlon ist ein Triathlon und die olympische Disziplin. Sie werden das durchziehen wollen.» Das Wetter scheint sie ebenfalls nicht überraschend zu können. «Man muss auf alle Bedingungen vorbereitet sein, auch auf drei Meter hohe Wellen und Sturm.» Inzwischen haben die Prognosen geändert: Sie zeigen einen Hitzetag an.

Die Anreise. Am Mittwoch sind sie und ihr Trainer in Rio gelandet. Sie nahmen den Tagesflug, «weil wir nicht zu früh von der Höhe von St. Moritz runter wollten.» Ihr Mann Reto Hug und Sohn Yannis Elia reisten früher in der Nacht. Gemeinsam wohnen sie in einem Hotel «200 Meter vom Startgelände entfernt».

Das olympische Leben. Dem geht sie vor dem Rennen wie schon in Athen, Peking und London bewusst aus dem Weg. «Ich liebe die Spiele. Aber für eine Vorbereitung sind all diese Eindrücke nicht förderlich. Es ist wichtig, dass ich den Wettkampf wie immer angehe. Wenn er dann vorbei ist, werde ich all die Emotionen der Spiele mitnehmen können.»

Der Countdown. Am Donnerstag hat sie die Radstrecke belaufen, die sie vom Video her in- und auswendig und wohl am besten von allen kennt, obschon sie am Testevent nicht angetreten war. In St. Moritz haben sie seine Runde mit einer Steigung gefunden, die jener in Rio gleich kommt; «Rio-Hill» heisst er nun im Engadin. Das Startgelände an der Copacabana gehörte zum Besichtigungsplan, dem Wasser ging sie eher aus dem Weg: «Sicher werde ich vor dem Wettkampf nicht untertauchen. Ich will mir ja nicht noch etwas einfangen…» Sie habe sich über alles «einen guten Überblick verschaffen» können: «Keine Probleme und ich fühle mich gut.» Bis hierher hat sie alles getan. Bleibt die unmittelbarste Vorbereitung. Am Morgen vor dem Rennen wird es wieder Schokolade geben. Die Fingernägel, die silbern glänzen, will sie nur noch über-, nicht mehr umstreichen. «Es gefällt mir so. Und sie waren», lächelt sie, «schon silbern in London. Sie sind auch silbern in Rio.» Gewohnheiten, die mit Erfolgen verbunden sind, soll man nicht ändern. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 19.08.2016, 15:01 Uhr

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